AN, AJ 40/443


Paris, 3. Dezember 1940[1]


Der Militärbefehlshaber in Frankreich[2]


Kommandostab Abteilung Ia


Br[ief].B[uch[.Nr. 160/ 40 g[eheime].K[omman]dos[ache].


[...][3]



Geheime Kommandosache



An den


Herrn Oberbefehlshaber des Heeres[4]



Beiliegend wird der Lagenbericht für den Monat November 1940 übersandt




Der Militärbefehlshaber



von Stülpnagel



Anlagen:


Heft.



Verteiler:



O.K.H.[5]


Adj. Ob.d.H.[6]


=1.


Ausfertigung


Adj. Chef Gen.Stb.d.H.[7]


=2.


Ausfertigung


Gen.Qu.[8]


=3. u. 4.


Ausfertigung


O.Qu I[9]


=5.


Ausfertigung


O.Qu V[10]


=6.


"


G.Z.[11]


=7.


"


Op. Abt.[12]


=8.


"


Org.Abt.[13]


=9.


"


O.Qu IV[14]


=10.


"


Abt. fremde Heere West[15]


=11.


"


Heerwesen-Abt.[16]


=12.


"


Chef Transportwesen[17]


=13.


"


Chef H.N.W.[18]


=14.


"


Chef H Rüst und BdE[19]


=15. bis 18.


Ausfertigung


Personalamt[20]


=19.


Ausfertigung



O.K.W.[21]


W F St/L[22]


=20.


"


A Ausl.Abw.[23]


=21.


"



Militärbefehlshaber in Frankreich


Kommandostab


=22. bis 26.


Ausfertigung


Ia


=27.


Ausfertigung


Ic


=28.


"


IIa


=29.


"


III.


=30.


"


Kgf.[24]


=31.


"


Abwehrleitstelle


=32.


"


Prop.Abt.[25]


=33.


"


Abt. Otzen[26]


=34.


"


Verb.Offz. zur Dienststelle des Auswärtigen Amtes[27]


=35. u. 36.


"





Verwaltungsstab


=37. bis 87.


Ausfertigung


O.Qu. Frankreich[28]


=88.


Ausfertigung


W.Wi.Rü.-Stab Frankreich[29]


=89.


"


General z.b.V. I[30]


=90.


"


Höh.Nachr.Führer[31]


=91.


"



Mil.Verw.Bez. A


=92. bis 94.


Ausfertigung


Mil.Verw.Bez. B


=95. bis 97.


"


Mil.Verw.Bez. C


=98. bis 100.


"


Mil.Verw.Bez. Paris


=101. bis 103.


"


Mil.Verw.Bez. Bordeaux


=104. bis 106.


"


Standortkommandantur Paris


=107.


"



Nachrichtlich


Oberbefehlshaber West[32]


=108.


Ausfertigung


Heeresgruppenkommando A


=109.


"


" " " C


=110.


"


" " " D


=111.


"


A.O.K.[33] 1



=112.


"


A.O.K. 6


=113.


"


A.O.K. 7


=114.


"


A.O.K. 9


=115.


"


A.O.K. 16


=116.


"


Waffenstillstandskommission


=117.


Ausfertigung


Kommandierender Admiral Frankreich[34]


=118.


"


General der Luftwaffe Paris[35]


=119.


"


Militärbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich[36]


=120. u. 121.


"



Akte Ia Reserve


=122. bis 140.


Ausfertigung




Lagenbericht



Monat



November 1940




Inhalt


A) Vordringliche Probleme.


B) Lage auf den einzelnen Sachgebieten.


I) Politische Lage.


II) Verkehrs- und Nachrichtenwesen.


(A) Verkehrswesen.


a) Eisenbahnverkehr,


b) Schiffahrtverkehr,


c) Strassenverkehr.


(B) Nachrichtenwesen.


a) Das militärische Nachrichtenwesen,


b) Das zivile franz. Nachrichtenwesen, insbes.[ondere] der franz. Postverkehr.


III) Die franz. Verwaltung.


1) Allgemeines,


2) Das französische Polizeiwesen,


3) Schule und Kultur im besetzten Frankreich,


4) Die franz. Staats- und Gemeindefinanzen,


5) Das franz. Gesundheitswesen,


6) Das franz. Veterinärwesen,


7) Das Justizwesen im besetzten Frankreich.


IV) Die französische Wirtschaft.


1) Allgemeines,


2) Die gewerbliche Wirtschaft,


3) Ernährung und Landwirtschaft,


4) Forst- und Holzwirtschaft,


5) Auswärtiger Waren- und Zahlungsverkehr,


6) Arbeitseinsatz und Sozialfragen,


7) Bank- Börse- und Versicherungswesen,


8) Preisregelung.


V) Aufbau der Militärverwaltung.


1) Aufbau der Militärverwaltung,


2) Landesschützen- und Wacheinheiten,


3) Bodenständige Sicherung,


4) Bodenständige Einrichtungen.


VI) Die deutsche Exekutive und Gerichtsbarkeit im besetzten französischen Gebiet.


VII) Kriegsgefangene,


VIII) Flüchtlings- und Rückwandererwesen.




Anlagen.


1. Befehl des Militaerbefehlshabers vom 25. November 1940 betreffend monatliche Lageberichte.


2. Verzeichnis der wichtigsten franz. Gesetze im Journal Officiel.


3. Kohlenprogramm November 1940.


4. Uebersicht ueber den Bestand und Verbrauch von Mineraloel.


5. Anzeigen ueber Straftaten. (tab.[ellarische] Darstellung)


6. Beutematerial, (tab.[ellarische] Darstellung)


7. Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen im November 1940 (graphische Darstellung)


8. Arbeitsbericht des Deutschen Roten Kreuzes.





A. Vordringliche Probleme.


Der erfreuliche Stimmungsumschwung, der als Folge der Begegnung des Führers[37] mit Marschall Pétain[38] und Laval[39] in der französischen Bevölkerung zu erkennen war, ist in raschem Absinken zu einer gedrückten schwankenden Stimmung. Die Zustände sind labiler denn je! Irgendwelche sichtbaren Auswirkungen zu einer Neuordnung der Dinge sind ausgeblieben. Im Gegenteil, die Lothringer-Ausweisung[40] hat nach Tatsache und Form Entrüstung bei Regierung und Volk hervorgerufen und Zweifel an dem ehrlichen Willen Deutschlands aufkommen lassen. Trotz all dem würden auch jetzt noch sichtbare Auswirkungen der Führerbesprechung in Anbetracht der französischen Massenpsychologie das sicherste Gegengewicht gegen ein weiteres Absinken der Stimmung der französischen Bevölkerung und die Erfolgsaussichten der englischen Propaganda sein.


Die Notwendigkeit klarer politischer und militär-politischer Richtlinien zeigt sich immer zwingender, sie dürfen nicht zu spät kommen! Innen- und aussenpolitisch sollte Frankreich ein Anreiz zu aktiver Mitarbeit gegeben werden.




1.) Demarkations- und Nordostlinie.


Die wirtschaftlichen Schäden der beiden Sperrlinien wirken sich nach wie vor vor allem für die Besatzungsmacht nachteilig aus.


In Bezug auf die Nordostlinie wurden die erbetenen Rechtsgrundlagen noch nicht geschaffen. Die Truppe wird dadurch weiterhin in schwer tragbare Verhältnisse gesetzt.


Ein Überschreitungsverbot ist daher weder von deutscher noch von französischer Seite veröffentlicht.


Die Folge ist, daß das Einsickern der Bevölkerung seinen Fortgang nimmt.


Auf den Lagenbericht vom Oktober 1940, Seite 7[41] wird verwiesen.



2.) Abgabe von Kriegsgefangenen an das Reich.


Die befohlene Abgabe von 150 000 K[rie]g[sge]f.[angenen] an das Reich stellt einen entscheidenden Eingriff in das wirtschaftliche Leben und in die Verwaltungsmassnahmen dar. Abgesehen von dem zwangsläufig entstehenden Produktionsrückgang auf zahlreichen landwirtschaftlichen Gebieten bedeutet die Entfernung der Gefangenen von den Aufgaben des Strassenbaus, des Ausbaus von Flugplätzen und Truppenübungsplätzen auch eine Beeinträchtigung der militärischen Interessen. Erst durch die Abgabe selbst und die damit verbundene Stillegung zahlreicher wichtiger Arbeiten wird der Umfang des Schadens in vollem Masse erkennbar sein.


Es wird versucht werden, die Arbeitslosen als Ersatz für die abzugebenen K[rie]g[sge]f.[angenen] heranzuziehen. Man darf sich aber über den Erfolg keinen hochgespannten Erwartungen hingeben. Der größte Teil der städtischen Arbeitslosen ist weder körperlich, noch was Bekleidung und Ausrüstung betrifft für ländliche Arbeit wirklich nutzbringend einzusetzen, wie ich bereits in der Ostmark feststellen konnte. Das innenpolitisch schwach fundierte Kabinett Pétain wird sich überdies hüten, mit rigorosen Zwangsmassnahmen vorzugehen, um das französische Volk nicht immer mehr zu verärgern.


Die Besatzungsmacht aber fördert den Gedanken der Annäherung nicht, wenn sie ihrerseits Zwangsarbeit einführen wollte.



3.) Bevölkerungsbewegungen im besetzten französischen Gebiet und ihre Auswirkung auf die politische Lage.


Härter als alle Einschränkungen in Bezug auf das tägliche Leben und auch als die Abgaben an den Sieger sind diejenigen Massnahmen, die die Bevölkerung von Haus und Hof vertreiben. Solange man in dem französischen Volke nur den niedergeworfenen Feind sieht, steht irgend welche Rücksichtnahme nicht im Vordergrund der Handlungen. Sollen jedoch die politischen Beziehungen zugunsten späteren Zusammenwirkens im neuen Europa loyaler gestaltet werden, so dürfen nicht zu gleicher Zeit solche Massnahmen Anwendung finden, die die Bevölkerung zu erneutem tiefsten Hass veranlassen.



Lothringer


Die Rückkehr der ausgewiesenen Lothringer brachte neben Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Schwierigkeiten die ganze politische Enttäuschung der Vertriebenen in die verschiedenen Zufluchtsgebiete hinein.



Bevölkerung Nordostgebiet


Die zurückgehaltene Bevölkerung des Nordostgebietes kennt nur einen Gedanken, nämlich die Rückkehr in die engere Heimat. Als Gäste fremder Familien halten sie sich für überflüssig. Sie kommen nicht in den Arbeitsprozess hinein, fühlen sich wertlos und bilden in politisch-moralischer Hinsicht eine Zersetzungsquelle.


Ähnliche Erfahrungen wurden bei den deutschen Flüchtlingen der westlichen Grenzzone festgestellt. Unter dem Einfluss der ununterbrochenen gewaltigen deutschen Siege konnte sich hier nichts im ungünstigen Sinne auswirken. Anders im geschlagenen Frankreich.


Durch eine neuere Verfügung werden die Ausländer aus dem Küstengebiet entfernt werden[42]. Hierdurch entsteht wieder eine Volksbewegung von rund 30 000 Menschen. Diese müssen wiederum als Fremdkörper in die Gemeinden und Familien hineingepresst werden, die schon infolge der Zerstörung zahlreicher Ortschaften mit Zwangseinquartierung schwer überlastet sind. Während sie bisher zum Teil bodenständig ihren Unterhalt durch eigene Leistungen verdienten, scheiden sie in den Rückführungsgebieten wenigstens zunächst für den Arbeitsprozess aus und fallen der Wohlfahrtspflege anheim.



Internierung von Engländern


Die Internierung von 7000 Engländern bringt zwar einige wirtschaftliche Veränderungen mit sich, wirkt sich jedoch mehr auf die deutsche Wehrmacht, der die schwierige Betreuung von Greisen, Frauen und Kindern zufällt, aus, als auf die französischen Behörden und das französische Volksleben.


Die Evakuierung von 6000 Menschendurch die Einrichtung des Luftwaffenübungsplatzes Sedan ist zweifellos eine grosse Härte. Die Bevölkerung dieses Gebietes hat mit einer Vertreibung von Haus und Hof so lange nach dem Waffenstillstand und ohne sichtbare Kriegseinwirkung nicht gerechnet. Auf die Einrichtung des Übungsplatzes kann jedoch nicht verzichtet werden. Die Vorarbeiten wurden ausserdem schon lange vor der Begegnung des Führers mit den französischen Staatsmännern in Angriff genommen.


Eine letzte, wenn auch kleine Bevölkerungsverlagerung entsteht durch die Räumung von Stadtteilen der regelmässig angegriffenen französischen Häfen[43]. Zurzeit befinden sich immerhin 13 000 Menschen ausserhalb ihrer regulären Wohnsitze.


Bei der Bewertung aller dieser Massnahmen muss berücksichtigt werden, wie notwendig gerade im französischen Raum eine absolute Beruhigung des Volkslebens für die Erfüllung aller politischen und wirtschaftlichen Ziele ist.


Durch die Völkerwanderung von 8 Millionen Flüchtlingen sind Störungen des Volkslebens eingetreten, die nur unter geordneten Verhältnissen beseitigt werden können. Es sollte daher allen deutschen Dienststellen zur Pflicht gemacht werden, Massnahmen, die mit einer Verlagerung von Bevölkerungsteilen und neuen Flüchtlingsbewegungen verbunden sind, mit den politischen Absichten der obersten Führung in Einklang zu bringen. Andernfalls entstehen hier Dissonanzen, die zwar eine einzelne Dienststelle in ihrer Tragweite nicht übersehen kann, die aber insgesamt die politische Voraussetzung, mit der die Führung rechnet, völlig verschieben kann.




B. Lage auf den einzelnen Sachgebieten.


I. Politische Lage.


Stimmung der französischen Bevölkerung und ihre Gründe.


Um ein einigermassen klares Bild über die zwischen Furcht und oft falscher Hoffnung schwankende Stimmung der französischen Bevölkerung zu bekommen, ist es erforderlich, die Haltung des französischen Volkes zur eigenen Regierung in Vichy, zu Deutschland und zu England zu untersuchen.


In den andauernden schweren wirtschaftlichen und politischen Belastungsproben macht sich immer mehr die geringe ideologische Verankerung der neuen Staatsform bemerkbar. Der Wechsel der Regierungsform war vollzogen worden in der klaren und nüchternen Erkenntnis einer totalen Niederlage und der politischen Rückständigkeit der bisher tragenden politischen Ideen. Der neue politische Gedanke, der bei der Reform des Staates proklamiert wurde (Arbeit, Familie und Vaterland), konnte keine spontane Volksbewegung schaffen - sie war seit langem hier nicht vorhanden. Er blieb wenigstens vorläufig eine gedachte Grösse. Aber auch unter den Gegnern der Regierung ist eine schlagkräftige politische Willensrichtung nicht feststellbar. Die verschiedensten politischen Gruppen tauchen auf, denen man ihre Herkunft aus der Zeit des Parteiensystems ohne weiteres anmerkt, wenn sie auch teilweise unter faschistischen Formen auftreten.


In einer solchen richtungslosen Zeit werden die politischen Anschauungen weitgehend vom Äusseren her beeinflusst. Das Fehlen eines klaren politischen Denkens lässt Stimmungen und Gegenstimmungen schnell wechseln.



Die Opposition und ihre Gründe.


Die starke Opposition gegen die Regierung wird wesentlich durch drei Faktoren bestimmt:



a) Wirtschaftliche Nöte. Durch die bekannten wirtschaftlichen Nöte und Schwierigkeiten, die ohne tiefere Überlegung der Regierung und der Besatzungsmacht zur Last gelegt werden.


Die grosse Zahl der Arbeitslosen und die Schwierigkeiten der Lebensmittelversorgung, die hauptsächlich von der ärmeren Bevölkerung getragen werden müssen, da die reicheren Leute sich auf dem Wege des Schleichhandels noch ganz gut versorgen können, geben vor allem der kommunistischen Propaganda wichtige Ansatzpunkte (s. unten).



b) Englandfreunde de Gaulle[44]. Die ausgebliebene Invasion, die Widerstandskraft Englands und die Fortschritte im Unternehmen de Gaulle's werden als Stimmungserfolge für England gewertet. Die ausgezeichnete englische Propaganda, vor allem die englischen Radiosendungen, aber auch Flugblatt-Propaganda und die Möglichkeit, unter den anglophilen Kreisen gute Aktiv-Propaganda zu treiben, weiss diese Hoffnung zu verstärken. Der englische Rundfunk beherrscht nach wie vor ab 19,15 Uhr den Äther[45].


Unter den Anhängern de Gaulle's kann man 2 Gruppen unterscheiden: Bei der ersten zahlenmässig stärksten, wird die Hoffnung auf den Sieg Englands verbunden mit dem kleinbürgerlichen Wunsch des alten gewähnten [sic!] Lebens der Ruhe und des "wohlsituierten" Friedens. Das Jahrhunderte alte Misstrauen gegenüber Deutschland und den deutschen Ideen spielt in den Gedankengängen dieser Gruppe entscheidend mit. Politisch erscheint diese Gruppe jedoch nicht gefährlich, da sich ihre Sympathie für England nicht aktiv äussert und sie sich abwartend verhält. Durch tatsächliche Erfolge der Regierung könnte ein grosser Teil dieser Gruppe umgestimmt werden.


Gefährlicher kann die zweite Gruppe der England-freundlichen Opposition werden. Sie hat ihre Anhänger vor allem unter Studenten und Schülern, aber auch in einem Teil der Beamtenschaft und der Berufsoffiziere. Man will sich nicht abfinden mit der "2. Rolle", die Frankreich in der politischen Neuordnung zugedacht ist. Die Zusammenarbeit mit Deutschland wird als Verrat an der Sache Frankreichs erklärt. Die Gruppe ist zwar zahlenmässig gering, wie auch die Beteiligung der Bevölkerung an den Demonstrationsversuchen (s. unten) gezeigt hat. Aber allmählich scheint sie sich zu organisieren, ihre Propaganda (vermutlich mit Unterstützung Englands) wird planmässiger. Ihre politischen Ziele können nach ihrer bisherigen Propagandatätigkeit etwa folgendermassen umrissen werden:


Kampf gegen die Regierung in Vichy,


Stärkung der seelischen Widerstandskraft gegenüber der deutschen propagandistischen "Zersetzung",


Passiver Widerstand gegenüber der Besatzungsarmee.


Aufruf zu aktivem Widerstand und planmässige Sabotageorganisation konnten bisher noch nicht festgestellt werden. Als Abzeichen dieser Gruppe ist in einzelnen Fällen das Lothringer Kreuz erkannt worden.


Die Werbung von Soldaten für de Gaulle wurde mehrfach festgestellt. Es war möglich, in Nancy[46] eine Werbezentrale auszuheben. Abwehrstellen und GFP[47] führen den Kampf gegen de Gaule [sic!]-Agenten in verschärftem Masse.



c) Fehlende Folgerungen aus den deutsch-französischen Besprechungen.


Die politischen Ereignisse der Berichtszeit waren nicht geeignet, für die Regierung und den Gedanken der Zusammenarbeit zu werben. Die deutsch-französischen Besprechungen beanspruchten zunächst einen grossen Teil der Diskussionen, wobei man feststellen konnte, dass auch anglophile Kreise zum Nachdenken gebracht wurden. Erschien auch die Hoffnung auf einen baldigen Friedensschluss oder zumindest die Bekanntgabe des Vertragswerks im Umriss (Klärung der brennendsten Frage: die Gebietsabtretung) verfrüht, so wurden doch positive Massnahmen zur Behebung der dringendsten wirtschaftlichen und psychologischen Probleme erwartet:


Aufhebung der Nordost- und Demarkationslinie


Erleichterung der wirtschaftlichen und psychologischen (Postverkehr) Auswirkungen der Dem.[arkations] Linie


Verminderung der Besatzungskosten


Umfassende Lösung der Kriegsgefangenenlage.


Die proklamatische Ankündigung der Besprechungen hatte das Ihre getan, um die Erwartung hochzuschrauben. Die Enttäuschung war darum gross, als keinerlei Lösungen getroffen wurden.



Lothringer Frage.


Die überraschenden Massnahmen in Lothringen haben die regierungsfeindliche Stimmung ganz allgemein verstärkt. Die Tatsache, daß Tausende aus Lothringen zur Auswanderung in kürzester Zeit gezwungen wurden, hat sich in der französischen Bevölkerung sehr schnell herumgesprochen und sehr starke Reaktionen ausgelöst. Selbst in loyalen Kreisen herrschen Ratlosigkeit und Zweifel an der Ehrlichkeit der Deutschen, mit Frankreich zu einer Verständigung zu kommen.



Rückwirkungen der deutschen diplomatischen Aktivität.


Die diplomatische Aktion in Deutschland wird im allgemeinen ohne grosses Interesse verzeichnet. Die Reise Molotow's[48] liess die Hoffnung anglophiler Kreise auf eine Verstimmung zwischen Deutschland und Russland als trügerisch erscheinen[49]. In der Zusammenkunft des Führers mit Mussolini[50] habe sich klar erwiesen, dass Italien von seinen Forderungen nicht abgehen wolle[51]. Das starke politische Ressentiment gegenüber Italien zeigt sich besonders in der offenen Schadenfreude über die Niederlage der Italiener in Griechenland[52]. Die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Deutschland erscheint erschwert, wenn Deutschland Italien grosse Gebietsabtrennungen zugestehe, da hierdurch Frankreich in seiner Ehre angegriffen würde. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Stellung Laval's wegen dieser ausgebliebenen Erfolge sehr gelitten hat und dass der Gedanke der Collaboration[53] auch seine loyalsten Anhänger verlieren kann, wenn nicht bald starke Auswirkungen zu verzeichnen sind.



Stellung Pétains.


Trotz all dieser Schwierigkeiten kann die Stellung der Regierung Pétain mangels wirksamer Opposition einer Bewegung von entschlossenen Männern und infolge der fortschreitenden Festigung der staatlichen Machtmittel weiterhin als einigermassen gesichert betrachtet werden.


Als besondere Stütze der Regierung muss ein grosser Teil der bäuerlichen Bevölkerung angesehen werden, da ein guter Absatz ihrer Ernteprodukte gewährleistet ist und die Bauern in Pétain den Willen zur französischen "Statik", zur Beendigung des Krieges und zum endgültigen Frieden sehen. Die Person Pétains geniesst auch in anderen Kreisen Verehrung. Die oppositionelle Intelligenz, hauptsächliche der Städte, lehnt ihn jedoch ab, da er zu alt und schwach wäre, um einen bestimmten Kurs durchzusetzen. Die de Gaulle-Anhänger nennen ihn "le drapeau", um zu kennzeichnen, wie wenig er tatsächlich Staatschef sei.



Judenfrage


Die Kennzeichnung der jüdischen Geschäfte[54] hat ein gewisses Echo gefunden, es herrscht Erstaunen darüber, wieviele Geschäfte in jüdischen Händen sind, und hat daher in dieser Hinsicht einen gewissen Nutzen gehabt. Rassische Erkenntnisse sind jedoch nur in sehr geringem Masse vorhanden. Im allgemeinen wurden die Massnahmen begrüsst, wenn dadurch die Ausschaltung und Feststellung der fremdstaatlichen Juden ermöglicht wurde. Bei alt eingesessenen französischen Juden wurde die Kennzeichnung vielfach als Ungerechtigkeit empfunden. Die Abschwächung der Kennzeichnung durch Aufzählen von Verdiensten (Kriegsteilnehmer, alt eingesessene Familie) wurde daher meist nicht beanstandet. Im allgemeinen ist folgende Anschauung über die Judenfrage festzustellen:


Eine radikale Lösung würde zurzeit zu grossen wirtschaftlichen Erschütterungen führen. Deutschland habe mehrere Jahre zu einer Lösung gebraucht. Auch sei zunächst die Frage der Emigration zu klären.


Die durch die Verordnung vom 27.9.1940 angeordneten Massnahmen gegen Juden[55] sind im wesentlichen abgeschlossen. Die Juden des besetzten Gebietes sind registriert, ihre Identitätskarten sind gekennzeichnet und jüdische Geschäfte durch ein gelbes Schild kenntlich gemacht. Die genaue Zahl der im besetzten Gebiet vorhandenen Juden und jüdischen Geschäfte wird noch festgestellt. Im Seine-Departement, also in Gross-Paris, wurden 149 734 Juden gezählt. Als jüdische Geschäfte wurden 7 737 Einzelunternehmen und 3 456 Gesellschaften gekennzeichnet.


Weitere Ausführung bezüglich Arisierung jüdischen Besitzes vergleiche Abschnitt IV,1.



Kommunisten


Die kommunistische Propaganda findet in der politischen Richtungslosigkeit des Volkes und den schwierigen sozialen Verhältnissen ein gutes Betätigungsfeld. Ein Zeichen jedoch, wie schwer die KPF durch das Verbot der Parteien, die Zerschlagung ihres Propagandaapparates, die Festnahme des grössten Teils der kommunistischen Führer und die Schwierigkeiten einer illegalen Betätigung getroffen worden ist, zeigt ihre Propaganda, die ihren Schwerpunkt auf folgende Forderungen legt:


Aufhebung des Presseverbots für alle kommunistischen Zeitungen,


Sofortige Befreiung aller verhafteten Kommunisten.


Als taktisches Ziel ist auf Grund der Flugblatt- und illegalen Zeitungspropaganda die Schaffung einer Ausgangsbasis zur Wiederbegründung der Partei durch politische Zersetzung des Volkes und des Staatsgefüges zu erkennen, d.h. die Sammlung unzufriedener Elemente der Arbeiterschaft und des Kleinbürgertums und die Bildung von politischen Zellen.


Die Zersetzungspropaganda ist vorwiegend gegen die Regierung, die führenden Männer, die neue Ideologie des Staates und die einschneidenden ("faschistischen") Massnahmen auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik und Jugenderziehung gerichtet. Nach anfänglicher Zurückhaltung wird nun auch gegen die Besatzungsarmee und die deutsche Propaganda Stellung genommen. Das Abgleiten ins anglophile Fahrwasser kann wohl mehr als taktisches Manöver zur Schaffung von Unruheherden angesehen werden.


Brennpunkte der kommunistischen Werbetätigkeit bleiben die Städte mit ihrer grossen Zahl von Arbeitslosen und Arbeitern.


Eine politische Zersetzung der Besatzungstruppe ist zwar programmatisch vorgesehen, wurde aber bisher nur in ganz geringem Umfange durchzuführen versucht.



Katholische Kirche


Über das Verhalten der französischen Geistlichkeit ist nichts Neues zu berichten. Sie passt sich wendig der Lage an, ihr Auftreten ist korrekt, eine teilweise Überwachung der Predigten hat nichts Nachteiliges ergeben. Auf Grund von Waffenfunden in Pfarrhäusern des Bezirkes B[56] wurde eine grössere, möglichst unauffällig durchzuführende Aktion zur Durchsuchung der Pfarrhäuser in diesem Bezirk veranlasst. Das Ergebnis steht noch aus.


Hervorzuheben ist die Erklärung des Pariser Kardinals Baudrillart[57], der seine Landsleute aus ideellen und materiellen Gründen eindringlichst zur Sammlung hinter Pétain auffordert[58].



Französ.[ische] Bevölkerung und Bes.[atzungs]Macht


Die französische Bevölkerung fügt sich willig in die Massnahmen der deutschen Besatzungsbehörde; die Zusammenarbeit mit den französischen Behörden ist besser geworden. Die Weisungen der französischen Regierung beginnen sich hier auszuwirken. Die französische Polizei arbeitet im allgemeinen loyal und brauchbar. Gelegentliche Schwierigkeiten sind auf mangelnde Organisationsfähigkeit, fehlenden Ordnungssinn und unbekanntes Arbeitstempo der französischen Dienststellen zurückzuführen.



Deutsche Propaganda


Die deutsche Propaganda gewann zu Anfang des Berichtsmonats, auf der glücklichen Voraussetzung der erfolgten deutsch-französischen Besprechung fussend, sichtlich an Boden. Allgemein konnte festgestellt werden, dass vor allem in der breiten Masse die Erkenntnis wächst, dass die Zusammenarbeit mit Deutschland die einzige Chance ist, die Frankreich besitzt. Man begann sich mit Deutschland zu beschäftigen und zu überlegen, ob es in Deutschland nicht doch besser aussieht und zugeht, als man es sich bisher vorgestellt hatte. Man wollte mehr über Deutschland und vor allem über seine sozialen Verhältnisse wissen und erfahren. Die zufriedenen Briefe französischer Arbeiter aus Deutschland und ihre Geldsendungen wirkten günstig mit. Diese günstige Aufnahmebereitschaft hat durch den politischen Schwebezustand einen Rückschlag erlitten, der sich z.T. in antideutscher, anglophiler Stimmung auswirkte. In einer solchen Lage wachsen naturgemäss Abwehrbereitschaft und Widerstand gegen die deutsche Propaganda, die aber mit Erfolg ein weiteres Absinken der Stimmung verhindert hat.


Zu einer ruhigeren Betrachtung der Lage durch die Bevölkerung hat die Botschaft Scapinis[59] über die mit Deutschland geführten Verhandlungen über die Kriegsgefangenen beigetragen[60].


Der Berichtsmonat zeigte wieder deutlich, dass der Wille zur deutsch-französischen Verständigung eng verknüpft ist mit politischen Erfolgen der Collaboration, das heisst aber, dass eine wirksame Propaganda nur möglich ist, wenn "Beweise" für eine deutsch-französische "Collaboration" vorliegen.



Der deutsche Soldat


Erfreulicherweise muss wieder festgestellt werden, dass das korrekte und soldatische Auftreten der deutschen Wehrmacht in der Öffentlichkeit das beste Propagandamittel ist. Der einzelne Soldat wird immer als der Vertreter des neuen Reiches und seine klare, saubere Haltung als Ausdruck unseres neuen politischen Willens angesehen.



Innere Sicherheit.


Sabotage


Die Sabotageakte sind etwa auf der gleichen Höhe wie im vorigen Berichtsmonat geblieben. Wenige Überfälle auf deutsche Soldaten stehen in ihrer Mehrzahl unter dem Einfluss des Alkohols und haben keinen politischen Hintergrund. Planmässiges Arbeiten von Sabotageorganisationen konnte nirgends festgestellt werden. Die angeordneten Gegenmassnahmen wirken sich erzieherisch gut aus[61]. Es wurde vor allem von der Anordnung der Bewachung[62] und der Freiheitsbeschränkung der Bevölkerung[63] Gebrauch gemacht.



Deutschfeindliche Kundgebungen.


Zu deutsch-feindlichen Kundgebungen geringen Ausmasses kam es am 11.11.1940 in Paris[64] und am 18.11.1940 in Dijon[65]. Die Demonstranten waren durchweg Studenten und Schüler höherer Lehranstalten. Die Bevölkerung hat sich kaum daran beteiligt. Es gelang jeweils in kürzester Zeit, die Demonstrationen zu zerstreuen. Als Strafmassnahme wurden die Hochschulen von Paris und Dijon geschlossen. Die Verhafteten wurden den Kriegsgerichten überwiesen. Als am 24.11.40 erneut Demonstrationen von Studenten in Paris angekündigt wurden, hat die französische Polizei vorbeugend etwa 900 Studenten und Schüler vorübergehend festgenommen. Zu Demonstrationen kam es nicht.



Zusammenfassung


Die Lage hat sich gegenüber dem Vormonat stimmungsmässig verschlechtert. Die Sicherheit der Besatzungstruppen ist nirgends gefährdet; die kommunistische Bewegung wird weiterhin scharf überwacht. Die deutsche Propaganda wird entsprechend den Erfahrungen ausgerichtet.




II. Verkehrs- und Nachrichtenwesen.


1. Verkehrswesen.


Organisation.


Im Berichtsmonat wurde im Stabe des Militaerbefehlshabers die Dienststelle des T.O.[66] (an Stelle des Bv. T.O.[67]) eingerichtet. Der T.O. vertritt einheitlich die Transportplanungen des Militaerbefehlshabers gegenueber den Transportdienststellen.


Auf Anordnung des Oberbefehlshabers des Heeres wurde ferner der Leiter der Wirtschaftsabteilung, KVCh Dr. Michel[68], mit der einheitlichen Planung und insbesondere mit der infolge Transportraummangels notwendigen Dringlichkeitsabstufung fuer alle Wirtschaftstransporte im besetzten Frankreich und in Belgien betraut.



Eisenbahnverkehr. Allgemeine Lage.


In der Berichtszeit wurden weitere Eisenbahnstrecken in Betrieb genommen. So wurde der Pariser Nordring wieder vollkommen dem Betrieb uebergeben und damit ein unmittelbarer Verkehr von dem Pariser Bahnhof St. Lazare nach Cherbourg[69] ermoeglicht. Weiter sind jetzt die Linien Paris-Rouen[70], Paris-Melun-Moret[71] und Soissons-Reims[72] wieder befahrbar. Anfang Dezember wird auch die sehr wichtige Marnetalbahn wieder in Betrieb genommen werden.


Zur Behebung des Transportraummangels wurden 6000 mit Beutegut beladene, seit Monaten bahnstehende Wagen entladenund abgefahren. An der Entladung der noch verbleibenden 1-2000 Wagen wird zurzeit gearbeitet.



Der militaerische u.[nd] wirtschaftliche Transportbedarf.


a) Militaertransporte.


Wenn auch groessere Truppenbewegungen im November nicht stattfanden, so war dennoch der Wehrmachtverkehr recht lebhaft. Hinzu kamen umfangreiche Kartoffel- und Kohlentransporte, die fuer die Wehrmacht bestimmt waren und an die Empfaenger erhebliche Anforderungen bei der Entladung stellten. Im Durchschnitt wurden taeglich einschliesslich der Kohlenzuege 35 Zuege fuer die Truppe gefahren. Der Abschub von Kriegsbeute wurde auf ein Mindestmass gedrosselt.



b) Wirtschaftstransporte.


Der wirtschaftliche Transportbedarf und seine Befriedigung im allgemeinen.


Der Wagenmangel hat sich durch den weiteren Abzug von Transportraum einerseits, die zunehmende Wiederbelebung der Wirtschaft andererseits derart verschaerft, dass mit dem der franz. Eisenbahn verbliebenen Wagenbestand nur noch der dringenste [sic!] Transportbedarf befriedigt werden kann. Insbesondere brachte die vorerwaehnte Entladungsaktion noch keine fuehlbare Entlastung. Besonderer Mangel besteht an O-Wagen[73], die fuer Kohlen- und Ruebentransporte benoetigt werden.


Der Transportbedarf waechst staendig.


Um der sich aus dieser Entwicklung ergebenden Schwierigkeiten nach Moeglichkeit Herr zu werden, sind vor allem drei Gegenmassnahmen noetig



1) straffe Organisation der Transportlenkung.


Zu diesem Zweck sind fortan alle Forderungen auf Bereitstellung von Transportraum fuer Wirtschaftsgueter an den Leiter der Wirtschaftsabteilung[74] beim Militaerbefehlshaber als Beauftragten des Ob.d.H.[75] zu richten, der die Anmeldungen in einem Plane zusammenfasst, die Plaene fuer Frankreich und Belgien untereinander ausgleicht und sie mit dem im Reich fuer den Verkehr mit Frankreich und Belgien aufzustellenden Plaenen abstimmt. Soweit nicht alle Transportforderungen beruecksichtigt werden koennen, entscheidet der Beauftragte des Ob.d.H.nach Anhoerung der anmeldenden Stelle, welche Forderung auf dem Bereich der besetzten Gebiete vorweg befriedigtwerden sollen.


Ausgenommen von der zentralen Planung sind Transporte von weniger als 500 to, ueber welche die Eisenbahnbetriebsdirektion unter Beteiligung der Feldkommandanten und Bezirkschefs entscheidet.



2) Vermehrung der Transportmittel.


Die Rueckgabe aller franz. Gueterwagen aus Deutschland, soweit sie die planmaessig abgegebene Zahl von 85000 Wagen uebersteigen, bildet die unbedingt [sic!] Voraussetzung fuer die Erfuellung der dem Militaerbefehlshaber auf wirtschaftlichem Gebiete gestellten Aufgaben. Die Nichterfuellung dieser Forderung wird sich auch auf die Versorgung der Truppe aus dem Lande in bedenklicher Weise auswirken.



3) Entlastung der Bahn.


Zur Entlastung der Schienenwege muss die Beforderung [sic!] gewisser Guetergruppen auf die Strasse verlegtwerden, wobei das Mass dieser Verlagerung allerdings durch die Treibstoffmenge bestimmt wird, die hierfuer zur Verfuegung gestellt werden kann. Eine gewisse Entlastung bringt bereits die Binnenschiffahrt (siehe unten).



Die Transportlage f.[ür] d.[ie] hauptsaechlichen Wirtschaftsgueter.


a) Kohlentransporte.


Kohlentransporte fuer das besetzte Gebiet Frankreichs laufen sowohl aus dem Liller Bezirk als auch aus dem mittel- und suedfranz. Kohlenrevier. Das Lieferungssoll aus dem ersteren Bezirk wurde im November nur zu 85 vH erfuellt. Der Ausfall von 15 vH wiegt umso schwerer, als die geringen Vorraete der Versorgungsbetriebe, Industriewerke und des Kohlenhandels inzwischen aufgezehrt sind. Jeder ausfallende Kohlenzug wirkt sich infolgedessen unmittelbar auf den Betrieb aus. Die Lieferungen aus den mittel- und suedfranz. Revieren haben gleichfalls das Lieferungssoll nicht ganz erreicht.


Zur Entlastung des Liller Bezirks ist eine Menge von 5000 to Kohlen taeglich auf den belgischen Kohlenbezirk Mons umgelegt worden. Die franz. Eisenbahnverwaltung stellt den hierzu benoetigten Wagenraum.



b) Grubenholztransporte.


Der Grubenholztransport wird ausser durch den Wagenmangel auch noch durch die ausserordentlich weiten Wege behindert. Auch hier droht den Betrieben Einschraenkung.



c) Beute-, Schrott- und Rohstofftransporte.


Die Abbeförderung von Wirtschaftsbeute wurde ebenso wie die der Kriegsbeute stark gedrosselt[76]. Auch der Schrottversand wurde stark eingeschraenkt, weil ein Teil davon auf die Wasserstrassen verlegt werden kann. Der Abtransport von sonstigen Rohstoffen geht in der vorhergesehenen Weise vor sich.



d) Transport von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Duengemitteln.


Besonders dringlich sind Kartoffeltransporte von Deutschland und Holland nach Frankreich und Weizentransporte von Frankreich nach Deutschland einschl.[ießlich] Elsass und Lothringen. Daneben laufen Apfeltransporte nach Deutschland; ihr Gesamtumfang musste infolge Transportraummangels auf die Haelfte ermaessigt werden. Auch der Flachstransportnach Belgien bereitete Schwierigkeiten und geht nur schleppend vor sich. Die Versorgung der Besatzungstruppe aus der freien Zone mit Hafer und Rauhfutter mussten ebenfalls auf das unbedingt notwendige Mass herabgesetzt werden, da die Eisenbahnwagen fuer andere dringende Transporte benoetigt wurden. Der Zuckerruebenversand konnte jedoch befriedigend abgewickelt werden. Ausserdem wurden Waloeltransporte aus einem westfranzoesischen Hafen mit besonderen Kesselwagen nach Deutschland in die Wege geleitet. Im Dezember sollen noch r[un]d. 100000 to Stickstoff, 50000 to Kali und 100000 to Superphosphat gefahren werden. Die Erfuellung dieser Forderung ist von der Rueckgabe der vorerwähnten Gueterwagen abhaengig.



e) Spanientransporte.


Die ersten Apfelsinenzuege sind an der spanisch-franz. Grenze bereits eingetroffen. Z.T. geht der Transport der Apfelsinen auch mit Seeschiffen nach suedfranz. Haefen, von woaus [sic!] die Fruechte mit der Bahn weiterbefördert werden. Weitere umfangreiche Transporte von Guetern verschiedener Art aus Spanien, Portugal[77] und den nordafrik.[anischen] Kolonien sollen folgen.



Schiffahrtsverkehr.


a) Binnenschiffahrt.


Der Wasserstrassenversand aus dem Liller Kohlenrevier[,] der in dieser Verkehrsrichtung au-sschl.[ießlich] Kohlentransporten vorbehalten ist, konnte inzwischen auf 4-5000 to taeglich gesteigert werden.


Im Bezirk C[78] findet ein reger Schiffahrtsverkehr, z.T. auch mit dem unbesetzten Gebiet (Kohlen- und Grubenholztransporte) statt. Mit der Eroeffnung des Rhein-Marne-Kanals, die bis Ende d[iese]s.J[ahre]s. zu erwarten ist, werden groessere Transporte nach und von dem Reich unter Entlastung der Eisenbahn auf dem Wasserweg uebernommen werden koennen.


Anfang 1941 duerfte das gesamte franz. Kanalnetz im Wesentlichen wieder befahrbar sein.



b) Seeschiffahrt.


Infolge besonderer Umstaende konnten groessere Wirtschaftstransporte von den Kanalhaefen auf dem Seewegenach dem Reich durchgefuehrt werden. Dadurch wurde vor allem die Kohlenversorgung Ostdeutschlands verbessert. Weitere Ladungen (Beutegut, Messing, Schrott, Kolonialhoelzer, Steine und Erden) gingen mit Seeschiff nach belgischen und deutschen Seehaefen.



Strassenverkehr


Kraftfahrzeugverkehr.


a) Allgemeine Lage.


Der Bestand von Nutzkraftfahrzeugen wurde weiterhin aufgefuellt.


Von den 20000 Nutzkraftfahrzeugen aus dem unbesetzten Gebiet (vergl. Lagebericht September S. 48 u. 116ff[79]) sind bereits r[un]d. 5000 Fahrzeuge in das Gebiet suedlich und westlich der Nordostlinie zurueckgefuehrt worden. Die franz. Regierung wird in naechster Zeit weitere 5000 Fahrzeuge bereitstellen.


Die aus der Neuproduktionfuer die franz. Wirtschaft zur Verfuegung gestellten Fahrzeuge sind auch weiterhin so zahlreich, dass die Beduerfnisse befriedigt werden konnten.


auch [sic!] durch die Instandsetzung von Kraftfahrzeugen auslaend.[ischer] Fertigung wird der franz. Wirtschaft eine grosse Anzahl von Kraftfahrzeugen zugefuehrt werden.


Die Aufraeumung der an den Strassen zahlreich herumliegenden Wraks [sic!] wurde veranlasst.



b) Transportbedarf.


Im Gegensatz zum Eisenbahnverkehr konnten die Anforderungen an die Strassenverkehrsmittel befriedigt werden.


Zur Entlastung der Bahn sind Lastkraftwagen im Nahverkehr entsprechend den Friedensverhaeltnissen verstaerkt einzusetzen. Ein erster groesserer Versuch wird bei der Verteilung von Duengemitteln von den Lagerplaetzen auf die in der Nahzone befindlichen landwirtschaftlichen Betriebe gemacht werden.



Fragen der Verkehrspolizei.


Die im Lagebericht Okt.[ober] erwaehnte franz. Verkehrsordnung ist nunmehr eingefuehrt[80]. Sowohl die franz. Behoerden als auch die Feldgendarmerie fuehren laufend Verkehrskontrollen durch. Unangenehm bemerkbar macht sich hierbei, dass die neuvorgeschriebenen Ausruestungsstuecke wie Verdunkelungskappen, Beleuchtungsanlagen, Rueckstrahler u.[nd] dergl.[eichen] schwer zu beschaffen sind.



Strassen u.[nd] Brueckenbau


Beim Brueckenbau macht sich der Mangel an Baustoffen, insbesondere an Eisen und Zement, sowie an Transportmitteln (Waggon- und Benzinmangel) bemerkbar. Die Gesamtzahl der zerstoerten Strassenbruecken betraegt nach den jetzt vorliegenden Meldungen r[un]d. 1400, wovon etwa 2/3 wieder passierbar sind.


Groessere Strassenbauarbeitensind wieder in Gang gekommen. Hauptsaechlich handelt es sich um Umgehungsstrassen und die Beseitigung von Eisenbahnplankreuzungen.


Die Beschilderung der militaerisch wichtigen Durchgangsstrassen wurde fortgesetzt und ihre Zweckmaessigkeit fuer Marschbewegungen ueberprueft. Auch innerhalb der Stadt Paris wurden Wegweiser nach deutschem Muster aufgestellt. Vielfach wurden Wegweiser und Durchgangsstrassenschilder allerdings gleich in der ersten Nacht nach ihrer Aufstellung wieder zerstoert oder gewaltsam entfernt.



2. Nachrichtenwesen.


a) Das militaerische Nachrichtenwesen.


Fernsprechwesen.


Gegen Ende Oktober wurden die an der Bahnstrecke Laon[81]-Hendaye liegenden Bahnhoefe mit einer Anzahl von Anschluessen beschaltet, da auf dieser Strecke vom 21.-25.10.40 die Sonderzuege der Reichsregierung liefen[82]. Zweck der Anschluesse war es, dem Fuehrer und den Mitgliedern der Reichsregierung[83] sowie den Pressevertretern die Moeglichkeit zu geben, jederzeit die erforderlichen Gespraeche zu fuehren. Die befohlenen Fernsprechleitungen hierfuer standen zeitgerecht zur Verfuegung und das Unternehmen lief im allgemeinen planmaessig ab.


Zur Steuerung der Kohlentransporte aus dem Norden in alle Teile Frankreichs wurden auf Antrag der W.V.D.[84] Bruessel und der ETRA[85] Paris Leitungen zum Liller Kohlenbecken geschaltet.


Weiter sind fuer die W.V.D. Paris eine Anzahl Leitungen und Anschluesse fuer das Fernsprechnetz an den Flusslaeufen und Kanaelen geschaltet worden. Insbesondere wurden die Schleusen beruecksichtigt, damit diese zwecks Regelung der Schiffahrt miteinandersprechen koennen. Es handelt sich hierbei um folgende Wasserlaeufe: Marne, Aisne-Marnekanal, Aisne-Seitenkanal, Oise-Seitenkanal, St. Quentin-Kanal, Oise-Kanal, Somme-Kanal, Sombre-Oise-Kanal, Ardennen-Kanal und Ostkanal.


Ausserdem wurden auf Antrag der WVD Paris eine Anzahl von Leitungen fuer hochwassergefaehrdete Flusstaelergeschaltet, damit der Hochwasserstand rechtzeitig gemeldet werden kann. Diese gefaehrdeten Flusstaeler befinden sich hauptsaechlich an den Fluessen: Seine mit Marne, Aisne, Oise, Loire, Garonne und Ardour.



Funkwesen.


Im Bereich des Militaerbefehlshabers in Frankreich sind folgende Rundfunksender eingesetzt:


Grossrundfunksender Allouis[86] mit seinem Langwellensender, mit deutschem Programm,


Kurzwellensender Radio-Mondial in Allouis, fuer aussereuropaeische Sendungen in deutsch und franzoesisch.


Das franzoesische Programm in Paris geben die Sender:


Lafayette und Sud-Ouest in Bordeaux,


Poste Parisien in Limours[87],


Bretagne in Rennes[88],


Normandie in Louvetot[89],


fahrb.[arer] Sender in Concarneau[90],


fahrb.[arer] Sender in Palaiseau-Villebon[91].


Der im Aufbau begriffene Rundfunksender "Château d'Epône" wird voraussichtlich Ende Dezember fertiggestellt wein [sic!].


Der zerstoerte Rundfunksender der PTT in Villebon[92] wurde den Franzosen zum Wiederaufbau freigegeben.


Die feste Funkstelle Croix d'Hins wird von den Franzosen betrieben.


L[au]t. Entscheidung der Waffenstillstandskommission wurden den Franzosen folgende feste Funkstellen zum Wiederaufbau ueberlassen:


Pierre des Corps[93],


St. Assise[94],


Pontoise[95],


Senderzentrale Thenioux[96], sowie die


Funkempfangsstellen Noiseau[97],


Villecresnes[98],


Suilly la Tours[99].


Als Funkfeuer fuer die Luftwaffe sind 2 fahrb.[are] Sender an der Kueste und der Rundfunksender Rennes eingesetzt.


Ein weiterer Sender ist im Aufbau.


Die Sperrzentrale in Argenteuil (Station Radio Cité) arbeitet jetzt mit drei Mittelwellensendern und 2 Kurzwellensendern. Ein weiterer Mittelwellensender und ein weiterer Kurzwellensender werden z.Zt. aufgebaut.


Die Funkueberwachung in der Rue Noisiel 1 ist in Betrieb genommen.



Brieftaubenwesen.


In den Kuestendep[ar]t[ement]s. von Dept.[ement] Somme bis einschl.[ießlich] Dept.[ement] Loire-Inferieure ist aus Gruenden der Abwehr das Halten von privaten Brieftauben verboten[100].



b) Das franz. Nachrichtenwesen, insbesondere das franz. Postwesen.


Postverkehr zw.[ischen] d.[em] bes.[etzten] u.[nd] d.[em] unbes.[etzten] Gebiet Frankr.


aa) Geldueberweisungsverkehr.


Seit dem 7. November 1940 ist die Uebermittlung von Geldbetraegen ueber die Demarkationslinie auf dem Postwege mit jeweiliger Genehmigung des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] bezw. einer ihm nachgeordneten Dienststelle gestattet. Hinsichtlich der Hoehe der zur Ueberweisung zugelassenen Betraege sind keine Grenzen gesetzt.



bb) Postverkehr fuer franz. Pionierkompanien im besetzten Gebiet.


Den franz. Pionierkompanien, die im besetzten Gebiet an der Wiederherstellung der Bruecken und Fernmeldeanlagen arbeiten, sind im Briefverkehr zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet Frankreichs ueber die Familien-Nachrichtenkarten hinaus taeglich 100 Sendungen nach dem unbesetzten Gebiet, den Familienangehoerigen im unbesetzten Gebiet monatlich bis zu 4 Sendungen gestattet worden.



Postverkehr zw.[ischen] d.[em] bes.[etzten] Frankreich u.[nd] d.[em] Ausland.


aa) Allgemeiner Postverkehr.


Der Oberbefehlshaber des Heeres hat durch Verordnung vom 8.11.40 - VOB iF Nr. 15 S[.] 125[101] - den allgemeinen Postverkehr zwischen dem besetzten Gebiet Frankreichs einerseits und Deutschland, Italien sowie Belgien andererseits eroeffnet. Nach der Durchfuehrungsverordnung des Militaerbefehlshabers in Frankreich vom 9.11.40 - VOB iF 15 S[.] 126-128 - sind zugelassen gewoehnliche und eingeschriebene Briefe und Postkarten, sowie im ausschl.[ießlich] geschaeftlichen Verkehr Drucksachen, Geschaeftspapiere, Warenproben und Mischsendungen. Die abwehrmaessigen Beschraenkungen sind im wesentlichen die gleichen, die fuer den Postverkehr von Deutschland nach dem nichtfeindlichen Ausland in der Nachrichtenverordnung vom 2.4.40 (RGBl I S. 843ff)[102] festgelegt sind.



bb) Arbeiterpakete nach Deutschland.


Fuer die in Deutschland beschaeftigten franz. Arbeiter ist fuer jeden Arbeiter alle 2 Monate ein Paketim Hoechstgewicht von 5 kg genehmigt worden[103]. Der Inhalt der Pakete hat sich auf Kleidungs- und Waeschestuecke, pers.[önliche] Bedarfsgegenstaende und Lebensmittel mit Ausnahme reiner Genussmittel sowie auf Rauchwaren zu beschraenken.




III. Die franzoesische Verwaltung.


1.) Allgemeines.


Das Verhalten der franz. Verwaltung war weiterhin zufriedenstellend. Der grosse Praefekten- und Unterpraefektenschub ist vorlaeufig abgeschlossen. Die Stellen der Praefekten sind zu etwa 90 vH neu besetzt worden, die der Unterpraefekten und Generalsekretaere zu etwa 50 vH. Die franz. Bevoelkerung begruesst die Neubesetzung. Man verspricht sich von ihr ein schnelleres und besseres Arbeiten der Verwaltungsbehoerden, da es sich fast ausschl.[ießlich] um fachlich vorgebildetes Personal handelt. Hinzu kommt, dass die Taetigkeit der Vertretungskoeperschaften [sic!] aufgehoert hat, sodass die Praefekten nunmehr voellig selbstaendig arbeiten koennen.



2) Das franz. Polizeiwesen.


Entwicklung der Personalverhaeltnisse.


Die Erledigung der laufenden sicherheits- und ordnungspolizeilichen Aufgaben ist, soweit es sich nicht ausnahmsweise um Massnahmen der Abwehr handelt, grundsaetzlich Aufgabe der Franzosen. Das deutsche Interesse beschraenkt sich darauf, dass die franz. Polizei ihre Aufgaben soweit erfuellen kann und tatsaechlich erfuellt, als dies zur Erhaltung der oeffentlichen Sicherheit notwendig ist. Waehrend in den Gemeinden die franz. Polizeikraefte im allgemeinen genuegen, besteht auf dem Lande immer noch ein fuehlbarer Mangel, sowohl was die Zahl der Gendarmeriebeamten als auch was ihre Bewaffnung anlangt. Es wird daher weiter versucht werden, diesem Mangel durch Zulassung von Hilfspolizeibeamten, durch Beurlaubung von kriegsgefangenen Gendarmen und durch Erleichterungen in der Bewaffnung abzuhelfen.



Meldepflicht und Internierung der Englaender.


Fuer die Englaender auf den engl.[ischen] Kanalinseln ist im Gegensatz zu den Englaendern im besetzten Frankreich eine Meldepflicht nicht vorgeschrieben. Durch eine neue deutsche Verordnung ist lediglich den Englaendern, die erst nach der Besetzung auf den Inseln Aufenthalt genommen haben oder nehmen, eine Meldepflicht auferlegt worden[104].


Die Ueberfuehrung der im besetzten Frankreich internierten Englaender in das Sammellager St. Denis ist dadurch ins Stocken geraten, dass weitere Aufnahmen wegen Ueberfuellung z.[ur]Z[ei]t. unmoeglich sind. Es wird daher wahrscheinlich ein weiteres Lager eingerichtet werden muessen[105].




3. Schule und Kultur im besetzten Frankreich.


Schulen.


Die Schuelerzahl scheint in den Volksschulen nahezu den Vorkriegsstand wieder erreicht zu haben, in den hoeheren Schulen bleibt sie teilweise noch sehr dahinter zurueck. Fast ueberall macht sich der Lehrermangel fuehlbar, sodass stark mit Aushilfskraeften gearbeitet werden muss.


Zur Bereinigung der franz. Schulbuecherhat die franz. Regierung inzwischen den Entwurf eines Ministerialbeschlusses vorgelegt, durch den r[un]d. 350 Buecher fuer die Primaerschulen empfohlen und 27 Buecher verboten werden[106]. Der Beschluss erfasst bei weitem nicht alles im deutschen Sinne Bedenkliche. Aber es ist wenigstens der gute Wille und ein Ansatz auch von franz. Seite gezeigt, aufgrund dessen auch die Atmosphaere des Unterrichts weiter bereinigt werden kann. Unabhaengig hiervon ist den Verlegern der Verkauf zu beanstandender Buecher verboten worden.



Hochschulen.


Bereits im Lagebericht Oktober war auf die Entwicklung einer deutschfeindlichen Stimmung bei der Sorbonne hingewiesen[107]. Inzwischen ist es in Paris zu den unter Ziffer I oben erwaehnten Ausschreitungen der Studenten gekommen. Auch in Dijon kam es zu Ausschreitungen der Studenten. Ueber die deutschen Gegenmassnahmen ist oben berichtet worden.



Kunstschutz.


a) Baudenkmale.


Grundsaetzlich werden die Instandsetzungsarbeiten ganz den Franzosen ueberlassen, falls nicht ausdruecklich unser Rat gewuenscht wird. In manchen Faellen konnte den zustaendigen franz. Architekten die Durchfuehrung ihrer Arbeiten erleichtert werden durch Vermittlung von Ausweisen, Fahrmoeglichkeiten und Material. - Einige Schloesser, die hervorragend baukuenstlerischen Wert haben und durch eine uebergrosse Belegung gefaehrdet sind, wurde von weiterer Belegung befreit.



b) Bewegliche Kunstdenkmale.


Es wird eine AusstellungMonet-Rodin fuer Mitte Dezember vorbereitet, wobei Bilder aus deutschem Besitz beteiligt sein werden (vor allem aus Bremen und Berlin)[108].



c) Erfassung juedischen Kunstgutes durch Einsatzstab Rosenberg.


Die Zusammenarbeit mit dem ES[109] Rosenberg hat sich in der Berichtszeit im Rahmen der bestehenden Abmachungen sehr gut bewaehrt.



Archivwesen.


Die Rueckfuehrung der gefluechteten Archivbestaende ist mit deutscher Hilfe durchgefuehrt und nunmehr im Wesentlichen abgeschlossen.


Das Archiv des franz. Aussenministeriums ist nicht in die Obhut des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] uebernommen worden, vielmehr hat das Reichsaussenministerium die Ueberfuehrung dieser Akten aus den Bergungsorten in den Quai d'Orsay und ihre politische Auswertung daselbst durch Spezialisten der Nachkriegsforschung selber in die Hand genommen[110].


Der groesste Teil des elsaessischen Kulturgutes, das in das unbesetzte Gebiet entfuehrt war, ist durch Selbsthilfe elsaessischer Gemeinden in die Heimat zurueckgefuehrt worden. In franz. Hand befindet sich leider noch das wichtige Bezirksarchiv Colmar.




4) Die franz. Staats- und Gemeindefinanzen.


Der Krieg hat sich bis jetzt auf die Staatsfinanzen und die Gemeindefinanzen sehr verschieden ausgewirkt. Waehrend die Gemeinden - abgesehen von einzelnen Grosstaedten - noch nicht mit ernsten Schwierigkeiten zu kaempfen haben, ja teilweise sogar ihre Einnahmen gegenueber der Vorkriegszeit verbessern konnten, sind die Staatsfinanzen stark erschuettert worden. Im Grossen ergibt sich folgendes Bild:



Die Staatsfinanzen.


Wie im Lagebericht Oktober dargelegt[111], stehen fuer 1940 hoechstens 90 Milliarden Franken ordentliche Staatseinnahmen Ausgaben von mindestens 350 Milliarden Fragen [sic!] gegenueber. Wenn auch das Steueraufkommen bis Ende Oktober sich gegenueber dem gleichen Aufkommen im Vorjahre um mehr als 10 vH erhoeht hat (um etwa 6 Milliarden), so ist dies doch weder ein Zeichen fuer eine finanzielle Wiedererstarkung - die Gruende fuer diese Erscheinung sind im September-bericht [sic!] dargelegt worden -, noch kann diese Entwicklung im Hinblick auf das zu erwartende grosse Defizit die Gesamtlage wesentlich veraendern. Im Gegenteil: die Aussichten fuer 1941 sind noch unguenstiger. Denn 1941 werden voraussichtlich 270 Milliarden Franken Ausgaben nur noch 60 Milliarden Einnahmen gegenueber stehen. Es wird also nicht einmal 1⁄4 des Ausgabenbedarfs gedeckt.


Das deutsche Interesse an dieser Entwicklung beschraenkt sich darauf, ob aus ihr sich die allgemeine Sicherheit beeintraechtigende Erschuetterungen des oeffentlichen Lebens in naechster Zeit ergeben werden, ferner ob Frankreich bald nicht mehr in der Lage sein wird, seinen Verpflichtungen Deutschland gegenueber nachzukommen. Waehrend die erste Frage jedenfalls zunaechst noch verneint werden kann, zumal die reichen Finanzquellen des franz. Staates noch nicht erschoepft sind, muss die 2. Frage voraussichtlich bejaht werden. Jedenfalls hat das franz. Finanzministerium einen erneuten Antrag auf Herabsetzung der Besatzungskosten bereits angekuendigt. Die franz. Regierung beruft sich auch darauf, dass sie waehrend des Krieges fuer eine Armee von 4,3 Millionen Mann jaehrlich nur 56 Milliarden Franken ausgegeben habe, wohingegen fuer die wesentlich geringere deutsche Besatzungsarmee 144 Milliarden Franken jaehrlich, zuzueglich jaehrlich 10 Milliarden Quartierleistungen deutscherseits verlangt werden.


Ohne im einzelnen schon jetzt zu der Frage einer Ermaessigung Stellung zu nehmen, muss doch gesagt werden, dass die Entwicklung der franz. Finanzverhaeltnisse auf jeden Fall fuer Deutschland die Notwendigkeit ergibt, alles zu vermeiden, was die franz. Einnahmequellen beschraenkt und die franz. Ausgaben fuer Besatzungszwecke erhoeht.


Ausser den taeglichen Abschlagszahlungen von 20 Millionen Reichsmark[112] sollen von den Franzosen an Sachleistungen nur noch die Quartierleistung gefordert werden. Das entspricht auch den Wiesbadener Vereinbarungen[113]. Alle sonstigen Leistungen muessen also als Besatzungskosten aus den taeglichen Abschlagszahlungen der Franzosen beglichen werden.


Streitig sind z.Zt. insbesondere die Kosten fuer Wehrmachtstransporte auf franz. Staatsbahnen, sowie die Kosten des unter deutscher Oberhoheit betriebenen Rundfunks im besetzten Gebiet.



Gemeinde- und Dep[ar]t.[ement]-Finanzen.


Wenn demgegenueber die franz. Gemeinden sich in einer noch verhaeltnismaessig guenstigen Finanzlagebefinden, so ist das vor allem darauf zurueckzufuehren, dass die Kosten der Arbeitslosenunterstützung in starkem Umfange von den Gemeinden auf den Staat verlagert worden sind. Darueberhinaus konnten die Gemeinden - aehnlich wie in Deutschland - durch Zurueckstellung nicht besonders dringlicher Aufgaben Einsparungen vornehmen. Auf der Einnahmeseite kamen den Gemeinden aussergewoehnliche Einnahmen wie aus Anleihen, dem Erloes aus Vermoegensveraeusserungen sowie aus Einnahmeresten der Vohrjahre [sic!] zu Hilfe. Insbesondere wurde die Betreibung der Gemeindesteuern, die waehrend der Kriegsereignisse nicht erfolgen konnte, nachgeholt.


Etwas anders liegen die Verhaeltnisse bei den Dep[ar]t[ement]s. Diese werden durch die Fuersorgeausgaben in weit groesserem Masse betroffen, denn das Dep[ar]t.[ement] hat den Gemeinden Mittel zur Erleichterung der Fuersorgelasten als Traeger eines kommunalen Lastenausgleiches zur Verfuegung zu stellen. Da aber die Dep[ar]t[ement]s. gleichfalls noch ueber erhebliche Einnahmeueberschuesse verfuegen und die Fuersorgeaufwendungen sich im Verhaeltnis zu den Gesamtaufwendungen noch durchaus in tragbarem Masse halten, ist auch bei den Dep[ar]t[ement]s. zunaechst mit einer ziemlich gesicherten Finanzlage zu rechnen.


Im grossen und ganzen zeigt sich also in Frankreich ein aehnliches Bild wie in Deutschland: Die Lage der Staatsfinanzen ist erheblich gespannter als die der Gemeinden und Gemeindeverbaende. Es muss der franz. Regierung ueberlassen bleiben, die sich aus dieser Entwicklung ergebenden Massnahmen zu treffen.



Zollschutzfragen.


Nach Aufstellung des deutschen Zollgrenzschutzes an den Grenzen des besetzten Gebietes wurden die franz. Grenzaufsichtsbeamten aus den Grenzgebieten, vor allem aus den Kuestengebieten nur langsam zurueckgezogen, damit die gleichzeitige Bewegung groesserer Menschenmassen unterbleibt.


Fuer die franz.-schweizerische Grenze, insbesondere fuer das Gebiet des sogenannten Gexer-Zipfels[114], macht das wirtschaft.[liche] Beduerfnis dieser Gebiete eine wenigstens teilweise Oeffnung der Grenze fuer den Warenverkehr noetig. Fuer Einzelfaelle sind die Grenzen und die Demarkationslinie fuer den Warenverkehr bereits geoeffnet worden.




5. Dasfranzoesische Gesundheitswesen.


Organisation.


Die Umgestaltung des franz. Gesundheitswesensmacht weitere Fortschritte. Beim Ministerium des Innern sind 2 Kommissionen gebildet worden, welche alle Fragen der Hygiene und der Sozialfuersorge bearbeiten. Als 3. Kommission ist ein aus 16 Mitgliedern bestehender Rat eingesetzt worden, der die Taetigkeit der Krankenpfleger- und Sozialpflegerschulen ueberwacht. Die franz. Aerzteschaft wird in einem unter staatlicher Leitung stehenden "Ordre des Medizins" zusammengefasst. Die Ausuebung der aerztlichen und zahnaerztlichen Praxis wurde durch mehrere Gesetze neu geregelt. Das deutsche Interesse an dieser Organisation besteht darin, dass ihre straffe Zusammenfassung unter staatlicher Leitung zweifellos geeignet ist, eine auch fuer Deutschland wichtige Besserung der Gesundheitsverhaeltnisse herbeizufuehren.



2) [sic!] Allgemeine Gesundheitslage.


Neue Seuchen sind nicht aufgetreten.


Pockenschutzimpfungen sind in manchen Dept[artement]s. nur zu etwa 50 vH, auf den Kanalinseln nur zu etwa 2 vH durchgefuehrt. Von diesen Ausnahmen abgesehen ist jedoch der Pockenschutz im allgemeinen zufriedenstellend.


Eine zwangsweise Typhus[-] und Paratyphusimpfung wird nur im Bedarfsfalle durchgefuehrt.


Ein nennenswerter Dyphtherieimpfschutz fuer Kinder besteht noch nicht. In einigen Dept[ement]s. sind allerdings bereits etwa die Haelfte der Kinder bis zum 10. Lebensjahr immunisiert.



6. Das franzoesische Veterinaerwesen.


Allgemeines.


Die Stellen der Dep[ar]t[ement]s-Tieraerzte sind fast ueberall wieder besetzt. Dagegen sind prakt.[ischen] Tieraerzte noch nicht ausreichend vorhanden. Diese Tatsache ist auch fuer die Seuchenbekaempfung und damit fuer die deutschen Interessen von Bedeutung, da es in Frankreich keine Kreistieraerzte unter dem Dep[ar]t.[ement]Tierarzt gibt, vielmehr die prakt.[ischen] Tieraerzte in die Seuchenbekaempfung eingeschaltet sind. Die Seuchenbekaempfung leidet ferner unter dem Mangel an Betriebsstoff fuer die Kraftwagen.



Stand der Tierseuchen i. bes.[etzten] Gebiet nach d. Stande v. 15.11.40.



a)


Rauschbrand


10


Dep[ar]t[e-ment]s.


(7)


25


Gemeinden


b)


Raeude d.[er] Einhufer


15


"


(11)


11


"


c)


Schafraeude


8


"


(9)


12


"


d)


Maul- u.[nd] Klauens.[euche]


44


"


(43)


3659


" (4212)


e)


Rotz


2


"


(2)


3


"


f)


Milzbrand


4


"


(2)


4


"


g)


Rotlauf d.[er] Schweine


11


"


(11)


54


"


h)


Schweinepest u[nd]


Seuche


9


"


(2)


17


"


j)


ansteckende Blutarmut der Pferede


11


"


(11)


164


"



Die in Klammern gesetzten Zahlen sind die Zahlen aus dem Tierseuchenstand des Vormonats.


Der Ueberblick zeigt einen Rueckgang der Maul- und Klauenseuche. Immerhin ist die Seuche noch recht stark, wenn ihr Verlauf auch verhaeltnismaessig milde ist.


Im Hinblick auf die deutschen Interessen an der Seuchenbekaempfung leisten die deutschen Kommandantur- und Truppenveterinaere, wo es noetig ist, Hilfe (vergl. den Augustbericht[115]). Einzelne Dep[ar]t[ement]s.-Aerzte haben bereits ihre Genugtuung zum Ausdruck darueber gebracht, dass ihre eigene Taetigkeit in der Seuchenbekaempfung durch dieses deutsche Eingreifen wesentlich unterstuetzt wird.



Tierkoerperverwertung.


Die Tierkoerperverwertung ist, insbesondere was die wirtschaftliche Seite anbelangt, (Gewinnung von Fett, Fleisch- und Knochenmehl) noch mangelhaft. Im uebrigen leiden die Verwertungsanstalten unter Betriebsstoff- und Kohlenmangel. Schritte zur Behebung dieses Uebelstandes sind eingeleitet.




7. Das Justizwesen im besetzten Frankreich.


Erweiterung der deutschen Gerichtsbarkeit.


Im Interesse der Abwehr deutsch-feindlicher Elemente ist der Strafschutz durch Erlass neuer Verordnungen weiterhin verstaerkt worden, denn fuer die besonderen Verhaeltnisse des Operationsgebietes reichen die Bestimmungen des Reichsstrafrechts, das nach § 1 der VO vom 10. Mai 1940 (VOB iF Nr. 1 S. 6) auch im besetzten Gebiet der deutschen Gerichtsbarkeit zugrunde zu legen ist, nicht aus:



a) Zu den neuen Vorschriften zaehlt zunaechst die "Verordnung ueber Meldepflichten und Aufenthaltsbeschraenkungen" vom 9.11.1940 (VOB iF Nr. 17 S. 143), die vor allem gewisse abwehrpolizeiliche Massnahmen, insbesondere in den Kuestendepartements mit Strafdrohung versieht.


Unter die Verordnung fallen auch unbefugte Uebertritte ueber die Nordostlinie oder ueber die franz.-spanische und franz.-schweizerischeGrenze, sofern die Sperrlinien als solche genuegend bekanntgemacht werden. In welcher Form dies am zweckmaessigsten geschieht, wird gegenwaertig geprueft.



b) Wo eine Evakuierung von Gebietsteilen, Gebaeuden oder Raeumen, wie es in den Kuestendepts. der Fall ist, auf einen bestimmten Personenkreis beschraenkt wird, besteht die Gefahr von Pluenderungen durch die zurueckbleibende Bevoelkerung. Um dieser Gefahr von vornherein entgegenzuwirken, ist das Pluendern in einer besonderen Verordnungvom 15.11.40 (VOB iG [sic!] Nr. 17 S. 147) unter Todesstrafe gestellt worden. Fuer minder schwere Faelle ist Zuchthaus oder Gefaengnis vorgesehen.



c) Da die Zustaendigkeit der Wehrmachtsgerichte sich auf alle Straftaten im Operationsgebiet, ohne Ruecksicht auf die Staatsangehoerigkeit des Taeters, erstreckt, ist den franz. Strafverfolgungsbehoerden die Vorlage aller Anzeigen und Akten zur Pflicht gemacht worden, soweit es sich um bestimmte besonders wichtige Delikte handelt.


Auf Wunsch des OKH[116] ist diese Vorlagepflicht auf alle Straftaten von deutschen und italienischenStaatsangehoerigen ausgedehnt worden.



Erleichterung f.[ür] d.[ie] franz. Gerichtsbarkeit.


Einige Erleichterungen fuer die franz. Rechtspflege lassen sich vorerst nur auf dem Gebiete des Strafvollzuges, und zwar durch die Raeumung einiger franz. Gefaengnisse ermoeglichen. Weitergehende Wuensche des franz. Justizministers[117] auf Erleichterung des Zeugen- und Anwaltsverkehrs sowie des Gefangenentransports und der Aktenversendung ueber die Demarkationslinie konnten vor einer allgemeinen Einigung in den Fragen der Demarkationslinie nicht erfuellt werden. Das gleiche gilt bezueglich der franz. Wuensche auf Beurlaubung kriegsgefangener Justizbeamter der jenseits der Nordostlinie gelegenen Justizbehoerden im Hinblick darauf, dass ueber deren kuenftige Taetigkeit noch keine endgueltige Klarheit besteht.



Straffmassnahmen [sic!] gegen Sabotageakte.


Allgemeine Vorbeugungs- und Strafmassnahmen brauchten in letzter Zeit dank der abschreckenden Wirkung frueherer Vorgaenge nur in geringem Umfange ergriffen zu werden. Stoerend machte sich immer noch das Bestreben der Truppe bemerkbar, derartige Massnahmen von sich aus zu verhaengen, insbesondere der Bevoelkerung neben Geldstrafen und Sicherheitsleistungen in Geld allgemeine "Entschaedigungen" fuer beschaedigte Wehrmachtseinrichtungen aufzuerlegen, ein Vorgehen, das auf die Dauer die einheitliche Handhabung der hierueber nun einmal bestehenden Vorschriften ernstlich gefaehrden muss.



Aufsicht ueber die franz. Gesetzgebung.


Die franz. Regierung hat bisher im ganzen 611 Gesetze[,] Verordnungen und dergleichen zur Pruefung vorgelegt. Im Berichtsmonat war die franz. Gesetzgebung besonders taetig (vergl. das Verzeichnis in der Anlage[118]).



Freigabe deutschen Vermoegens.


Zur Wahrnehmung der deutschen Interessen ist bei der Rueckgabe des ehemalig sequestrierten deutschen Vermoegens ein Beauftragter des Militaerbefehlshabers ernannt worden[119], der gleichzeitig als Beauftragter der Reichsregierung auch die im unbesetzten Gebiet befindlichen deutschen Vermoegen betreuen wird.




IV) Die franz. Wirtschaft.


1. Allgemeines.


Die Bearbeitung der Meldungen der juedischen Geschaefte und juedischen Beteiligungen ist bei der grossen Anzahl dieser Anmeldungen den deutschen Dienststellen nicht moeglich. Sie ist deshalb den Praefekten nach bestimmten Weisungen uebertragen worden, deren Beachtung die Bez.[irks]Chefs kontrollieren. Im uebrigen wird auf den eingehenden Bericht vom 20.11. d[iese]s.J[ahre]s. Wi I[120] 742/40[121] Bezug genommen.



2. Die gewerbliche Wirtschaft.


Organisation der Rohstoffbewirtschftung[sic!].


Fuer Spinnstoffe, Nichteisenmetalle, Kautschuk, Asbest, Russ sowie fuer techn.[ische] Oele und Fette sind umfassende Bewirtschaftungsmassnahmen (Verarbeitungs- und Verbrauchsbeschraenkungen) getroffen worden. Auch fuer Eisen und Stahl sind weitgehende Herstellungs- und Verwendungsverbote erlassen. Durch eine Verordnung, die demnaechst veroeffentlicht wird, werden die Sektionen des Office Central de Répartition des Produits Industriels auch fuer das besetzte Gebiet anerkannt. Gleichzeitig wird in dieser Verordnung die Entsendung eines Generalbeauftragten des Militaerbefehlshabers in das Office Central[122] sowie die Entsendung von deutschen Beauftragtenin die einzelnen Sektionen festgelegt. Damit wird die Wahrung der deutschen Interessen bei der Lenkung der gewerblichen Wirtschaft sichergestellt.



Auftragsvergebung nach Frankreich.


Das Gesamtvolumen der in die besetzten franz. Gebiete vergebenen deutschen Auftraege hat sich weiterhin erheblich vergroessert. Allerdings ergeben sich z.Zt. noch gewisse Schwierigkeiten dadurch, dass deutsche Auftraggeber bisweilen Auftraege vergeben, ohne dass die erforderlichen Kontingentscheine bereitgestellt sind; die nachtraegliche Bereitstellung dieser Kontingentscheine ist schwer durchfuehrbar.



Bergbau und Kohlenwirtschaft.


Die Kohlenfoerderung ist gegenueber dem Vormonat im besetzten Frankreich unveraendert. Im unbesetzten Gebiet hat die Förderung die Vormonatshoehe inzwischen ueberschritten; sie wird im zunehmenden Umfange zur Belieferung des besetzten Gebietes herangezogen. Bezuegl. der Kohlenversorgung aufgrund der Transportlage siehe oben Ziffer II,1.


Eine Gesamtaufstellung ueber Aufkommen und Verteilung der Kohle im Monat November befindet sich in der Anlage[123].



Energiewirtschaft.


Alle durch Kampfhandlungen beschaedigten Hochspannungs-leitungen [sic!] sind nunmehr wieder hergestellt und in Betrieb genommen worden. Durch Verbindung mit den Leitungsnetzen des Hinterlandes ist die Energieversorgung der Atlantikhaefen auch fuer den Fall von Feindeinwirkungen sichergestellt worden. Auch die Instandsetzungsarbeiten an den Uebertragungs- und Umspannanlagen sind soweit durchgefuehrt, dass den Energieanforderungen der Erzbergwerkeentsprochen werden kann.


Der Strom- und Gasbedarf hat sich weiterhin erheblich erhoeht. Durch diese verstaerkte Nachfrage einerseits, die Verknappung in den Kohlenzufuhren andererseits entstehen fuer die Energieversorgung in manchen Orten bereits erhebliche Schwierigkeiten. So ging z.B. in Paris trotz erhoehter Anlieferung hydraulicher [sic!] Energie aus dem unbesetzten Gebiet der Kohlenvorrat zurueck.



Eisen schaffende Industrie.


Die immerhin leichte Besserung in der Kohlenversorgung laesst es zu, fuer den Monat November mit einer Steigerung der binnenfranz. Stahlproduktion von 30000 to im Vormonat auf 40000 to zu rechnen. Nicht eingerechnet sind hierbei die Stahlproduktion in den Bezirken Longwy-Ardennen und im Dep[ar]t.[ement] Meurthe-et-Moselle (ohne Bezirk Longwy). Die Rohstahlproduktion wird im November in diesen beiden Bezirken auf 33000 to gegenueber 14500 to im Vormonat - ausreichende Kohlenversorgung vorausgesetzt - veranschlagt.


Ueber den Abtransport von Beuteschrott in das Reich ist oben unter Ziffer II [3, c][124] bereits berichtet worden. Von Mitte Oktober bis Mitte November wurden 40000 to in das Reich abtransportiert. Seit dieser Zeit erfolgte Abtransport auch auf dem Wasserwege, und zwar ueber Gent an die Ruhr.


Die Gruben der Normandiehaben bis April 1941 die Lieferung von monatlich 15000 to Erz zur Versorgung des hollaendischen Hochofenwerks Ymuiden uebernommen.


Die Reorganisation der franz. Eisenverbaende ist im Gange.



Eisen verarbeitende Industrie.


Auch im Bereich der Eisen verarbeitenden Industrie werden staendig neue Auftraege von Deutschland nach Frankreich vergeben, so im Eletro [sic!]-Grossmotoren-Turbinen- und Transformatorbau. Ferner verhandelt die AEG[125] wegen der Unterbringung eines Auftrages von 220 Millionen Franken. Desweiteren ist mir [sic!] groesseren Auftraegen in Kaelte-Maschinen- und Gefrieranlagenbau sowie auf dem Gebiete der feinmechanischen und optischen Industrie zu rechnen.


Die franz. Bau- und Werkzeugmaschinenindustrien werden mit Russlandauftraegen[126] bedacht. Schliesslich sind Vereinbarungen ueber die Lieferung von Schleifmaschinen und Drehbaenken an das Reich abgeschlossen.



Schiffbau.


Von April 1941 ab werden die beiden franz. Grosswerften in St. Nazaire[127] fuer den Handelsschiffbau zur Verfuegung stehen. Bis dahin sind sie ausschliesslich fuer die deutsche Kriegsmarine beschaeftigt. Die Werften werden voraussichtlich 4 Frachtmotorenschiffe zu je 11000 und 4 zu je 7200 BRT in Auftrag erhalten.



Mineraloelwirtschaft.


Die kontingentmaessigen Mengen konnten fast vollstaendig beschaffen werden; die Zuteilung war bei Vergaserkraftstoff und bei Dieselkraftstoffen fuer die Landwirtschaft knapp ausreichend. Fuer die Fischerei war die Dieselkraft[stoff]zuteilung dagegen ungenuegend. Die Heizoel- und Petroleumskontingente deckten, wie vorauszusehen, den Bedarf nur zu einem Bruchteil. Fuer die Zukunft ist noch ungeklaert, wie der Bedarf an Heizoelen und besonders Petroleum gedeckt werden soll.


Bezueglich der gegenwaertigen Bestaende und Verbrauchsvoranschlaege vergleiche die in der Anlage[128] befindliche Uebersicht.



Chem.[ische] Industrie.


Die Gesamtlage ist fast unveraendert. Die Anforderungen, insbesondere seitens der Textilindustrie, steigen. Der Nachfrage konnte jedoch entsprochen werden. Infolge der stockenden Kohlenanlieferung war indessen die voruebergehende Stillegung eines Stickstoffwerkes nicht zu vermeiden.


Der fuer das Reich bestimmte Anteil an der chemischen Produktion ist inzwischen im Wesentlichen festgelegt worden.



Techn.[ische] Oele und Fette.


Die Versorgungslage wird durch den Rohstoffmangel stark beeinflusst. Der Rohstoffbedarf betraegt z.Zt. nur 7 vH des Jahresbedarfs vor dem Kriege.


Besonders wirken sich diese Verhaeltnisse auf die Seifenproduktion aus. Die Versorgung der franz. Bevoelkerung mit Seife ist noch mangelhafter als in Deutschland. Der monatliche Fettsaeuregehalt der Seife wird nur 60 gr betragen - (gegenueber 74 gr in Deutschland.) Hinzu kommt, dass die deutsche Besatzungsarmee aus den franz. Fettbestaenden versorgt werden muss.


Auch fuer die franz. Lack- und Farbenindustrie stehen an Fett nur etwa 6-7 vH des Vorkriegsverbrauchs zur Verfuegung. Der groesste Teil der Lack- und Farbenindustrie wird daher zu Betriebsstillegungen gezwungen werden; die noch weiter arbeitenden Fabriken erhalten Einzelkontingente. Die uebrigen Grossverbraucher von Fett (Textil-, Leder-, und Schmiermittelindustrieen) werden voraussichtlich auf 30 vH des Vorkriegsverbrauchs kontingentiert werden.



Papierindustrie.


Nachdem Mitte November einige tausend to deutscher Zellulose eingetroffen sind, ist die Rohstoffversorgung der Papierindustrie im allgemeinen gesichert.- Ein empfindlicher Mangel besteht nur an Kraftzellulose, da die skandinavischen Zellulosemengen noch nicht in das deutsch-schwedische Clearing[129] einbezogen werden konnten. Die Versorgung der Papierindustrie mit Hilfsstoffen ist dagegen immer noch knapp. Fuer die Kaolin- und Harztransporte bestehen die Transportschwierigkeiten weiter.


Waehrend auf der einen Seite Kraftzellulose fehlt, wird es auf der anderen Seite notwendig, Jutesaecke fuer Mehl, Duengemittel, Viehfutter usw. durch Grossaecke aus Papier zu ersetzen. Dadurch vermehren sich die Schwierigkeiten.



Textilwirtschaft.


Die fuer das Reich bestimmten Lieferungen von Jute und Wolle sind nunmehr festgelegt worden. Die verbleibenden Rohstoffe wurden der franz. Industrie zugeteilt. Durch diese Freigabe der Rohstoffe wir sich die Beschaeftigung in der Textilindustrie von 30 vH auf 40-45 vH des Beschaeftigungsumfanges von 1938 erhoehen. Die franz. Regierung ist verpflichtet, erhebliche Mengen der Textilproduktion an das Reich abzugeben.


Dank der technischen und organisatorischen Unterstuetzung des Reiches und dank umfangreicher deutscher Zellstofflieferungen wird 1941 die franz. Kunstseiden[-] und Zellwollproduktion sich verdoppeln. Eine Beteiligung des Reiches an dieser Industrie ist beabsichtigt.


Die franz. Regierung hat mit den Vorarbeiten fuer die Einfuehrung der Kleiderkartebegonnen[130].



Lederwirtschaft.


Die Gerbstoffabriken leiden weiter unter dem Mangel an Gerbholz, der aus Transportschwierigkeiten entsteht. Die bisher beschlagnahmte Haelfte der Oktober- und Novemberproduktion der Gerbereien ist nunmehr zur Bewirtschaftung freigegeben worden. Das Unterleder ist zu 2/3 dem Reparaturbedarf vorbehalten, sodass die Reparaturschuhmacher zwar besser versorgt werden, die Fabriken aber zu Arbeiterentlassungenvoraussichtlich gezwungen werden.



Altmaterialerfassung.


Eine straff organisierte Altmaterialerfassung fehlte bisher. Auf Veranlassung des Militaerbefehlshabers ist daher eine Erfassung- und Verwertungsstelle fuer Altmaterial eingerichtet worden.



Tabakwirtschaft.


Infolge Verschlechterung der Tabakrohstofflage in Europa haben sich die Anforderungen an die franz. Rohtabaklager wesentlich erhoeht. Die Lieferungen der Regie betragen jetzt monatlich je 150 000 kg nach Belgien und Holland, 125 000 kg nach Norwegen und 135 000 kg nach Elsass und Lothringen. Ausserdem werden monatlich 140 000 kg an das deutsche OKH zur Versorgung der franz. Kriegsgefangenen geliefert.


Die franz. Tabakregie hat mit der Tuerkei und mit Bulgarien seinerzeit Lieferungsvertraege abgeschlossen[131]. Die diesjaehrigen Lieferungen beider Laender sind bereits bezahlt. Sie sollen zu 1/3 dem Reich zur Verfuegung gestellt werden, das sie je zur Haelfte an Belgien und Holland ueberlaesst. Die Verhandlungen schweben noch.


Die Transportschwierigkeiten haben sich auch auf die Tabekwirtschaft [sic!] nachteilig ausgewirkt. Nur ein Teil der vorgesehenen Tabaktransporte war moeglich.




3. Ernaehrung und Landwirtschaft.


Erzeugung.


a) Ernte und Herbstbestellung.


Die Zuckerruebenernte ist zum groessten Teil beendet. Die Herbstbestellungsarbeiten gingen bisher normal von statten, wenn auch die Duengemittelanlieferungen immer noch unzureichend sind. "Ostland"[132] kauft zurzeit zur Deckung des fuer die Herbstbestellung dringenden Pferdebedarfs der Nordostdepartements in den westlichen Teilen Frankreichs Pferde auf.



b) Saatgutbeschaffung.


Deutschland und Holland liefern je zur Haelfte 100 000 to Saatkartoffeln. Die ersten Transporte werden Anfang Dezember eintreffen. Aus Deutschland koennen die Kartoffeln wegen des Frostes erst im Fruehjahr geliefert werden.



c) Viehwirtschaft.


Um die franz. Dauerweiden auszunuetzen, werden Magerschafe unter der Betreuung deutscher Schaefer nach Frankreich gebracht und im Fruehjahr angemaestet nach Deutschland zurueckgeschafft werden.



Versorgung.


a) Rationierung.


Das Rationierungssystem ist weiter ausgebaut worden.


Durch vorschriftwidrige Beschlagnahme seitens deutscher Truppen wird die Ordnung immer noch haeufig gestoert.



b) Getreideversorgung.


Infolge der augenblicklichen Herbstbestellung sowie des Mangels an Dieseloel und Kohle sind die Getreideanlieferungen noch sehr knapp. Aus dem gleichen Grunde stoesst die Versorgung der Truppe mit Hafer, Heu und Stroh z.Zt. auf Schwierigkeiten.


Dagegen hat sich die Versorgung der Stadt Paris mit Weizen gebessert.



c) Kartoffelversorgung.


Von den Kartoffellieferungen aus dem Reichsind bisher nach Paris 13 500 to geliefert. Weitere 30-40 000 to sollen noch vor Eintritt der Frostperiode folgen. Die Restmenge wird im Fruehjahr geliefert werden.



d) Fleischversorgung.


Der Fleischbedarf der Truppe konnte gedeckt werden. Dauerware wurde verstaerkt hergestellt. Die Fleischzufuhr nach Paris hat sich dagegen merklich verringert, und zwar deshalb, weil bis jetzt eine Erfassungsorganisation zur Deckung des zivilen Bedarfs fehlt. Zur Behebung dieser Schwierigkeiten wurden Massnahmen mit der franz. Regierung vereinbart, die eine gerechte Verteilung und staerkere Anlieferung an den Markt Paris zur Folge haben werden.



e) Milch- und Fettversorgung.


Der saisonmaessige Rueckgang der Milcherzeugunghaelt sich infolge der guenstigen Witterung in ertraeglichen Grenzen. Der Butter- und Kaeseausfall entspricht den Erwartungen. Die meisten Molkereien sind wieder in Betrieb genommen, die Milchbelieferung leidet jedoch unter der unzureichenden Benzinzuteilung.


Die Ausfaelle der Olivenernte werden durch Zufuhr von pflanzlichem Fett aus Ostafrika ungefaehr ausgeglichen. Die Erfassung der Schlachtfette ist neu geregelt.



f) Eierversorgung.


Der Anfall an Eiernist erneut zurueckgegangen, doch ist eine Rationierung in Anbetracht des geringen Anfalls unzweckmaessig.



g) Obst- und Gemueseversorgung.


Die Versorgung der Truppemit Obst und Gemuese wurde noch besser organisiert. Im uebrigen wurden mehr als 6 000 Waggon Mostaepfel und 3 000 Waggon Tafelaepfel nach Deutschland gefahren. Weitere 3 000 Waggon werden im Dezember verladen. Die vorgesehenen Mengen sind damit noch nicht erreicht. Der Grund liegt auch hier in der schwierigen Transportlage (vergl. oben II 1).



h) Weinversorgung.


Die Weinvorraete im europaeischen Frankreich betragen etwa 56 Millionen hl, gegenueber 72 hl im Jahre 1939, in Algier 24 Millionen hl gegenueber 33 Millionen hl im Jahre 1939.


Der Truppenbedarf ist befriedigt worden. Das Reich hat die vorhergesehenen Aufkaeufe durchgefuehrt. Schwierigkeiten ergeben sich nur beim Abtransport.




4. Forst- und Holzwirtschaft.


Die neuzubildenden Groupements interprofessionels forestiers sind ueberall eingerichtet worden. Ebenso ist das Zentralkomité fuer diese Groupements gebildet worden. Die Mitwirkung der deutschen Militaerverwaltung bei allen Entscheidungen ist durch ein befristetes Einspruchsrecht gesichert.



Holzeinschlag.


Der Einschlag geht normal von statten. Schwierigkeiten ergeben sich:


a) durch Arbeitermangel.


Er soll groesstenteils durch Einstellung von Arbeitslosen behoben werden. Wo diese nicht genuegend vorhanden sind, wird, soweit nach der Abgabe an das Reich noch vorhanden, auf Kriegsgefangene zurueckgegriffen werden.



b) durch Mangel an Hauungsgeraet.


Doch konnte mit Hilfe der Oberfeldzeugstaebe bereits teilweise Abhilfe geschaffen werden.



c) durch das Fehlen franz. Forstbeamter.


Die Beurlaubungen von kriegsgefangenen Beamten und Waldarbeitern war leider noch nicht zu erreichen.



d) durch das Verbot der Rueckkehr der oberen und mittleren franz. Forstbeamten in den Raum ostwaerts der Nordostlinie.


Seit Mitte des Monats November werden aus dem Heere abkommandierte deutsche Forstbeamte eingesetzt. Damit werden die Einschlagarbeiten in allernaechster Zeit in Gang gebracht, zumal die Rueckkehr der untersten franz. Forstdienstkraefte bereits beginnt.



Holztransport.


Die Holzabfuhr aus dem Waldevollzieht sich im allgemeinen durchaus befriedigend.


Ernster ist die Lage des Holztransportes mit der Bahn. So liegen im Bezirk Bordeaux verladebereit auf den Bahnhoefen etwa 80 000 fm[133] Grubenholz, die im nordfranz. Grubengebiet dringend benoetigt werden. Von den angeforderten 2 925 Wagen wurden nur 1 357 gestellt.



Versorgung der Wehrmacht mit Holz.


Der Brennholzbedarf der Truppe ist gesichert. Wegen Versorgung mit Weihnachtsbaeumen ist das Erforderliche gemeinsam mit den franzoesischen Behoerden veranlasst worden.


Die Nutzholzanforderung der Truppe zum Ausbau von Winterunterkuenften und dergleichen sind ausserordentlich gestiegen.


Schwierigkeiten in der Nutzholzbeschaffung.



a) Schnelles Schwinden aller Vorraete auf den Saegewerken. Diesen Folgen wird durch Einschlagfoerderung und dadurch entgegengetreten, dass auf eine Verwendung von Laubholz, besonders Eiche, an Stelle von Nadelholz hingewirkt wird;



b) Mangel an brauchbaren Unterlagen ueber den Bedarf.


Eine zentrale Erfassung der Vorraete und des neuen Einschlags wird angestrebt.



c) Transportschwierigkeiten.


Die franz. Lieferfirmen bekommen keine Eisenbahnwagen gestellt. Die Transporte sollen daher jetzt als Wehrmachtstransporte von Feldkommandantur zu Feldkommandantur laufen.



Holzversorgung v.[on] Elsass-Lothringen.


Als Bedarf aus dem Einschlag 1940/41 sind 240 000 fm Grubenholz, 60 000 fm Nadelstammholz und 110 000 fm Laubstammholz fuer Fortfuehrung des Bergbaues und fuer den Wiederaufbau angemeldet.


Die Durchfuehrung dieses grossen Programms wird hoffentlich moeglich sein.



Holzversorgung des Reiches.


Der Abtransport der in den Haefen lagernden Kolonialhoelzern erfordert noch laengere Zeit. Darueberhinaus sollen an das Reich geliefert werden 200 000 fm Kieferschwellenholz, 200 000 fm Eichenschwellenholz, 1 Million fm Kieferngrubenholz, ferner Edel- und Schaelhoelzer. Die Einschlagsmassnahmen zielen schon jetzt auf die Erfuellung auch dieses Programms hin.



Holzindustrie.


Die Holzindustrie klagt nach wie vor ueber Personalmangel, insbesondere in den leitenden Stellen und Mangel an Facharbeitern. Die Antraege auf Freilassung von entsprechenden Kraeften aus der Kriegsgefangenschaft waren bis jetzt fast ausnahmlos ohne Erfolg.




5. Auswaertiger Waren- und Zahlungsverkehr.


Waren- und Zahlungsverkehr zw.[ischen] d.[em] bes.[etzten] u.[nd] unbes.[etzten] Gebiet.


Da sich der Austausch von Waren zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet nicht willkuerlich vermindern laesst und sich auf dem Rohstoffgebiet wieder ein verstaerktes Austauschbeduerfnis ergibt, muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass der gegenwaertige Zustand sich auf die Dauer als eine starke Behinderung des Wirtschaftsganges erweist.



Waren- und Zahlungsverkehr zwischen Frankreich u.[nd] d.[em] Deutschen Reich


Mit dem Inkrafttreten der deutsch-frabzoesischen [sic!] Verrechnungsregelung vom 14.11. d[iese]s.J[ahre]s.[134] koennen die Reichsstellen ihre Kaeufe nicht wie bisher durch Vermittlung der Reichskreditkasse in franz. Franken bezahlen. Eine offizielle Unterstuetzung der Aufkaeufer, die ihre von der Reichskreditkasse zur Verfuegung gestellten Frankenguthaben noch zur Bezahlung verwenden wollen, ist daher nicht moeglich, sofern nicht besondere Vereinbarungen hierüber mit der franz. Regierung getroffen werden.



Waren- und Zahlungsverkehr zwischen Frankreich un[d] dem uebrigen Ausland.


Anfang Dezember beginnen in Wiesbaden Verhandlungen ueber den Abschluss eines Verrechnungsabkommens zwischen Frankreich und Belgien. Damit wird ein dringendes Beduerfnis erfuellt. Schon jetzt werden monatlich 150 000 to Kohlen von Belgien geliefert, wie oben erwaehnt wurde. Allerdings wird die franz. Regierung sich wahrscheinlich mit dem offiziellen Kurs auf Reichsmarkgrundlage (100:160) nicht einverstanden erklaeren wollen, sodass eine Einigung schwierig wird.


Das fuer den Waren- und Zahlungsverkehr mit der Schweiz ohne deutsche Beteiligung abgeschlossene Abkommen sieht einen fuer Frankreich guenstigen Umrechnungskurs vor (10 Frcs = 1 sfr.)[135][.]



Feindvermoegen.


Durch besondere Verordnung ist die Anmeldung von dem Feind gehoerigen Unternehmungen, Beteiligungen, Wertpapieren, Warenbestaenden und Forderungen bis zum 15. Dezember angeordnet worden[136].




6. Arbeitseinsatz- und Sozialfragen.


Arbeitslosigkeit.


Die Arbeitslosigkeit hat im November nicht mehr zugenommen[137]. Nach der franz. Statistik ergibt sich fuer die 1. Monatshaelfte sogar ein geringer Rueckgang. Selbst in Paris ist die Zahl der Arbeitslosen im Laufe des November zurueckgegangen. Der Grund liegt in umfangreichen Baumassnahmen und in der Wiederbelebung der Wirtschaft vor allemni [sic!] folge der deutschen Auftraege. In einzelnen Arbeitszweigen besteht noch immer sogar ein Arbeitermangel.



Weitere Verminderung der Arbeitslosigkeit.


Es ist anzunehmen, dass diese ruecklaeufige Entwicklung anhaelt.


Besonders fallen hier die Bauten der deutschen Wehrmacht ins Gewicht. Allein bei den Bauarbeiten der Luftwaffe sind ueber 80 000 franz. Arbeitskraefte beschaeftigt. Hinzu kommt die Wiederherstellung der Wasserstrassen in Ostfrankreich durch die Organisation Todt, wobei 1 500 Arbeitslose aus Lille und Nancy eingesetzt sind und noch einige 100 Baufacharbeiter aus Paris in Zukunft beschaeftigt werden. Schliesslich wird die Arbeitseinsatzlage guenstig beeinflusst durch die allmaehliche Ersetzung Kriegsgefangener[138] durch franz. Arbeitskraefte und durch die Ueberfuehrung von Arbeitslosen in die Landwirtschaft.



Anwerbung von Arbeitslosen nach Deutschland.


Die Gesamtzahl der nach Deutschland verbrachten Arbeitskraefte belaeuft sich jetzt auf 19 000. Am meisten beteiligt hieran sind die Polen mit 4 700 Mann, es folgen dann die Franzosen mit 4 300 Mann und erst in groesserem Abstand Russen, Slovaken, Ukrainer mit je rund 2 000 Mann. Italiener und Jugoslaven stellen ungefaehr je 1 600 Mann. Unter den Berufen steht an erster Stelle der Bauarbeiter mit 7 500 Mann, es folgen der landwirtschaftliche Arbeiter und der Metallarbeiter mit ungefaehr je 5 500 Mann.


Mit steigendem Erfolge wird durch Zeitung und Anschlaege staendig geworben. Durch die Erleichterung des Postverkehrs zwischen dem Reich und dem besetzten Gebiet sowie durch das Anlaufen der Lohnueberweisung wird diese Werbung guenstig beeinflusst. Die in das Reich vermittelten Arbeitskraefte heben in ihren Briefen die - den deutschen Arbeitern selbstverstaendlichen - sozialen Betriebseinrichtungen, die gute Behandlung sowie das kameradschaftliche Zusammenarbeiten mit den deutschen Arbeitern hervor und bringen ihr Erstaunen darueber zum Ausdruck, dass die nach Angabe der engl. Propaganda zerstoerten deutschen Staedte unbeschaedigt sind.


Der Einsatz auslaendischer Arbeitskraefte in Deutschland wirkt sich auf diese Weise nicht nur arbeitsmarktpolitisch, sondern auch propagandistisch fuer Deutschland guenstig aus.




7. Bank-[,] Boersen- und Versicherungswesen.


Bankwesen.


Die Geldfluessigkeit haelt infolge der Raeumung der Warenlager weiter an. Dem kurzfristigen Kreditbeduerfnis des Staates kann daher weitgehend Rechnung getragen werden. Einer Reihe von Banken wurde gestattet, in groesserem Umfange ueberfaellige Wechsel und Schecks zur Einziehung in das unbesetzte Gebiet zu schicken.


Der Umlauf an Reichskreditkassenscheinen ist weiter planmaessig verringert worden. Bis jetzt hat die Bank von Frankreich der Reichskreditkasse Paris rd. 540 Millionen Reichsmark zwecks Verrechnung auf Besatzungskostenkonto eingeliefert. Die vorgeschriebenen Abzahlungen auf die Besatzungskosten sind puenktlich geleistet worden; bis zum 20.11. wurden 3,18 Milliarden gezahlt. Zur Erleichterung bargeldloser Zahlung deutscher Wehrmachtskaeufer hat das franz. Finanzministerium unter Aufgabe seiner bisherigen Haltung den franz. Banken die Eroeffnung von RM-Konten bei den Reichskreditkassen gestattet.


Im Rahmen der Entjudungsind bisher fuer 10 nichtarische Bankhaeuser kommissarische Verwalter, und zwar ueberwiegend Franzosen, bestellt worden.



Boersenwesen.


Die Nachfrage nach Staatsrenten hat erheblich zugenommen[139]. Aus den Interventionsbestaenden konnten bisher nominal insgesamt ungefaehr 400-450 Millionen Franken abgegeben werden. Der Kurs-stand [sic!] hat sich im November erheblich gehoben. Die Kurserhoehungen betragen bis zu 10vH.



Versicherungswesen.


Acht Sachversicherungsunternehmen sind inzwischen zum Geschaeftsbetrieb in Frankreich zugelassen worden.




8. Preisregelung.


Preisbildung


Die franz. Regierung hat in weitgehender Beruecksichtigung der ihr von der deutschen Militaerverwaltung gegebenen Anregungen ein neues Gesetz ueber die Preisregelung erlassen[140]. Danach wird fuer die Preisbildung die Direction des prix als oberste Preisbehoerde beim Finanzministerium errichtet. Preisbildungsstellen der Zentralinstanzen sind kuenftig nur noch die interministeriellen Preisstellen (Beteiligung der zustaendigen Fachminister und des Finanzministeriums) und der Finanzminister[141] allein. Daneben wird ein Zentralpreiscomité eingerichtet, das der Minister vor Erlass seiner Entscheidungen zu hoeren hat.


In der Dep[ar]t.[ement]Instanz ist der Praefekt Preisbildungsstelle fuer die Verbraucherpreise landwirtschaftlicher Erzeugnisse.



Preisueberwachung.


Fuer die Preisueberwachung, die bisher im Wesentlichen in den Haenden der allgemeinen Polizei lag, wird ein Zentralamt fuer Preisueberwachung und bei jedem Praefekten ein Dep[ar]t.[ement]Amt fuer Preisueberwachung eingerichtet.



Preiskalkulation.


In materieller Hinsicht bringt das Gesetz eine Erschwerung der Preiserhoehungen, da alle Kostenerhoehungen nur mit besonderer Ausnahmegenehmigung der Zentralinstanz bei der Preisfestsetzung beruecksichtigt werden koennen. Als unzulaessige Preissteigerung werden insbesondere der ueberhoehte Einkauf und das ueberhoehte Preisangebot bestimmt. Die Entscheidungen der Preisbildungsstellen ergehen kuenftig in der Form von arrêtes und sind damit der Nachpruefung durch die ordentlichen Gerichte entzogen.



Preisstrafrecht.


Besonders wichtig ist die Tatsache, dass der Strafrahmen wesentlich verschaerft wird. Die Strafbefugnis der Verwaltungsbehoerden wird gleichfalls erweitert. Der Praefekt kann Geschaeftsschliessungen anordnen, Berufsausuebungen untersagen und solche Strafmassnahmen oeffentlich bekannt machen. Das Beschlagnahmerecht steht jedem Preisueberwachungsbeamten zu. Die Einziehung der Waren kann das Gericht nach Verurteilung zugunsten des Staates anordnen.



Aussichten.


Vom deutschen Standpunkt aus gesehen ist diese straffe Organisation der Preisueberwachung und die Verschaerfung der Strafmoeglichkeiten zu begruessen, denn sie laesst erhoffen, dass damit das Anschwellen der Preise in Zukunft wirksamer verhindert wird, was ja auch im unmittelbaren deutschen Interesse liegt.




V. Aufbau der Militärverwaltung.


1. Stäbe der Militärverwaltung.


Am 25.11.1940 waren vorhanden:


5 Bezirkschefs


47 Feldkommandanturen


144 Kreiskommandanturen


30 Ortskommandanturen I


1 OK. II (587) als Standortkommandantur in Angers eingesetzt; bisher bei Heeresgruppe D.



In der Berichtszeit wurden folgende Kreiskommandanturen verlegt:



Bezirk


K.K.Nr.


umgelegt von:


nach:


Depart.[ement]:


Bezirk



A


567


St. Valéry-en Caux


Dieppe


Seine Inf.[érieur]


A



667


Valognes


Rouen


Seine Inf.[érieur]


A



704


Mézières


Charleville


Ardennes


A



731


Melun


Vierzon


Cher


A



747


Falaise


Vouziers


Ardennes


A


Paris


781


Nemours


Fontainebleau


Seine et Marne


Paris



Die zur Ausbildung zugewiesenen Feldkommandanturen wurden in die Heimat beurlaubt, bezw. kommandiert, die Ortskommandanturen den Militärverwaltungsbezirken zum Einsatz in grösseren Städten zur Verfügung gestellt.


Von den 30 für das Unternehmen "Seelöwe"[142] bereitgestellten O.K. I.[143] werden im



Militärverwaltungsbezirk A[144]


12


Militärverwaltungsbezirk B[145]


6


Militärverwaltunsbezirk C[146]


6


Militärverwaltungsbezirk Paris


3


Militärverwaltungsbezirk Bordeaux


3



eingesetzt.


Dem Militärverwaltungsbezirk Paris wurde ferner die dem Militärbefehlshaber in Frankreich unterstellte FK. 584 für den Bereich Paris-West (Dep.[artement] Seine) zugeteilt. Im Bereich Paris-Ost (Dep.[artement] Seine) wurde die bisher dem Stabe des Militärverwaltungsbezirks Paris eingegliederte FK. 757 eingesetzt.[147]


Die OK. III 234, 236, 1003 und 1010 wurden nach ihrem Aufstellungsort in die Heimat in Marsch gesetzt.


Im November wurden 34 Militärverwaltungsbeamte (16 höhere, 18 gehobene und mittlere Beamte) und 3 Sonderführer in Marsch gesetzt. Die Mehrzahl von ihnen wurde den Feldkommandanturen überwiesen.



2. Landesschützen- und Wacheinheiten.


Am 25.11.1940 waren vorhanden:


a) 15 Regimentsstäbe


b) 4 Radfahr-Wach-Bat[ai]l[lon]e.


c) 102 L[an]d[es]s.[chützen]-Bat[ai]l[lon]e.


d) 7 Wachbat[ai]l[lon]e.


e) Sicherungsregiment 2 mit einem Bat[ai]l.[lon]



Zu a)


1.) Grenz-Inf.[anterie]R[e]g[imen]t. 127 ist dem BdE[148]. unterstellt worden und wird in die Heimat zurücktransportiert.


2.) Die 7 L[an]d[es]s.[chützen] R[e]g[imen]t.Stäbe (Nr. 45, 46, 56, 57, 65, 66 und 95) haben ihre Tätigkeit in den ihnen zugewiesenen Befehlsbereichen aufgenommen.



Zu c)


1.) 3 im Elsass eingesetzte Gefangenen-Bewachungs-Bat[ai]l[lon]e. sind dem BdE. unterstellt worden.


2.) Anstelle des L[an]d[es]s.[chützen]Bat[ai]l[lons]. 405 ist dem Militärbefehlshaber in Frankreich das L[an]d[es]s.[chützen]Bat[ai]l.[lon] 425 unterstellt worden.



3. Bodenständige Sicherung.


Bewachungskräfte


Durch Verfügung des O.K.H. Gen.St.d.H.[149] II/596/40 geh. v. 25.11.40[150] wurden die Bewachungsaufgaben für Militärbefehlshaber in Frankreich und die A.O.K.[151] neu abgegrenzt. Zusätzliche Bewachungskräfte konnten nicht zur Verfügung gestellt werden.


Inwieweit nach einer abermaligen Überprüfung in Bezug auf die Verringerung der Wachen von seiten des Militärbefehlshabers den zusätzlichen Aufträgen entsprochen werden kann, wird die Praxis ergeben. Es muss weitgehend auf eigene Wachkommandos für jedes Objekt verzichtet werden.


Die einzelnen Bewachungsobjekte müssen möglichst von einer zentralen Ortswache aus versehen werden, soweit es sich nicht um abgelegene Einrichtungen handelt.


Eine Reihe weiterer kriegswichtiger Einrichtungen werden durch französische Ordnungsorgane bewacht. Diese Organisation setzt eine gutwillige Einstellung der Bevölkerung voraus. Durch sie werden diejenigen Einrichtungen und Anlagen in die Hand der Franzosen gegeben, mit Hilfe derer sie der Truppe bei Feindseligkeiten die grössten Schwierigkeiten bereiten können.


Dem stetigen Absinken der Bewachungsstärken der L[an]d[es]sch.[ützen]-Bat[ai]l[lon]e. könnte dadurch vorgebeugt werden, daß


a) der Grundsatz, für die Wachmannschaften zwischen 2 Wachen einen Ruhetag einzulegen, aufgehoben wird;


b) Die Fehlbestände bei den L[an]d[es]sch.[ützen]- u.[nd] Wach-Bat[ai]l[lon]en. beschleunigt aufgefüllt werden;


c) die Urlaubsquote von 20% auf 10% herabgesetzt wird;


d) Die auf Sonder-(Arbeits)Urlaub befindlichen Soldaten von der Iststärke abgesetzt, dem Ersatztruppenteil überwiesen und bei den Feldeinheiten durch Ersatz ergänzt werden.



Unter den derzeitigen Umständen ist die Überlastung der L[an]d[es]sch.[ützen]-Bat[ai]l[lon]e. sehr stark. Sämtliche zur Verfügung stehenden Kräfte sind nach den Meldungen unter schärfster Ausnutzung des Personalbestandes für die Überwachung eingesetzt.



Zollgrenzschutz


Der Zollgrenzschutz hat seine Dienststellen im Bereich der belgisch-französischen und der Ostgrenze, sowie an der französisch-schweizerischen Grenze und an der Demarkationslinie bezogen. Im Küstengebiet werden die französischen Zollbeamten herausgezogen, um an anderen Stellen weiter ostwärts verwandt zu werden.



4. Bodenständige Einrichtungen.


Truppenübungsplätze


Der Ausbau der Truppenübungsplätze kann im Grossen als abgeschlossen angesehen werden. Die Belegung der Übungsplätze durch die A.O.K. wurde in weit grösserem Umfange durchgeführt, als ursprünglich vorgesehen war. Da sich die Personalbedürfnisse der Truppenübungsplätze erst durch den praktischen Einsatz ergaben, mussten die Stärkenachweisungen stufenweise entwickelt werden, um Überorganisationen vorzubeugen.


Entgegen dem Bestreben einiger Truppenteile, sich die Truppenübungsplatzkommandanturen für die Zeit der Belegung zu unterstellen, muss der Militärbefehlshaber grössten Wert auf deren Selbständigkeit legen. Die Kommandanten der Truppenübungsplätze sind zwar angewiesen, den Wünschen der Truppenteile weitgehendst zu entsprechen, sie müssen aber den Ausbau und die Verwaltung ihres Platzes, von der augenblicklichen Belegung unabhängig, auf längere Sicht durchführen können.


Auf Anforderung der Luftwaffe mussten grössere Gebiete in den Departements Ardennes und Meuse zwecks Anlage des Luftwaffenübungsplatzes Ramorantin geräumt werden. Die zuständigen Feldkommandanturen wurden angewiesen, in Verbindung mit der Wirtschaftsoberleitung "Ostland" die Verschiebung der landwirtschaftlichen Bevölkerung in diejenigen Orte ihres Departements vorzunehmen, in denen landwirtschaftliche Kräfte am dringendsten benötigt werden. Die nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung ist den industriellen Gebieten der betreffenden Departements zuzuführen, wo deren Einsatz am zweckmässigsten erscheint.



Soldatenheime


Im Monat November 1940 sind 35 Heime eröffnet worden, sodaß zurzeit 78 Soldatenheime in Betrieb sind. Nach Einführung der Lebensmittelbewirtschaftung wurde angestrebt, den Soldatenheimen eine zusätzliche Ausstattung mit Lebensmitteln zur Verfügung zu stellen. Ohne die Verabreichung kleiner Zwischenmahlzeiten verliert das Soldatenheim seine Zugkraft. Der Soldat wandert in die französischen Restaurants oder Privatfamilien ab, weil er dort etwas bekommt.


Das Bestreben, dem deutschen Soldaten in Frankreich eine von der französischen Sphäre abgesetzte Aufenthaltsmöglichkeit zu geben, muss von allen Dienststellen unterstützt werden. Den unter diesen Gesichtspunkten gestellten Anträgen konnte mit Rücksicht auf die allgemeine Ernährungslage vom O.K.H. nur teilweise entsprochen werden.



Unterkunftsverwaltungen.


Die Wirksamkeit der gesamten Organisation von Unterkunftsverwaltungen in Frankreich steht und fällt mit der Genehmigung des hierfür notwendigen Personals. Die Stärkenachweisungen sind beim Heeresintendanten/Gen.[eral]Qu.[artiermeister][152] beantragt. Ausserdem wurde unter dem 25.9.1940 noch einmal zahlenmässig die Zuweisung des militärischen Unterpersonals und der Fahrzeuge erbeten. Bereits Mitte September wurde die Überweisung des militärischen Unterpersonals fernmündlich vom Heeresintendanten zugesagt.


Das militärische Unterpersonal ist bisher nicht eingetroffen.


Kraftfahrzeuge fehlen insgesamt 267. Sie sind durch O.[ber]Qu.[artiermeister] Frankreich[153] bis Mitte Dezember zugesagt.


Bezüglich der Beamten war vorgesehen, die Unterkunftsverwaltungen mit den überzähligen Beamten der Stalags[154] auszustatten. Das Beamtenpersonal, welches nicht aus den Stalags genommen werden kann, ist erneut bei Gen.[eral]Qu.[artiermeister] angefordert worden.


Im Augenblick ist die Organisation nicht in der Lage, der Truppe die schwierigen Arbeiten der Unterkunftsinstandsetzung und Ausstattung abzunehmen, noch dabei nennenswerte Unterstützung zu leisten.


Es ist aber eine berechtigte Forderung der Truppen aller Wehrmachtteile, mindestens für die grösseren Unterkünfte bodenständige Dienststellen, die ihnen die Sorge um die Ausstattung abnehmen, vorzufinden.


Ohne geeignete Verwaltung verkommen die einmal eingerichteten Unterkünfte nach mehrmaligem Wechsel der Belegung schnell. Eine geordnete Verwaltung, Verrechnung und Rückgabe der von der Besatzungsmacht in Anspruch genommenen und für diese Zwecke neu ausgestatteten Unterkünfte an die französischen Behörden ist ein weiterer Grund für die Einrichtung deutscher Unterkunftsverwaltungen.




VI. Die deutsche Exekutive und Gerichtsbarkeit im besetzten französischen Gebiet.


Kriminalität


Da auf politischem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiet keine entscheidenden Veränderungen eingetreten sind, ist es nirgends zu einer Bedrohung der Sicherheit gekommen.


Die Zahl der Vergehen der Bevölkerung gegenüber der Besatzungsmacht ist im Steigen begriffen. Über die Entwicklung im einzelnen gibt die beigefügte Zusammenstellung Auskunft. (Anlage 1[155])


Gegenüber dem Monat Oktober haben sich die Verhaftungen von 1845 auf 2787 erhöht.



Feldgendarmerie


In Bezug auf die Tätigkeit der Feldgendarmerie muss erneut die Dolmetscherfrage zur Sprache gebracht werden. Die Ermittlungen leiden unter dem Mangel an sprachgewandtem Personal.


Auch die Frage der ausreichenden Motorisierung der Feldgendarmerie ist noch nicht aufgegriffen worden. Eine hohe Beweglichkeit der Gendarmerie ist aber nach der Auflockerung in der Truppenbelegung notwendig, um auch entlegene, nicht unmittelbar unter deutschem Einfluss stehende Gebiete zu durchdringen.


Der Aufbau der Feldgendarmerie bei den Feldkommandanturen und Kreiskommandanturen ist noch im Gange. Nach Abschluss aller Befehlsmassnahmen ergeben sich insgesamt noch 1948 Fehlstellen im Gendarmerie-Bestand.


Die Auffüllung obliegt in Zukunft den Feldgendarmerie-Feldersatzkompanien. Von Dezember 1940 ab verfügt jeder Militärverwaltungsbezirk über eine solche Feldersatzkompanie in Stärke von 150 Mann.


Darüber hinaus wird die Einrichtung je einer Feldgendarmerie-Ausbildungskompanie bei den Militärverwaltungsbezirken vorbereitet. Diese Kompanien haben die Aufgabe, in 3-4 wöchentlichen Kursen ausgebildete Soldaten für den Feldgendarmeriedienst zu schulen. Die Stärke einer solchen Ausbildungskompanie beträgt rund 125 Mann.


In welchem Ausmass auch heute noch die verschiedensten Kampfmittel, Waffen und Munition entdeckt und beschlagnahmt werden, ergibt die beiliegende Aufstellung. (Anlage 2[156])



Gerichtswesen


Entsprechend der geschilderten Verstärkung der Straftaten gegenüber der Besatzungsmacht hat auch die Tätigkeit der Gerichte im Berichtsmonat weiter zugenommen. Die im Oktober 1940 eingeführten Strafbestimmungen gegen das unbefugte Überschreiten der Demarkationslinie[157] hat für die betroffenen Gerichte eine entsprechende Mehrbelastung ergeben.


Der Militärbefehlshaber in Frankreich hat im Berichtsmonat als höherer Befehlshaber bestätigt:


9 Todesurteile gegen Franzosen,


4 Todesurteile gegen Soldaten, sämtl.[iche] wegen Fahnenflucht


12 Verurteilungen zu Freiheitsstrafen über 5 Jahre



davon:


5 gegen Soldaten:


2 wegen Fahnenflucht


(je 8 Jahre Zuchthaus)



2 wegen Plünderung


(10 Jahre Zuchthaus)



1 wegen Notzucht


(12 Jahre Zuchthaus)


7 gegen Franzosen


wegen unerlaubten Waffenbesitzes,


Kabelsabotage und Hetzpropaganda.



An besonders bedeutsamen Strafsachen liegen vor:


1. Eine Engländerin, eine Französin und ein Franzose wurden wegen Herstellens von Flugblättern, durch die zur Fortsetzung des Krieges an der Seite Englands aufgefordert wurde, zum Tode verurteilt. Das Urteil ist bestätigt; die Entscheidung des Ob.d.H. über die Gnadenfrage steht noch aus.



2. Das Verfahren gegen den kriegsgefangenen französischen Hauptmann Girardon[158] wegen Tötung eines deutschen Parlamentärs. Es ist noch nicht abgeschlossen.



3. Gegen 2 englische Offiziere und ihre Hlefer [sic!] auf der Insel Guernesey schwebt ein Verfahren wegen Spionage. Das zuständige Gericht hat das Verfahren eingestellt, weil den Beschuldigten vom deutschen Insel-Kommandanten[159] Straffreiheit zugesichert worden sei. Der Gerichtsherr ist jedoch angewiesen, die Anklage zu verfügen.




VII. Kriegsgefangene.


Organisation.


Abgabe von Kriegsgef.[angenen]


Im Vordergrund der Kriegsgefangenenfragen in Frankreich steht die überraschend befohlene Abgabe von 150 000 K[riegs]g[e]f.[angenen] an das Reich. In zahlreichen Besprechungen wurde anerkannt, dass ein gewisser Minimalbestand an K[riegs]g[e]f.[angenen] in Frankreich verbleiben soll, um die vom Militärbefehlshaber im Auftrage der politischen und wirtschaftlichen Führung angeordneten Massnahmen arbeitstechnisch zu sichern.


Um einen gewissen Teil der K[riegs]g[e]f.[angenen] im Laufe der Zeit nach Deutschland überführen zu können, wurde dem Militärbefehlshaber zugesagt, dass ihm die für die Anwerbung von Arbeitskräften in Frankreich notwendige Organisation zur Verfügung gestellt wird. Um so stärker trifft der nunmehr ohne jeden Ausgleich erlassene Befehl zum Abtransport die militärischen und wirtschaftlichen Planungen.



Transportbewegungen der K[riegs]g[e]f.[angenen]


In Bezug auf die bereits angeordneten Transportbewegungen der K[riegs]g[e]f.[angenen] ergibt sich im Augenblick folgendes Bild:


a) Die letzte Welle der Transporte nach Deutschland wurde abgeschlossen; im Monat September und Oktober sind 128 000 K[riegs]g[e]f.[angene] abtransportiert worden.


b) Von den farbigen K[riegs]g[e]f.[angene] wurden weitere 11 000 aus Nordfrankreich nach dem Süden abgeschoben, so dass sich bis jetzt in den wärmeren Zonen südlich der Loire insgesamt 37 600 farbige K[riegs]g[e]f.[angene] befinden.


Entsprechend dem Fortschritt im Lagerausbau werden weitere Farbige nach dem Süden abgeschoben.


Infolge Massierung der farbigen K[riegs]g[e]f.[angenen] im Bezirk Bordeaux ist die Verlegung von 6 weiteren Stalags vorgesehen, so dass schliesslich der Gefangenenbezirk XII[160] über 9 Stalags verfügen wird.



Bewachung von K[riegs]g[e]f.[angenen]


Durch den Abschub der letzten 128 000 K[riegs]g[e]f.[angenen] nach Deutschland stehen nunmehr in Frankreich stärkere Bewachungskräfte zur Verfügung. Die Stärke der vorhandenen Bewachungseinheiten beträgt jetzt 9% der Gesamtzahl der K[riegs]g[e]f.[angenen] Es fehlen mithin noch 3% an dem vom O.K.W. für die Bewachung geforderten Satz von 12%.


Bei dem Einsatz der farbigen K[riegs]g[e]f.[angenen] in den ausgedehnten und unübersichtlichen Wäldern im Bezirk XII wird mit Rücksicht auf die Nähe der Demarkationslinie eine Erhöhung der Bewachungsstärke auf mindestens 15% notwendig.


Nur mit genügenden Bewachungskräften lässt sich im eigenen Lande der Gefangenen die hohe Zahl von Fluchten verringern.


Die für das Unternehmen "Seelöwe" vorgesehenen Stalags und Dulags[161] werden nach Deutschland abtransportiert.


Der Bestand an Kriegsgefangenen betrug am 25.11.1940


339 000, einschliesslich der Farbigen, verteilt auf 55 Stalags.



Arbeitseinsatz


Die rund 340 000 K[riegs]g[e]f.[angenen] waren im Berichtsabschnitt wie in der beigefügten graphischen Darstellung eingesetzt. (Anl.[age] 3[162])


In der hohen Zahl der im Lager anwesenden K[riegs]g[e]f.[angenen] sind einmal die zurückgehaltenen 86 000 Farbigen insbegriffen [sic!], und 2. sind die in das Lager täglich zurückkehrenden Gefangenenkolonnen für Strassenbau, Flugplätze usw. enthalten.


Die ausserhalb der Lager zur Arbeit eingesetzten K[riegs]g[e]f.[angenen] verteilen sich auf rund 10 000 Arbeitskommandos mit einer Durchschnittsstärke von 20 K[riegs]g[e]f.[angenen] Die Vermehrung der Arbeitskommandos und ihre weitere Zerlegung scheitern an dem Mangel an Bewachungskräften. Infolgedessen können zahlreiche Forderungen in Bezug auf kleinste Kommandos oder Einzelgefangene nicht erfüllt werden.


Im Überschwemmungsgebiet an der Loiremündung wurden 1000 K[riegs]g[e]f.[angene] zur Verstärkung der vorhandenen Truppen- und Zivilkräfte eingesetzt.



Einzelheiten.


1. Vom 4. bis 11.11.1940 besuchte der Hauptdelegierte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Dr. Junod, die Kriegsgefangenenlager La Celle/St. Cloud, Val de Grace, Begin und Rouen. Die Lager waren in Ordnung und fanden Anerkennung, wobei das Lager La Celle/ St. Cloud als "Camp modele" [sic!] bezeichnet wurde.


2. Immer wieder drängt sich das Französische Rote Kreuz vor, um Kriegsgefangenentransporte zu verpflegen und zu betreuen. Da hiermit erfahrungsgemäss eine ganze Reihe unerlaubter Handlungen verbunden sind, wurde allgemein verboten, dass das Französische Rote Kreuz französische K[riegs]g[e]f.[angene] auf dem Transport und bei der Durchfahrt durch das besetzte Gebiet verpflegt.


3. Eine Kriegsgefangenen-Zeitung erscheint 3x wöchentlich und wird unentgeltlich an die Stalags verteilt.


4. Die Entlassung der D.U.[163]-K[riegs]g[e]f.[angenen] schreitet fort. Im Bezirk Belgien und Nordfrankreich befinden sich keine D.U.-K[riegs]g[e]f.[angene] mehr. Auch in den übrigen Bezirken nähert sich der Abtransport dieser K[riegs]g[e]f.[angenen] dem Abschluss.


5. Der Gesundheitszustand der K[riegs]g[e]f.[angenen] ist in allen Lagern gut.




VIII. Flüchtlings- und Rückwanderungswesen.


Flüchtlinge


1. Zahl der noch vorhandenen Flüchtlinge.


In Elsass-Lothringen werden noch erwartet:


36 000 Elsässer, davon etwa 10 000 in Strassburg, und 25 000 Lothringer. Hinzu kommen die aus der französischen Wehrmacht zu entlassenden und die in Arbeitslagern befindlichen Elsass-Lothringer. Unter die Demobilisierten fallen auch die Soldaten, die in Nordafrika und Syrien standen und im November über Lyon[164], Chalons s.[ur]S.[aône][165] unter Weitergewährung der bisherigen Flüchtlingsbegünstigung wahrscheinlich noch bis weit in den Dezember hinein der Heimat zustreben.


Im Nordostgebiet fehlen nach den jetzt vorliegenden Meldungen noch ungefähr 1 Million Menschen, d.h. es fehlt noch jeder 7. Einwohner, [sic!] Aus Le Havre[166] und Umgebung sind 13 000 Menschen infolge der Kriegseinwirkungen geflohen, sie sind im Departement Seine-Inf.[érieur] vorläufig untergebracht. Wegen der Räumung der Küstenzone vergleiche im übrigen die Ausführungen oben unter A (vordringliche Probleme).



2. Auflösung der Flüchtlingslager.


Im November wurden mit Ausnahme der Heimkehrlager St. Dizier[167] und Dijon-Beaune[168] alle Flüchtlingslager aufgelöst; Unterkunft und Verpflegung den HU-Verwaltungen[169], die vorhandenen Verpflegungsbestände den AV-Lagern[170] übergeben.



Rückwandererwesen.


Die Rückkehr der bisher in Frankreich ansässigen Italiener und Slowaken in ihre Heimatländer ist in vollem Gange.



Sperrlinien.


Sondergenehmigung zur endgültigen Rückkehr ins Sperrgebiet[171] haben im Berichtsmonat aus wirtschaftlichen Gründen erhalten:


3 000 Industriearbeiter aus dem Erzbecken von Briey-Longwy[172] (ihr Bergungsgebiet lag im Bezirk Bordeaux)


ca. 380 französische Eisenbahner aus dem Departement Nord und Pas de Calais.



Zur beschleunigten Wiederherstellung der Kanäle und Wasserstrassen im gesperrten Nordostraum (Rhein-Marne-Kanal, Maas und Mosel) ist ein befristeter Arbeitseinsatz von 2 500 Facharbeitern aus dem westlich abgrenzenden Gebiet und dem Bezirk Paris genehmigt worden.


Die Mittellinie (Seine-Marne-Linie) und die Südlinie (untere Loire) wurden aufgehoben.



Demarkationslinie.


Um einheitliche und klare Verhältnisse in der Besetzung und Aufgabenverteilung an der Demarkationslinie herbeizuführen, ist beabsichtigt, in Zukunft nach folgenden Gesichtspunkten zu verfahren:


a) Einsatz der GFP, nur an den Abwehrschwerpunkten; sonst Einsatz von Truppe und Zollgrenzschutz, die im Bedarfsfall die GFP anfordern;


b) Prüfung der von den Bezirkschefs gemeldeten ca. 120 Übergänge des kleinen Grenzverkehrs auf Notwendigkeit und zweckmässige Verteilung.



In der Berichtszeit sind an der Demarkationslinie folgende Übergänge geöffnet worden:


a) Auf Ansuchen der Wirtschafts-Abteilung die Eisenbahnübergänge bei Seurre[173] und Mouchard[174];


b) der Eisenbahnübergang bei Bourges[175] und der Cherbrücke bei Gievres[176] zum Materialtransport für die dort liegenden Flughäfen.




Anlage 1



Der Militärbefehlshaber in Frankreich


Kommandostab Abtlg. Ia


Br.B.Nr. 39/40


Paris, am 25. November 1940



Bezug: . / .


Betr.: Monatliche Lageberichte




1.) Die Form der getrennten Berichterstattung des Kommando- und des Verwaltungsstabes[177] kann ich nicht als zweckmässig ansehen. Ich berichte der vorgesetzten Dienststelle verantwortlich als Militärbefehlshaber. Doppelausführungen in einzelnen Berichtsteilen sind hierbei unerträglich.


2.) Die Lagenberichte sind durch die Berichterstatter des Kommando- und des Verwaltungsstabes (Oberstleutnant i.G. Voelter und Landrat Dr. Parisius) in Form eines Einheitsberichtes vorzubereiten, der mir nach Vortrag bei den Chefs des Kommando- und des Verwaltungsstabes zum 1. j[e]d.[en] M[ona]ts. im Entwurf vorzulegen ist.


3.) In den Fragen der politischen Lagenbeurteilung, der Propaganda und der Presse sind die zuständigen Dienststellen des Kommandostabes, in den Fragen der Verwaltungsaufsicht über die französischen Behörden, der Wirtschaft und des Verkehrswesens (Sonderauftrag Min.Dir. Dr. Michel) die Dienststellen des Verwaltungsstabes federführend. Notwendige Beiträge auf diesen Sachgebieten sind zum 27. j[e]d.[en] M[ona]ts. den hiernach zuständigen Dienststellen zu übergeben.


4.) Wo sich trotzdem noch sachliche Ueberschneidungen ergeben, sorgen die Berichterstatter für die einheitliche Abfassung angeeigneter Stelle.


5.) Ziffer 2 der Verfügung des ObdH Chef der Militärverwaltung in Frankreich[178], Kommandostab Abt. Ia vom 18.8.40 über die Abfassung der Lagenberichte ist durch vorstehende Ziffer 2 und 3 zu ersetzen.




Der Militärbefehlshaber


gez. von Stülpnagel






Anlage 3




Kohlenprogramm November 1940


für den Bereich des Militärbefehlshabers in Frankreich (ziviler Bedarf)


(in 1 000 Tonnen)




Nord und Pas de Calais




Eisenbahn


Schiff


Insges.[amt]


Blanzy


Decize


Epinac


Ronchamp


Faymoreau


Unbe-s.[etztes] Gebiet


Zu-s.[ammen]


Südbelg.[ien]


Falls zusätzlich insges.[amt]


Öffentl.[iche]


Bedarfsträger














Franz.


Eisenbahn


300


-


300


41


5.5


0.5


-


1


170.8


518.9


-


518.8


Gaswerke


168


20.16


188.15


15


2


-


0.4



22


227.56


2.50


230.06


Elektr.[ische] Werke


100


29.75


129.75


4


-


-


-


-


V


140.75


4.00


144.75


Zus.[ammen]


568


49.91


617.91


60


7.5


0.5


0.4


1


199.8


887.11


6.50


893.61


Industrie


325


114.25


439.25


67.5


12


2.44


5.1


3


82


611.29


30.00


641.29


Hausbrand einschl.[iesslich]; (Kl.[ein] Gewerb.[e] bis z.[u] einem Ges.[amt] Monatsbed.[arf] v.[on] 20 000 to)


202


135


357


38


2.5


2.1


1.3


1


90.9


472.8


83.50


556.30


Zus.[ammen]


1 095


299.15


1 394.16


165.5


22


5.04


6.8


5


327.7


1 971.20


120.00


2 091.20


Eisenind.[ustrie] f.[ür] Ostfrk.


45


-


45


-


-


-


-


-


-


45


-


45


Insges.[amt]


1 140


299.16


1 439.16


165.5


22


5.04


6.8


5


372.7


2 016.20


120.00


2 136.20






[1] 85. Ausfertigung von 140 Exemplaren.


[2] Otto von Stülpnagel.


[3] Stempelaufdruck: Geheime Kommandosache.


[4] Walther von Brauchitsch.


[5] Oberkommando des Heeres.


[6] Adjutantur Oberbefehlshaber des Heeres.


[7] Adjutantur Chef des Generalstabs des Heeres.


[8] Generalquartiermeister des Heeres.


[9] Um den Chef des Generalstabes zu entlasten wurden bei Kriegsbeginn ältere Generalstabsoffiziere mit der Leitung bestimmter Aufgabengebiete des Generalstabes betraut. Die Aufgaben der insgesamt 5 mit römischen Ziffern unterschiedenen Oberquartiermeister waren mit den Arbeitsgebieten des Generalquartiermeisters nicht identisch. "Der Oberquartiermeister I (OQu I) erhielt seine Aufgaben von Fall zu Fall durch den Chef GenStdH zugewiesen. Ggf. konnten ihm auch Abteilungen des GenStdH unterstellt werden. Er war bei Abwesenheit des Chefs GenStdH dessen Vertreter." vgl. Rudolf Absolon, Die Wehrmacht im Dritten Reich, Bd. V, Boppard 1988, S. 56.


[10] "Der Oberquartiermeister V (OQu V) war dem Chef GenStdH unmittelbar unterstellt. Er hatte seinen Dienstsitz in Berlin. Wirtschaftlich war er dem B[efehlshaber]d[es]E[rsatzheeres] angegliedert. Ihm unterstand die 2. Staffel des GenStdH, und zwar:


a) uneingeschränkt:
Kriegswissenschaftliche Abteilung; Abteilung für Kriegskarten- und Vermessungswesen.


b) nur wirtschaftlich und hinsichtlich Dienstaufsicht:


c) Zentral-Abteilung (2. Staffel).; Abt. Fremde Heeres (2. Staffel); Attachégruppe; Abt. Landesbefestigung (2. Staffel); Horchleitstelle; Organisationsabteilung (2. Staffel); Gruppe Heerestechnik; Ausbildungsabteilung (2. Staffel).


Der OQu V bearbeitete die Aufgaben, die ihm vom Chef GenStdH zugewiesen wurden.", vgl. Absolon, ebenda S. 58.


[11] Zentralabteilung im Generalstab des Heeres.


[12] Operationsabteilung.


[13] Organisationsabteilung.


[14] Zentrales Aufgabengebiet des Oberquartiermeisters IV Fremde Heere war die Feindaufklärung. Ihm unterstand neben den beiden Staffeln Abt. West und Abt. Ost auch die Verbindungsgruppe OKW Ausland Abwehr.


[15] Die beiden Abteilungen Fremde Heere West und Fremde Heere Ost im Generalstab des Heeres beschäftigten sich mit der Beschaffung und Auswertung von Nachrichten über die jeweilige Stärke sowie die Verteilung der Truppen des Gegners und erstellen Gutachten über dessen Absichten und militärische Möglichkeiten. Feindaufklärung betrieben darüber hinaus aber auch das Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht sowie die Ic Abteilungen der Stäbe von Heer, Luftwaffe und Marine. Da diese Dienste in ständiger Rivalität zueinander standen kam es bis zum Ende des Krieges immer wieder zu Abgrenzungsschwierigkeiten und Kompetenzstreitigkeiten.


[16] Richtig: Abteilung Heerwesen (Abt. H). Sie war eine Unterabteilung der Amtsgruppe Ersatz- und Heerwesen (Ag EH) der Allgemeinen Abteilung im Allgemeinen Heeresamt (AHA) des Oberkommandos des Heeres.


[17] Der Chef des Transportwesens verfügte nach den Maßgaben des Oberkommandos der Wehrmacht über die Transportmittel des Reiches, vor allem Eisenbahn und Binnenschiffahrt. Transporte auf den Seewegen fielen dagegen in die alleinige Zuständigkeit der Kriegsmarine.


[18] Chef des Heeres-Nachrichtenwesens.


[19] Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres Friedrich Fromm.


Friedrich Fromm (1888-1945). Generaloberst. 1908 Leutnant. 1914/18 Weltkriegsteilnahme. 1919 Übernahme in die Reichswehr. 1934 Chef des Allgemeinen Heeresamtes im Reichswehrministerium. September 1939 bis Juli 1944 Oberbefehlshaber des Ersatzheeres. In die Planungen der Verschörer des 20. Juli eingeweiht, distanzierte er sich nach dem mißglückten Attentat und leitete Gegenmaßnahmen ein. Trotzdem Absetzung und Verhaftung. Im März 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet.


[20] Richtig: Heerespersonalamt. Es war zuständig für alle Personalangelegenheiten des Offizierskorps des Kriegsheeres.


[21] Oberkommando der Wehrmacht.


[22] Wehrmacht-Führungsstab/Abteilung Landesverteidigung.


[23] Unter der Führung von Admiral Wilhelm Canaris befasste sich das Amt Ausland-Abwehr des Oberkommando der Wehrmacht mit der allgemeinen Nachrichtenbeschaffung und deren Auswertung. Es stand in ständiger Rivalität zu den Abteilungen Fremde Heere West bzw. Fremde Heere Ost im Generalstab des Heeres sowie dem Amt VI (SD-Ausland) im Reichssicherheitshauptamt der SS.


Wilhelm Canaris (1887-1945). Admiral. 1905 Eintritt in die Marine. 1908 Leutnant zur See. 1914/18 Kriegsteilnahme, zunächst in Südamerika, dann in Spanien, zuletzt U-Boot-Kommandant. 1919 Übernahme als Kapitänleutnant in die Reichsmarine. 1924 Mitarbeiter im persönlichen Stab des Reichswehrministers. 1928 Kommandant des Panzerschiffs Schlesien. 1934 Festungskommandant von Swinemünde. 1935 Konteradmiral und Chef der Abwehrabteilung des Reichwehrministeriums, seit 1938 Amt Ausland/Abwehr des OKW. 1944 Chef des Sonderstabes Auslandswirtschaftskrieg im OKW. Nach dem 20. Juli 1944 verhaftet, 1945 hingerichtet.


[24] Kriegsgefangene.


[25] Propaganda-Abteilung.


[26] Deutscher Verbindungsoffizier zur Französischen Regierung.


[27] Gemeint ist hier die Dienststelle des späteren Deutschen Botschafters in Paris, Otto Abetz. Als Verbindungsoffizier des Oberkommandos des Heeres und des MBF fungierte Major Schuchardt.


Karl Schuchhardt (1904-1944 ?). Major i.G. In den 1920er Jahren Eintritt ins Infanterieregiment 15. 1939 Ia der 62. Infanteriedivision in Polen, dann am Westwall. September 1940 Führerreserve, Verbindungsoffizier des OKH und des MBF zur Botschaft Paris. Juli 1941 Führerreserve, anschließend Gehilfe beim Militärattaché in Ankara. 1942 Ic/AO bei der Heeresgruppe A in Südrußland. 1943 Oberst. Attaché-Abteilung im OKW/WFSt/Org. Ausb. 1944 vom Personalamt zur Verfügung gestellt, Wiederverwendung nicht beabsichtigt. 1944 oder 1945 gefallen.


[28] Oberquartiermeister Frankreich Erwin Jaenecke.


[29] Wehrwirtschafts- und Rüstungsstab Frankreich.


[30] Franz von Roques.


[31] Höherer Nachrichtenführer Generalmajor Rudolf Schrader.


[32] Um die Befehlsverhältnisse im Westen zu verbessern und zugleich mit Blick auf die beginnende Verlagerung des militärischen Schwerpunktes nach Osten wurde für den westlichen Kriegsschauplatz mit Befehl vom 26.10.1940 (ObdH/GenStdH/Op.Abt.(IIa) Nr. 37150/40 g.Kdos. betr. Oberbefehlshaber West) das Amt des Oberbefehlshabers West neu geschaffen, vgl. BA-MA (Freiburg) RW 36/7. Am 30.10.1940 setzte der Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt zum Oberbefehlshaber West mit Sitz in Saint-Germain ein.


Gerd von Rundstedt (1875-1953). Generalfeldmarschall. 1893 Leutnant, 1914/18 Kriegsteilnahme, u.a. als Generalstabsoffizier, 1919 Major, 1923 Oberst, 1927 Generalmajor, 1932 General, 1938 Generaloberst, Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst, 1939 Reaktivierung als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd während des Polenfeldzuges, in Frankreich (nach Frankreichfeldzug Generalfeldmarschall) und Rußland Heeresgruppenführer, Dezember 1941 Abberufung ("Führerreserve") nach Rücknahme seiner Truppen vor Rostow, Oberbefehlshaber West bis März 1945, Vorsitz des "Ehrenhofes des Deutschen Reiches" der Wehrmacht zum Ausstoß von Offizieren, die der Verbindung zu Verschwörern des 20. Juli verdächtigt wurden. Nach dem Krieg in amerikanischer und britischer Kriegsgefangenschaft bis 1949.


[33] Armeeoberkommando.


[34] Karlgeorg Schuster.


[35] Friedrich-Carl Hanesse (1892-?). General der Flieger. 1913 Leutnant. 1914-1918 Weltkriegsteilnahme, zunächst bei der Artillerie, ab 1917 bei der Fliegertruppe. Übernahme in die Reichswehr. 1934 Übertritt zur Luftwaffe. 1939 Luftattaché in Bern. Oktober 1940 bis Sommer 1944 General der Luftwaffe Paris. September 1944 Kommandeur der Luftwaffenergänzung. Februar 1945 verabschiedet.


[36] Alexander von Falkenhausen.


[37] Adolf Hitler.


[38] Treffen von Hitler und Pétain in Montoire-sur-le-Loir am 24. Oktober 1940. Zum Inhalt des Gesprächs vgl. ADAP, Serie D, Bd. XI.1, S. 326-332.


[39] Treffen von Hitler und Laval in Montoire am 22. Oktober 1940. Zum Inhalt des Gesprächs vgl. ADAP, Serie D, Bd. XI, S. 301-306.


[40] Vor und während der Kampfhandlungen waren zahlreiche Einwohner evakuiert worden bzw. ins Innere Frankreichs geflüchtet. Nach Einrichtung einer Zivilverwaltung unter Gauleiter Josef Bürckel begann im Rahmen der "Germanisierung" eine massenhafte Vertreibung von Juden, sogenannten "Inner-Franzosen" und "Asozialen". Bis Ende September 1940 waren bereits etwa 30 000 Elsässer und 24 000 Lothringer über die Demarkationslinie ins unbesetzte Gebiet abgeschoben worden.


[41] Vgl. den Lagebericht Oktober 1940 Teil I, B 1, 4. Die kommunistische Bewegung.


[42] Vgl. den Befehl des Militärbefehlshabers vom 7.11.1940 betr. Massnahmen zur Sicherung des Küstengebiets, BA-MA (Freiburg) RW 35/353. Demnach waren bis zum 20.11.1940 aus dem Küstengebiet


"a) sämtliche Personen, die im Sinne des besetzten Landes Ausländer sind und die Staatsangehörigkeit eines Feindstaatesbesitzen oder besessen haben, soweit sie nicht seit dem 1.1.1937 ohne längere Unterbrechung ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthaltsort im Küstengebiet gehabt haben" auszuweisen. Weiter hieß es in dem Erlaß: "In den französischen Departements fallen also Franzosen, auf den besetzten englischen Kanalinseln Engländer nicht unter diese Bestimmung. Im übrigen sind Belgier, Niederländer, Norweger und Polen als Angehörige von Feinstaaten anzusehen." Auszuweisen seien darüber hinaus


"b) alle Staatenlosen, die die Staatsangehörigkeit eines anderen Feindstaates als des Aufenthaltsortes besessen haben, sowie sie nicht seit dem 1.1.1937 ohne längere Unterbrechung ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthaltsort im Küstengebiet gehabt haben.


c) alle Personen, die seit dem 1.1.1933 aus Deutschland ausgewandert sind,.


d) alle Tschechen, die nach dem 1.1.1.1938 aus der ehemaligen Tschechoslowakei ausgewandert sind.


e) alle ehemaligenFremdenlegionäre,


f) alle Zigeuner."


Alle übrigen Ausländer waren karteimässig zu erfassen und nach Gemeinden oder Verwaltungsbezirken zusammenzufassen. Am 14. August 1941 ordnete der Militärbefehlshaber dann den Abschub aller unerwünschten Personengruppen an, wobei die Ausweisung angesichts der unkontrollierbaren Erfassung der ausländischen Arbeiter speziell bei der Organisation Todt größere Probleme bereitete, vgl. Hans Umbreit, Der Militärbefehlshaber in Frankreich, Boppard 1968, S. 59.


[43] Nach den Angriffen gegen die Häfen im Bereich des Kanals, in denen die deutsche Kriegsmarine im Sommer 1940 im Zuge der Vorbereitungen für die Landung in England größere Transportschiffkontingente zusammengezogen hatte, konzentrierten sich die britischen Luftangriffe nun zunehmend wieder gegen die Häfen am Atlantik, unter anderem Lorient, Saint-Nazaire und vor allem Brest, da diese Häfen den deutschen U-Booten und Überwasserstreitkräften als Operationsbasen für die sogenannte "Schlacht im Atlantik" dienten.


[44] Charles de Gaulle (1890-1970). General und Politiker. 1909-1912 Besuch der Kriegsschule St. Cyr. Im Ersten Weltkrieg in deutscher Gefangenschaft. 1919 Militärmission in Polen. 1921 Dozent für Militärgeschichte in St. Cyr. 1931 im Generalsekretariat für nationale Verteidigung. 1937 Oberst eines Panzerregiments. 1940 Brigadegeneral und Kommandeur einer Panzerdivision. Juni 1940 Unterstaatssekretär für nationale Verteidigung. Nach der Kapitulation Frankreichs Aufruf zur Fortsetzung des Kampfes aus dem Exil in London, daraufhin von der Vichy-Regierung in absentia zum Tode verurteilt. 1942 Gründung und Vorsitz des Komitees zur Nationalen Befreiung. Ab Juni 1943 Chef der französischen Exilregierung und Präsident des Nationalen Befreiungskomitees. Mai 1944 Chef der neugegründeten Provisorischen Regierung der Französischen Republik. 1945 Ministerpräsident und provisorisches Staatsoberhaupt. 1946 Rücktritt. 1947 Begründer des Rassemblement du Peuple Français (RPF). 1958 Regierungschef und erster Präsident der Fünften Republik. April 1969 Rücktritt nach gescheitertem Plebiszit über seine Politik.


[45] Um 19h15 endete das Programm der deutschen Sender. Zu den Versuchen, die britischen Sendungen zu Stören vgl. den Lagebericht Dezember 1940 / Januar 1941, II, 2.


[46] Departement Meurteh-et-Moselle.


[47] Geheime Feldpolizei.


[48] Wjatscheslaw M. Molotow, eigentlich W.M. Skrjabin (1890-1986). Seit 1906 Bolschewik. 1921-1957 Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU. 1930-1941 Vorsitzender des Rates der Volkskommissare, seit Mai 1939 Außenminister. Nach Stalins Tod 1953 Entmachtung und Verlust aller Ämter, 1962 Parteiausschluß. Wiederaufnahme zu seinem 94. Geburtstag.


[49] Am 12./13. November 1940 weilte der sowjetische Außenminister Molotow zu einem offiziellen Staatsbesuch in Berlin, um über den Beitritt der UdSSR zum Dreimächtepakt (Deutschland, Italien, Japan) und die Frage einer möglichen Aufteilung in Interessenssphären nach der Niederlage Englands und der Auflösung des britischen Empire zu sondieren. Zu den Inhalten seiner Gespräche mit Hitler und Außenminister von Ribbentrop vgl. die Aufzeichnungen des Gesandten Paul Schmidt (Büro RAM) bzw. des Botschaftsrats Gustav Hilger (1886-1965), abgedruckt in: ADAP, Serie D, Bd. XI.1, S. 448-478.


[50] Benito Mussolini (1883-1945). Politiker. 1901 Volksschullehrer. Bis 1914 sozialistischer Journalist. Gründung der eigenen Zeitung Popolo d'Italia, 1914 Ausschluß aus der Sozialistischen Partei. 1915/17 Kriegsteilnahme, nach Verwundung entlassen. 1919 Begründer der Sammlungsbewegung "Fasci di Combattimento". 1922 "Marsch auf Rom" und Ernennung zum Ministerpräsidenten. Errichtung einer Einparteiendiktatur. Seit 1925 "Capo del Governo". 1938 "Erster Marschall des Imperiums", Präsident des Faschistischen Großrates und Oberbefehlshaber der faschistischen Milizen. Nach Bündnissen mit Großindustrie, Kirche und Monarchie Einschränkung seiner absoluten Machtstellung. Juni 1940 Kriegseintritt an Seite Hitlers. Juli 1943 Entmachtung, Absetzung und Verhaftung durch König. September 1943 Befreiung durch deutsche Fallschirmjäger. Marionettenregierung der Faschistischen Republik in Salò. 1945 beim Fluchtversuch in die Schweiz von italienischen Partisanen gefangengenommen und erschossen.


[51] Treffen zwischen Hitler und Mussolini am 4. Oktober 1940 am Brenner zu Gesprächen über die deutsch-italienische Politik gegenüber Frankreich und Spanien bzw. am 28. Oktober 1940 in Florenz. Zu den Inhalten der Gespräche vgl. ADAP, Serie D, Bd. XI.1, S. 210-221: Aufzeichnung des Gesandten Schmidt (Büro RAM). Aufzeichnung über die Unterredung zwischen dem Führer und dem Duce in Anwesenheit des Reichsaußenministers und des Grafen Ciano auf dem Brenner am 4. Oktober 1940; ADAP, Serie D, Bd. XI.1, S. 348-357: Aufzeichnung des Gesandten Schmidt (Büro RAM). Aufzeichnung über die Unterredung zwischen dem Führer und dem Duce in Anwesenheit des Reichsaußenministers und des italienischen Außenministers in Florenz im Palazzo Vecchio am 28. Oktober 1940.


[52] Als Reaktion auf die militärischen Erfolge des Reiches, insbesondere aber auch die Nachricht, daß Deutschland eine Militärmission nach Bukarest entsandt hatte, um die rumänischen Erdölfelder zu sichern, unternahm Mussolini nach Nordafrika und Somaliland nun auch in Griechenland seinen eigenen "Sonderkrieg". Mit dem Angriff auf dem Balkan hoffte er, seine Stellung im östlichen Mittelmeer ("Mare Nostrum") ausbauen und nicht zuletzt auch den britischen Einfluß zurückdrängen zu können. Nachdem die griechische Regierung alle italienischen Provokationen zurückgewiesen hatte, rückten am 28. Oktober 1940 sieben italienische Divisionen von dem seit 1939 besetzten Albanien aus in Griechenland ein, stießen dort aber schon bald auf entschlossenen griechischen Widerstand. Nach ihrem Sieg in der Schlacht im Pindus-Gebirge (Epirus), Anfang November, gelang es den Griechen, bis zum Einbruch des Winters im Gegenzug Teile Albaniens zu besetzen. Das Ansehen des "Duce" nahm durch diesen Fehlschlag erheblichen Schaden.


[53] Im Anschluß an sein Treffen mit Hitler in Montoire hatte Pétain in einer Rundfunkansprache, die am 30. Oktober 1940 ausgestrahlt wurde erklärt: "C'est dans l'honneur et pour maintenir l'unité française - une unité de dix siècles - dans le cadre d'une activité constructive du nouvel ordre européen, que j'entre aujourd'hui dans la voie de la collaboration.", Philippe Pétain, Discours aux Français, Paris1989, S. 95.


[54] Vgl. Verordnungsblatt für die besetzten französischen Gebiete Nr. 9 vom 30. September 1940, S. 92-93: Verordnung über Maßnahmen gegen Juden. Vom 27. September 1940.


[55] Verordnungsblatt für die besetzten französischen Gebiete Nr. 9 vom 30. September 1940, S. 92-93: Verordnung über Maßnahmen gegen Juden. Vom 27. September 1940.


[56] Militärverwaltungsbezirk Südwestfrankreich.


[57] Henri-Marie-Alfred Baudrillart (1859-1942). Kardinal. 1878 Schüler der École Normale Supérieure. Lehrer am Gymnasium von Laval und Caen, am Collège Stanislas und am Institut Catholique. Aggrégation in Geschichte, Promotion in Theologie. 1890 Eintritt in Orden und ins Oratorium. 1893 Priesterweihe. 1921 Titularbischof von Himeria (Sizilien), Erzbischof von Laodikeia (Kleinasien) und Mytilene (Lesbos). Januar 1907 Rektor des Institut Catholique in Paris. Seit November 1935 Kardinal. Herausgeber des Bulletin critique, der Revue française d'apologétique und des Dictionnaire d'histoire et de géographie ecclésiastiques. Verfasser von zahlreichen historischen und kirchengeschichtlichen Werken.


[58] Kardinal Baudrillart war ein Anhänger der militärischen Kollaboration mit Deutschland, in der er eine Art erneuerten Bund des christlichen Mittelalters erkannte. In diesem Sinne betrachtete er den Ostfeldzug als Kreuzzug, die LVF war für ihn ein neues Rittertum. Als er 1942 starb, vertrauter er der Pariser Propaganda sein politisches Testament an, das mit einem Vorwort von Abel Bonnard (1883-1968) verteilt wurde.


[59] Georges Scapini (1893-1976). Im Ersten Weltkrieg schwer verwundet, kriegserblindet. Vorsitzender des Comité France-Allemagne. Republikaner.1928-1942 Abgeordneter der Seine. 1940 Gesandter, Botschafter, Vertreter für Kriegsgefangenenfragen in der französischen Delegation bei der deutschen Waffenstillstandskommission in Wiesbaden, unterbreitete bereits im Herbst 1940 den Vorschlag zum Austausch von Kriegsgefangenen gegen französische Zivilarbeiter. 1945 Verhaftung. 1946 Flucht in die Schweiz. 1949 Verurteilung in Abwesenheit. 1952 Freispruch durch das Militärtribunal.


[60] Bereits im Juli 1940 war der rechtsextreme Abgeordnete Georges Scapini von Pétain beauftragt worden, mit der deutschen Besatzungsmacht über die Kriegsgefangenenfrage in Verhandlung zu treten, obwohl der Schutz der Kriegsgefangenen seit September 1939 eigentlich einer neutralen Macht, hier den Vereinigten Staaten oblag. Nach Abschluß eines deutsch-französischen Abkommens am 16. November 1940 in Berlin übernahm das Vichy-Regime selbst die Verantwortung für die sich in deutscher Kriegsgefangenschaft befindenden Franzosen. Als Dienststelle wurde der "Service dipolomatique des Prisonniers de guerre" gegründet. Er hatte seinen Sitz in Paris und unterhielt eine Zweigstelle in Berlin. Im Rang eines Botschafters vertrat Scapini die Auffassung einer notwendigen deutsch-französischen Zusammenarbeit und stellte die Kriegsgefangenenfrage in Verhandlungen immer wieder in den Kontext der politischen Kollaboration, vgl. Yves Durand, La Captivité. Histoire des prisonniers de guerre français 1939-1945, Paris 1980, S. 315ff.


[61] Verordnungsblatt für die besetzten französischen Gebiete Nr. 11 vom 17. Oktober 1940, S. 108: Verordnung zum Schutze gegen Sabotageakte. Vom 10. Oktober 1940.


[62] Nach § 1 der Verordnung zum Schutz gegen Sabotageakte vom 10. Oktober 1940 wurde zum Tode bestraft, wer vorsätzlich die ihm übertragenen Bewachungsaufgaben nicht oder nur ungenügend erfüllte.


[63] Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 17 vom 24. November 1940, S. 143: Verordnung über Meldepflichten und Aufenthaltsbeschränkungen. Vom 9. November 1940. Bei Zuwiderhandlung gegen Anordnungen über Meldepflichten oder -beschränkungen drohte Zuchthaus bzw. Gefängnis, sofern nicht eine höhere Strafe vorgesehen war.


[64] Seit Beginn der Besatzung hatte sich in Studenten- und Schülerkreisen Widerstand geregt. Im Herbst 1940 war es wiederholt im Quartier Latin zu Unruhen gekommen, insbesondere nach der Verhaftung des renommierten Atomphysikers und Professors am Collège de France, Paul Langevin (1872-1946). Am Morgen des 11. November 1940, Jahrestag des Waffenstillstandes von 1918, legten Studenten und Schüler an der Statue von Ministerpräsident Georges Clemenceau (1841-1929) einen Kranz mit der Visitenkarte General de Gaulles nieder. Am Nachmittag defilierten sie auf den Champs-Elysées in Richtung Grabmal des Unbekannten Soldaten am Triumphbogen und skandierten dabei "Vive la France!", "Vive de Gaulle!" und "À bas Hitler!". Die Demonstranten wurden zunächst von französischen Polizisten bedrängt, dann von deutscher Polizei beschossen. Entgegen der Darstellung von Radio London gab es keine Toten. Die Angaben über die Verhaftungen schwankten zwischen 105 und 150.


[65] Departement Côte-d'Or. Als äußerer Anlaß diente auch hier, wie bei den Vorfällen in Paris, die Feiern aus Anlaß des Jahrestages des Waffenstillstandes von 1918.


[66] Transportoffizier.


[67] Bevollmächtigter Transportoffizier.


[68] Elmar Michel (1897-). Promovierter Jurist. Ministerialdirektor und Leiter der dem Reichswirtschaftsministerium unterstellten Sonderabteilung S. Experte für Rohstoffbewirtschaftung. Seit Juli 1940 Leiter der Abteilung Wirtschaft im Verwaltungsstab. Ab Mai 1941 deutscher Devisenkommissar. August 1942 Chef des Verwaltungsstabs. Ab April 1943 deutscher Außenhandelskommissar. April 1943 bis September 1944 Chef der Militärverwaltung. Bis Frühjahr 1945 Leitung eines Abwicklungsstabes in Potsdam. Nach 1945 Prozeß vom französischen Militärgericht, der mit Freispruch endete. Ministerialdirektor im Bundeswirtschaftsministerium (Leiter der Abteilung III: Wirtschaftsförderung, Handel, Gewerbe, Technik), Präsident des Kuratoriums der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Aufsichtsratmitglied der Ufa und der Triumph-Werke in Nürnberg. 1956 Vorstandsvorsitzender von Salamander. Mitglied des Landesausschusses Baden-Württemberg der Rhein-Main-Bank.


[69] Departement Manche.


[70] Departement Seine-Maritime.


[71] Departement Seine-et-Marne.


[72] Departement Aisne bzw. Marne.


[73] Offener Wagen.


[74] Elmar Michel.


[75] Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch.


[76] Mit Erlass vom 29..11.1940 (OKW/W.F.St./Abt.L(Ivd) Nr. 0806/40 geh.) hatte das Oberkommando der Wehrmacht bestimmt (zum Text s. BA-MA[Freiburg] RW 35/568, fol.6-11):


Betr.: Beute und Beschlagnahme im besetzten Frankreich - mit Ausnahme von Elsass und Lothringen -


Mit Einverständnis des Reichsmarschalls des Grossdeutschen Reiches, Beauftragen für den Vierjahresplan wird angeordnet:


Nach dem Waffenstillstandsvertrag kann Deutschland im besetzten Frankreich auch weiterhin von Rechts wegen nach dem... Erlass des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht Nr. 9517/39 Ausl. VI vom 9.11.1939 verfahren. Ein Ausschöpfen des Beuterechts würde jedoch Frankreich aller Mittel berauben, die zur ordnungsmässigen Verwaltung erforderlich sind, insbesondere die Zahlung der geforderten Besatzungskosten unmöglich machen.


1.) Infolgedessen dürfen bis auf weitere im besetzten Frankreich unentgeltlich - als Beute - nur bewegliche Güter, die z.[ur]Z[ei]t. der Beschlagnahme im Besitz oder Eigentum der feindlichen Wehrmacht sind, in den Besitz des Deutsches Reiches übernommen (beschlagnahmt) werden.


Dies gilt insbesondere für:


a) Alles Kriegsgerät: Waffen, Munition, Geräte, Nachrichten- und Beförderungsmittel, Fahrzeuge, und Betriebsstoffe der feindlichen Wehrmacht.


b) Verpflegungsbestände, Ausrüstung, Bekleidung der feindlichen Wehrmacht.


c) Rohstoffe, Halb- und Fertigfabrikate und Produktionsmittel (Maschinen), soweit sie zu Einrichtungen der feindlichen Wehrmacht gehören, d.[as]]h.[eißt] z.B. in Kasernen, auf Truppenübungsplätzen, in Arsenalen, auf Kriegsmarinewerften usw. sich befinden.


d) Vertretbare Güter: Bargeld, Wertpapiere, fällige Forderungen, Konstruktionspläne, Patente der feindlichen Wehrmacht.


2.) Nicht unter Ziffer 1 fallendes Staatsvermögen kann, sofern es geeignet ist, den Kriegsunternehmungen zu dienen, beschlagnahmt werden, inwieweit eine Entschädigung zu zahlen ist, bestimmt der Militärbefehlshaber in Frankreich sowie der Militärbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich für die Departements Nord und Pas de Calais.


3.) Privateigentum, das geeignet ist, den Kriegsunternehmungen zu dienen, kann nur gegen Entschädigung zugunsten des Deutschen Reiches beschlagnahmt werden.


4.) Natural- und Dienstleistungen können von Gemeinden und Einwohnern verlangt werden, sofern es die Bedürfnisse der eigenen Wehrmacht erfordern (z.B. Beutematerial, Arbeitsleistung, Verpflegung). Grundsätzlich ist für diese Leistungen bar zu bezahlen, mit Ausnahme der Quartierleistungen, für die Bescheinigungen auszustellen sind, deren Einlösung durch die französische Regierung zu erfolgen hat.


5.) Die Rechte aus den Ziffern 1-4 dürfen nur die folgenden Dienststellen ausüben:


a) Behörden und Dienststellen des Militärbefehlshabersin Frankreich und des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] in Belgien und Nordfrankreich (insbesondere Bezirksverwaltungschef, Oberfeldkommandantur, Feldkommandantur, Kreiskommandantur) einschliesslich der bei diesen Dienststellen eingesetzten Rüstungsdienststellen und Wirtschaftstrupps sowie die Oberfeldzeug- und Luftzeugstäbe, in jedem Falle mit der Massgabe, dass vorher der Kreiskommandant in Kenntnis zu setzten ist. Die zuständigen Marinedienststellen wenden sich an den zuständigen Kreiskommandanten.


b) Von der Truppe die Kommandeure vom Bataillons- usw.Kommandeur aufwärts, von der Organisation Todt die Oberbauleiter und Leiter der besonderen Einsatzgruppeneinschl.[ießlich], jedoch beschränkt auf Fälle, in denen zur Beseitigung dringender Notstände (z.B. feindliche Landungsversuche, Aufstände) ein unmittelbares Eingreifen der Truppe erforderlich ist. Auch in den Fällen zu b) ist der Kreiskommandant, und zwar soweit möglich vorher, in Kenntnis zu setzen.


6.) Unberührt hiervon bleibt der Ankauf von Gegenständen im Rahmen der bestehenden Anordnungen für sämtliche militärische Dienststellen.


7.) Die Inanspruchnahme von Quartierleistungen regelt sich nach nach [sic!] den von den zuständigen Stellen erlassenen besonderen Bestimmungen.


8.) Die Ziffern 1-7 gelten nicht für die Beschlagnahme von Schiffen. Hierüber folgen besondere Bestimmungen.


9.) Unberührt hiervon bleibt ferner das Prisenreht.


10.) Diese Regelung tritt mit dem 15. Dezember 1940 in Kraft.


Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht


gez. Keitel.


Wilhelm Keitel (1882-1946). Generalfeldmarschall. 1902 Leutnant. 1914/18 Kriegsteilnahme. 1919 Übernahme in die Reichswehr. 1929-1934 Leiter der Heeresorganisationsabteilung im Reichswehrministerium. 1935-1938 Chef des Wehrmachtsamtes im Reichskriegsministerium. Seit Februar 1938 Chef des neugebildeten Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und enger militärischer Berater Hitlers. Im Mai 1945 verhaftet und als einer der Hautpangeklagten vom Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg zum Tode verurteilt und gehenkt.


[77] Aus Portugal bezog das Deutsche Reich vor allem Fischkonserven. Am 15. Mai 1941 wurde ein Geheimabkommen zwischen beiden Ländern geschlossen, das im Gegenzug für Sardinen die Lieferung von deutschen Kriegsmaterial an Portugal vorsah, s. Anónio Louçã, Nazigold für Portugal. Hitler & Salazar, Wien 2002, S. 63.


[78] Militärverwaltungsbezirk Nordostfrankreich.


[79] Vgl. den Lagebericht September 1940, B 10b bzw. C VI.


[80] Vgl. Bulletin municipal officiel de la Ville de Paris vom 11. November 1940: Arrêté préfectoral (Préfet de Police) du 9 novembre 1940 sur la circulation.


[81] Departement Aisne.


[82] In Hendaye an der französisch-spanischen Grenze fand am 23. Oktober 1940 ein Treffen zwischen Hitler und Franco statt, bei dem über den Kriegseintritt Spaniens und den geplanten Angriff auf Gibraltar verhandelt wurde. Die Gespräche führten jedoch zu keinem konkreten Ergebnis. Zum Protokoll vgl. ADAP, Serie D, Bd. XI.1, S. 315-319: Undatierte Aufzeichnung ohne Unterschrift. Aufzeichnung über die Unterredung zwischen dem Führer und dem Caudillo auf dem Bahnhof Hendaye im Salonwagen des Führers am 23. Oktober 1940.


[83] Vor allem Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop, der Hitler während dessen Reise nach Frankreich und Spanien mit seinem eigenen Sonderzug begleitet hatte.


[84] Wehrmacht-Verkehrs-Direktion.


[85] Eisenbahntransportabteilung.


[86] Departement Somme.


[87] Departement Seine-et-Oise.


[88] Departement Ille-et-Vilaine.


[89] Departement Seine-Maritime.


[90] Departement Finistère.


[91] Departement Seine-et.Oise.


[92] Departement Seine-et-Oise.


[93] Richtig : Saint-Pierre-des-Corps, Departement Indre-et-Loire.


[94] Richtig : Saint-Assise, im Süden von Paris.


[95] Departement Seine-et-Oise.


[96] Departement Cher.


[97] Departement Seine-et-Oise.


[98] Departement Seine-et-Oise.


[99] Departement Nièvre.


[100] Mit der Brieftauben-Verordnung vom 20. September 1940 hatte der Oberbefehlshaber des Heeres ohnehin das Halten von Brieftauben in Belgien und im besetzten Gebiet Frankreichs verboten. Vgl. Verordnungsblatt für die besetzten französischen Gebiete Nr. 11 vom 17. Oktober 1940, S. 104-106. Eine Bekanntmachung des Militärbefehlshabers in Frankreich vom 5. November 1940 setzte die Brieftaubenverordnung ab 18. Oktober 1940 in Kraft. Vgl. Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 15 vom 14. November 1940, S. 125.


[101] Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 15 vom 14. November 1940, S. 125: Verordnung über den Postverkehr zwischen dem besetzten Gebiet Frankreichs und dem Ausland. Vom 8. November 1940.


[102] Reichsgesetzblatt, Teil I, Nr. 95 vom 1. Juni 1940, S. 823-825: Verordnung über den Nachrichtenverkehr, 2. April 1940; Erste Durchführungsverordnung zur Verordnung über den Nachrichtenverkehr, 13. Mai 1940.


[103] Neben einem Paket über 5 Kg durften die französischen Kriegsgefangenen noch zwei weitere Pakte von maximal je einem Kg pro Monat erhalten, vgl. Yves Durand, La captivité. Histoire des prisonniers de guerre français 1939-1945, Paris 1980, S. 206.


[104] Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 17 vom 24. November 1940, S. 144-146: Verordnung über die Meldung englischer Staatsangehöriger auf den englischen Kanalinseln. Vom 12. November 1940.


[105] Weitere Lager befanden sich später in Drancy und Besançon.


[106] Zur Kontrolle des Unterrichts gründete die französische Regierung eine Untersuchungskommission, die den Inhalt von Schulbüchern überprüfte. Die Herausgeber von Schulbüchern waren gehalten, bei Neuerscheinungen innerhalb eines Monats dem Ministerium für Unterricht ein Exemplar vorzulegen. In jedem Département stand es dem Inspektor der Akademie offen, den Gebrauch von bestimmten Schulbüchern zu untersagen. Vgl. Journal Officiel vom 1. Januar 1941, S. 13: Décret du 13 décembre 1940 relatif aux livres scolaires en usage dans l'enseignement, le 13 décembre 1940.


[107] Vgl. Lagenbericht vom Oktober 1940, B 4.


[108] Die Ausstellung Monet-Rodin, die aus Anlaß des einhundertsten Geburtstags der beiden Maler organisiert und bei der unter anderem Werke von Monet aus den Museen in Bremen und Berlin gezeigt wurden, fand im Dezember 1940 in der Orangerie des Louvre zugunsten der Hilfsorganisation für Künstler (Entraide des Artistes) statt.


[109] Einsatzstab.


[110] Der Rückzug des MBF aus der "Auswertung" des beschlagnahmten Archivbestandes des Quai d'Orsay resultierte aus dem Konflikt, der zwischen der Gruppe Archivschutz und dem Sonderkommando der sogenannten "Aktion Q" unter Leitung von Dr. Jagow entstanden war. Als Mitarbeiter der Gruppe Archivschutz zog sich Dr. Georg Winter zurück, um sich der Verantwortung für den von Jagow geplanten Abtransport von Archivmaterial nach Berlin zu entziehen. Nachträglich billigten seine Vorgesetzten seine Entscheidung. Zu den Hintergründen vgl. BA-MA (Freiburg) RW 35/482.


[111] Vgl. Lagebericht Oktober 1940, B 5.


[112] Frankreich hatte sich dazu verpflichtet, dem Deutschen Reich täglich 400 Millionen FF Besatzungskosten zu zahlen, die zu einem, Deutschland begünstigenden Wechselkurs, im Verhältnis von 1 : 20 umgerechnet wurden. Grundlage für diese Vereinbarung war § 18 des Waffenstillstandsvertrages vom 22. Juni 1940, der bestimmt hatte: "Die Kosten für den Unterhalt der deutschen Besatzungstruppen auf französischem Boden trägt die französische Regierung.", Böhme, Entstehung und Grundlagen des Waffenstillstandes von 1940, Anlage 2, hier S. 367.


[113] Gemeint ist die deutsch-französische Verrechnungsregelung vom 14.11.1940, vgl. DFCAA, vol. II, S. 350 und 369. Siehe auch den Briefwechsel zwischen Yves Bréart de Boisanger und Hans Richard Hemmen, abgedruckt in: DFCAA, vol. II, S. 433-442.


[114] Durch den Verlauf der Demarkationslinie, die nordwestlich von Genf einem weiten Bogen zunächst nach Süden und dann wieder nach Osten bis zur Schweizer Grenze beschrieb, war dieses Gebiet auf drei Seiten eingeschlossen und ähnelte einer Enklave.


[115] Vgl. den Lagebericht August 1940, B II, 3e.


[116] Oberkommando des Heeres.


[117] Henri Raphaël Alibert.


[118] Anlage 2. Hier nicht aufgenommen.


[119] Dr. Fritz. Oberkriegsverwaltungsrat. Nähere biographische Angaben nicht ermittelt.


[120] Abteilung Wi I: Allgemeine Angelegenheiten der Wirtschaftsabteilung.


[121] Nähere Einzelheiten nicht ermittelt.


[122] Dr. Wilhelm Weniger. Nähere biographische Angaben nicht ermittelt.


[123] Vgl. unten Anlage 3.


[124] Vorlage Unleserlich.


[125] Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft.


[126] Im Anschluß an den Abschluß des Nichtangriffspaktes hatte sich Deutschland als Gegenleistung für Mineralöl und Rohstoffimporte aus der UdSSR zur Lieferung von Maschinen und Fertigprodukten verpflichtet.


[127] Departement Loire-Inférieure.


[128] Anlage 4. Hier nicht aufgenommen.


[129] Nach dem offiziellen Auslaufen im Februar 1933 des Handelsvertrages aus dem Jahre 1926 bestand de facto zwischen Deutschland und Schweden Meistbegünstigung. Beide Länder hatten am 28. August 1934 ein Abkommen mit Protokoll über die Zahlungen im beiderseitigen Warenverkehr unterzeichnet, das am 28. Dezember 1934 noch um ein deutsch-schwedisches Verrechnungsabkommen erweitert worden war, vgl. dazu die Aufzeichnung des Legationsrates van Scherpenberg vom 20.5.1937 in: ADAP C/VI, Dok. 376 S. 814f. bzw. ebenda S. 262 Anm. 1.


[130] Zur vorläufigen Regelung bis zur Einführung einer Kleiderkarte vgl. Journal Officiel vom 13. Februar 1941, S. 714 f.: Loi du 11 février portant réglementation provisoire de la vente des vêtements et articles textiles. Die Einführung der Kleiderkarte war von deutscher Seite bei der ersten Besprechung zwischen Vertretern der französischen und deutschen Textilindustrie am 12. August 1940 in Paris im Haus der Union Textile gefordert worden, vgl. Hans Kehrl, Krisenmanager im Dritten Reich. 6 Jahre Frieden - 6 Jahre Krieg. Erinnerungen. Mit kritischen Anmerkungen und einem Nachwort von Erwin Viefhaus, Düsseldorf, 1973, hier S. 197-199.


[131] Vgl. Journal Officiel vom 28. Januar 1940, S. 774: Avenant du 8 janvier 1940 à l'accord de payement franco-turc du 23 août 1939.


[132] Ostdeutsche Landbeschäftigungs GmbH.


[133] Festmeter.


[134] Vgl. DFCAA, vol. II, S. 350 und 369. Siehe auch den Briefwechsel zwischen Yves Bréart de Boisanger und Hans Richard Hemmen, abgedruckt in: DFCAA, vol. II, S. 433-442.


[135] Am 23. Oktober 1940 wurde in Wirtschaftsverhandlungen zwischen der Schweiz und Frankreich ein modus vivendi für den Außenhandel vereinbart, der u.a. einen Verrechnungskurs von 1:10 festlegte. Zu den weiteren Ergebnissen vgl. Recueil officiel des lois et ordonnances de la Confédération suisse, 1940, vol. 56/II, S. 1837-1840.


[136] Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 16 vom 22. November 1940, S. 130-141: Zweite Verordnung zur Durchführung und Ergänzung der Feindvermögensverordnung. Vom 18. November 1940.


[137] Zur Regulierung des Arbeitsmarktes richtete die Vichy-Regierung am 11. Oktober 1940 das "Kommissariat zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" (Commissariat à la lutte contre le chômage) ein, dessen Aufgabe in der gruppenweise Zusammenfassung von Arbeitslosen zur Ausführung öffentlicher Arbeiten im Auftrage der Ministerien und Staatssekretariate bestand. Das Kommissariat war unter der Leitung des Industriellen François Lehideux zwar dem Arbeitsministerium unterstellt, hatte aber weitgehend autonome Kompetenzen. Vgl. Journal Officiel vom 29. Oktober 1940, S. 5461-5462: Loi du 11 octobre 1940 relative à l'utilisation des travailleurs sans emploi, le 11 octobre 1940.


[138] Der Abtransport der französischen Kriegsgefangenen nach Deutschland war zu diesem Zeitpunkt weitgehend abgeschlossen.


[139] Der Rentenmarkt war am 14. Oktober 1940 mit Genehmigung der Militärverwaltung wieder eröffnet worden.


[140] Vgl. Journal Officiel vom 3. September 1940 S. 4481: Loi du 13 août 1940 relative au maintien des prix.


[141] Yves Bouthillier.


[142] Vorbereitung einer Invasion in England, von Hitler am 16. Juli 1940 befohlen, im September 1940 jedoch wegen der verlorenen Luftschlacht um England auf unbestimmte Zeit verschoben.


[143] Ortskommandanturen 1. Klasse.


[144] Nordwestfrankreich.


[145] Südwestfrankreich.


[146] Nordostfrankreich.


[147] Richtig: FK 584 Saint-Maurice für Paris-Ost. FK 757 Neuilly für Paris-West.


[148] Befehlshaber des Ersatzheeres, Friedrich Fromm.


[149] Oberkommando des Heeres, Generalstab des Heeres.


[150] Nähere Einzelheiten nicht ermittelt.


[151] Armeeoberkommando.


[152] Eduard Wagner.


[153] Erwin Jaenecke.


[154] Stammlager.


[155] Anlage 1, hier nicht aufgenommen.


[156] Auf der Anlage handschriftlich geändert in: Anlage 6. Tabelle hier nicht aufgenommen.


[157] Verordnungsblatt für die besetzten französischen Gebiete Nr. 11 vom 17. Oktober 1940, S. 107: Verordnung gegen das unbefugte Überschreiten der Demarkationslinie. Vom 4. Oktober 1940.


[158] Es handelt sich unter Umständen um E. Girardon, Verfasser der Schrift "Organisation du matériel d'artillerie, Paris/Nancy 1896". E. Girardon war Hauptmann der Artillerie, Professor an der École militaire, Ritter der Ehrenlegion sowie Offizier der Akademie.


[159] Eugen Fürst zu Öttingen-Wallerstein (1885-1969). Studium der Rechtswissenschaften. 1909 bis 1918 im diplomatischen Dienst, unterbrochen durch den Kriegsdienst 1914/15. 1923 bis 1930 Chef der Hof- und Vermögensverwaltung des Kronprinzen Rupprecht. 1940 bis 1942 Inselkommandant von Guernsey. 1942 nach Verwundung in Rußland aus dem Heeresdienst entlassen. Nach 1945 Vorsitzender des Verbandes der bayerischen Grundbesitzer und der Vereinigung des Adels in Bayern. Aufsichtsratmitglied der Bayerischen Vereinsbank und der Bayerischen Landwirtschaftsbank.


[160] Das Kriegsgefangenen-Bezirks-Kommando XII wurde im Juli/August 1940 durch den Wehrkreis VI (Münster) gebildet und im Raum Bordeaux eingesetzt. Im Dezember 1940 wurde der Gefangenenbezirk XII in Kriegsgefangenen-Bezirks-Kommandant M umbenannt.


[161] Durchgangslager.


[162] Auf der Anlage handschriftlich geändert in: Anlage 7. Darstellung hier nicht aufgenommen.


[163] Dienstuntauglich.


[164] Departement Rhône.


[165] Departement Saône-et-Loire.


[166] Departement Seine-Inférieure.


[167] Departement Haute-Marne.


[168] Departement Côte-d'Or.


[169] Heeresunterkunftsverwaltungen.


[170] Armeeverpflegungslager.


[171] Grüne Zone.


[172] Departement Meurthe-et-Moselle.


[173] Departement Côte-d'Or.


[174] Departement Jura.


[175] Departement Cher.


[176] Departement Loir-et-Cher.


[177] Für die vorangegangenen Monate konnte lediglich für den August 1940 ein der Bericht des Kommandostabes ermittelt werden.


[178] Walther von Brauchitsch.