AN, AJ 40/444



Der Militärbefehlshaber in Frankreich[1]


Abt. MVZ[2] - Gruppe 3 - Br.[ief]B.[uch] Nr. 480/43 g(eheim)


Paris, den 6. November 1943[3]



[Stempel: Geheim!]




Betrifft:


Lagebericht über Verwaltung u. Wirtschaft



Juli/September 1943



mit Beitrag des Wehrwirtschaftsstabes West


Anlagen:


1 Heft Lagebericht



1 Heft Anlagen



Geheim!



Beiliegend wird der Lagebericht über Verwaltung und Wirtschaft Juli/September 1943 mit Beitrag des Wehrwirtschaftsstabes West vorgelegt.



Der Militärbefehlshaber[4]




Verteiler[5]:




OKH[6]


Gen Qu[7]


2


Stück


OKW[8]






W F St/Qu[9]


1


"



Wi Amt[10]


1


"


OKH






Adj. Chef Gen St d H[11]


1


"



G Z[12]


1


"



Op. Abt.[13]


1


"



Org. Abt.[14]


1


"



O Qu IV


1


"



VA[15]


2


"



Abt. Fremde Heere West


1


"



Heerwesen-Abt.


1


"



Chef Transportwesen


1


"



Chef H N W[16]


1


"



Chef H Rüst und BdE[17]


4


"



Personalamt


1


"



Chef der Heeresarchive[18]


1


"


OKW






Gen. d. Heeres b. OKW


1


"



A Ausl. Abw.[19]


1


"



Abt. Kgf.[20]


1


"


Mil.Bef. in Frkr.






Gen St einschl. Prop.-Abt. Frkr.[21]


5


"



Mil.Verw.[22]


14


"



Befh. i. Bez. Nordwestfrkr.[23]


2


"



Befh. i. Bez. Südwestfrkr.[24]


2


"



Befh. i. Bez. Nordostfrkr. [25]


2


"



Kdt. V. Gross-Paris[26]


2


"



FKn[27]


43


"


Höh. SS- u. Polizeiführer i. Ber. d. Mil.Bef. i. Frkr.[28]


1


"



Wehrwi St West[29]


1


"



Rü Be Stab Frkr.[30]


1


"



Hö Na Fü Frkr.[31]


1


"



O Qu West[32]


1


"



HVD, Paris[33]


1


"







Nachrichtlich:





OB West[34]


4


"



Wako[35]


1


"



Kom. Adm. Frkr.[36]


1


"



Luftflotte 3


1


"



Luftgaukdo Westfrkr.[37]


1


"



Mil.Bef. i. Belg. u. Nordfrkr.[38]


2[39]


"



General der Luftwaffe, Paris[40]


1


"



Staatssekretär Dr. Stuckardt[41], Berlin, Reichsminist. d. Innern


2


"



Reichsleiter Bormann[42] z.Hd. d. Staatssekretärs Klopfer[43], München, Arcisstr. 11


1


"



Vorrat



2


"





Der Militärbefehlshaber


in Frankreich


Abt. MVZ


zu Br.B. Nr. 480/43 geh.(eim)[44]



[Stempel: Geheim!]




Lagebericht über Verwaltung u. Wirtschaft
Juli/September 1943
mit


Beitrag des Wehrwirtschaftsstabes West






Inhaltsverzeichnis




I. Die französische Verwaltung



Allgemeine Lage



1. Innere Verwaltung



2. Schule und Kultur



3. Verkehrswesen



4. Strassen- und Brückenbau



5. Postwesen



6. Justizwesen



II. Die französische Wirtschaft



Einleitender Überblick



1. Verschiedene Wirtschaftsgebiete



2. Die Entwicklung in den einzelnen Zweigen der gewerblichen Wirtschaft



3. Ernährung und Landwirtschaft



4. Forst- und Holzwirtschaft



5. Auswärtiger Waren- und Zahlungsverkehr



6. Bank-, Börsen- und Versicherungswesen



7. Preisregelung



8. Arbeitseinsatz und Sozialwesen



9. Finanzwesen



III. Wehr- und Rüstungswirtschaft





I. Die französische Verwaltung



Allgemeine Lage


Gegenüber mancherseits verbreiteten Behauptungen kann festgestellt werden, dass die allgemeine frz. Verwaltung, im ganzen gesehen, noch funktioniert und die deutschen Befehle - wenn auch oft zögernd und unter mehr oder minder starkem Druck - ausführt. Dies muss umso höher gewertet werden, als die Verwaltung sich hierbei nicht auf die Autorität einer im Volke verankerten Regierung stützen kann. Ausserdem sieht sich die Beamtenschaft bei Durchführung deutscher Weisungen oder von Massnahmen, denen ein deutsches Interesse zugesprochen wird, einer geschlossenen Front der Bevölkerung gegenüber; sie wird von terroristischer Seite mit Drohungen überhäuft und kann an einer zunehmenden Zahl von Fällen feststellen, dass diese Drohungen auch wahr gemacht werden. So kommt es, dass besonders in der mittleren und unteren Beamtenschaft Widerstände zu spüren sind, deren auch gut gesinnte leitende Beamte nicht immer Herr zu werden vermögen. Erheblich belastend wirkt hierbei auch die Tatsache, dass sich der Schwerpunkt der Widerstandsbewegung immer mehr aus den kommunistischen Kreisen in die des nationalen Chauvinismus und damit häufig in den Verwandten- und Bekanntenkreis der Beamtenschaft verlagert hat. Zum Teil sind hierauf Klagen über ein Versagen der frz. Exekutive gegenüber den Terroristenbanden zurückzuführen, während französischerseits eingewendet wird, dass eine energische Bekämpfung durch die Beschränkungen in der Bewaffnung von Polizei und Gendarmerie verhindert werde.


Wenn sonach der gegenwärtige Zustand noch als einigermassen befriedigend bezeichnet werden kann, darf nicht damit gerechnet werden, dass auch im Falle eines feindlichen Grossunternehmens gegen den Kontinent die frz. Verwaltung stark genug ist, sich gegen die dann entstehende Lage durchzusetzen. Die Dienststellen der Militärverwaltung treffen alle Vorbereitungen, um für einen solchen Fall eine Notverwaltung durch zuverlässige Persönlichkeiten einzurichten und notfalls die wichtigsten Zweige der Verwaltung in eigene Hand zu nehmen. Dass dies mit den vorhandenen Kräften nur in beschränktestem Umfange möglich ist, bedarf keiner Begründung.




1. Innere Verwaltung


Eine Reihe von Umbesetzungen, die auf deutsche Veranlassung in den Reihen der Regionalpräfekten und Präfekten erfolgt sind, hat sich günstig ausgewirkt. Weitere werden notwendig werden, um unerfreuliche Verhältnisse in manchen Departements zu bereinigen[45].


In der frz. Verwaltung ist insofern eine Vereinheitlichung eingetreten, als nunmehr fast alle Regionalpräfekten die Verwaltung ihres Departements den Delegierten Präfekten in eigener Verantwortung übertragen haben, während früher die Zuständigkeiten der Delegierten Präfekten, die der Regionalpräfekt bestimmt, fast in jedem Departement verschieden waren.


Die auf dem Gebiete der allgemeinen und inneren Verwaltung an die Dienststellen der Mil.[itär]Verw.[altung] herantretenden Aufgaben nehmen an Umfang und Schwierigkeit ständig zu. Die frz. Verwaltung muss in weit verstärktem Masse überwacht werden, wobei der Personalaufsicht besondere Bedeutung zukommt. Die Autorität der Besatzungsmacht zu wahren und trotzdem den offenen Konflikt mit der Folge des passiven Widerstandes zu vermeiden, stellt - besonders auch die Aussenstellen - vor eine ungewöhnlich schwere und verantwortungsvolle Aufgabe.




2. Schule und Kultur


Schulwesen


Bis Mitte September sind r[un]d 4200 Studenten nach Deutschland umgesetzt worden, welche Zahl weit hinter dem Voranschlag zurückgeblieben ist[46]. Es wird z.[ur]Z[ei]t. über Gegenmassnahmen beraten. Da an der zukünftigen Gestaltung des Deutschunterrichts an den frz. Schulen ein dringendes deutsches Interesse besteht, hat das Reichserziehungsministerium im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt auf hiesige Veranlassung für 20 arbeitspflichtige Germanisten, die ihr Studium an den frz. Hochschulen beendet haben, Arbeitsplätze an 10 deutschen Universitäten zur Verfügung gestellt[47].


Um die Konzentration der Schuljugend in den luftgefährdeten Gebieten zu vermeiden und geeignete Luftschutzmassnahmen vorzubereiten, hat das frz. Unterrichtsministerium die bereits seit Ende Juni dauernden Ferien bis zum 18.10. verlängert. Zur Überbrückung dieser Zeit richtet das Ministerium einen Fernunterricht durch Rundfunkein, für den durch hiesige Vermittlung der Sender Radio Paris mit Genehmigung des Höheren Nachrichtenführers an drei Wochentagen je eine Stunde zur Verfügung gestellt hat. Unabhängig davon führt Radio Paris selbst innerhalb seines Programms eine Schulfunksendung durch.


Die Liste der verbotenen frz. Schulbücher ist in einer neuen auf 95 Titel ergänzten Ausgabe herausgebracht und gleichzeitig durch das frz. Unterrichtsministerium an die unterstellten Schulaufsichtsbehörden bekanntgegeben worden[48]. Infolge der Papierknappheit können die den neuen Lehrplänen entsprechenden Schulbücher nicht in auch nur annähernd ausreichender Zahl gedruckt werden, so dass in zunehmendem Umfang die Schüler sich alte Ausgaben beschaffen. Die Überwachungwird dadurch ausserordentlich erschwert, und es besteht die Möglichkeit, dass wieder unerwünschte Ausgaben in die Hand der Schüler gelangen, da nur die am stärksten belasteten Bücher in die offizielle Verbotsliste aufgenommen werden konnten, während für die übrigen von den Verlegern nur bestimmte Abänderungen verlangt wurden.




Bibliothekschutz


Die vermehrten Bombenangriffe[49] haben zu neuen Räumungsmassnahmen geführt, so in Nantes[50], Rennes[51], St. Omer[52], Tours[53] und vor allem in Paris selbst in der Bibliothèque Nationale und in der Bibliothèque de l'Arsenal. In Rennes und Toulouse[54] mussten Teile der Bibliotheksräume für deutsche Dienststellen freigemacht werden.


Das Referat hat den Auftrag erhalten, zusammen mit der Reichstauschstelle in Berlin in grossem Umfang frz. Bücher für den Wiederaufbau der zerstörten deutschen Bibliotheken zu kaufen. Als erste Rate wurde dafür eine Million RM zur Verfügung gestellt. Diese Aktion begegnet bei den frz. Verlegern im allgemeinen grossem Verständnis, wird aber durch den Ausverkauf auf dem Büchermarkt sehr erschwert.




Kunstschutz


Bei den Luftterrorangriffen auf frz. Städte wurden zahlreiche historisch-wertvolle und kultische Bauten betroffen; besonders gross sind die Verluste in Nantes[55] (u.a. die völlige Zerstörung des städtebaulich berühmten Königsplatzes). Infolge der rechtzeitig durchgeführten Überführung der Kunstsammlungen ins Landesinnere sind Verluste nicht eingetreten; das Departement-Archiv Nantes ist unbeschädigt geblieben, das Archiv des Hotel Dieu verschüttet worden.


Zur weiteren Erfassung von Bronzedenkmälern geringeren Kunstwertes wurden Massnahmen eingeleitet.


Sofort nach der Kapitulation Badoglios[56] wurde ein M[ilitär]V[erwaltungs]Beamter zum Stabe des Kommandanten Südfrankreich[57] nach Lyon[58] entsandt und der Kunstschutz auch auf das bisher von den Italienern besetzte Gebiet zwischen Rhône und Alpen ausgedehnt, hervorragende Bauten sogleich unter Schutz gestellt (Belegungsverbot, Schutzschilder) und weitere Massnahmen zur Sicherung und Betreuung der künstlerisch wertvollen Baudenkmale und Sammlungen eingeleitet.


Im übrigen Gebiet Südfrankreichs sind bisher für 71 Bauten Belegungsverbote erlassen worden.


Eine Neuauflage der Karte über "Baudenkmale unter Kunstschutz" im gesamten Gebiet des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] ist in Zusammenarbeit mit Führungsabteilung I b (1) in Vorbereitung.




Archivwesen


Die Inventarisierung und Fotokopierung (430 000 Aufnahmen insges.[amt]), die Schutzmassnahmen für gefährdete fr.[anzösische] Archive und die Betreuung von deutschen Anfragen und Benutzungen, deren Zahl seit einiger Zeit unter der Einwirkung des totalen Krieges zurückgeht, wurden fortgesetzt. Ausstellung "1000 Jahre deutsche Geschichte im Spiegel des Nationalarchivs"[59] gab einen Querschnitt durch das in Frankreich erfasste Material zur deutschen Geschichte.


Die verstärkten Luftangriffe haben im Berichtszeitraum dank frz. Schutzmassnahmen nicht zu grösseren Archivverlusten geführt.




Archäologie u.[nd] Vorgeschichte


Die im letzten Lagebericht genannten Fundstellen von St. Aubin-sur-Mer[60] und Aix-en-Provence[61] wurden weiterhin überwacht und die Veröffentlichung der Skulpturen vorbereitet[62]. Ferner sind in Entremont bei Aix die Vorbereitungen für eine geplante Ausgrabung abgeschlossen, die aber wegen Mangel an Arbeitskräften und Devisen wahrscheinlich scheitern wird. In St. Aubin-sur-Mer wird die Untersuchung der wichtigsten Stelle, an der der Tempel der Muttergottheit vermutet wird, durch einen inzwischen angelegten Bunker mit hoher Erddecke vereitelt. Die bisherigen Grabungsergebnisse werden für eine spätere Veröffentlichung bearbeitet.


In der Berichtszeit haben sich die Meldungen über die Beschädigungen vorgeschichtlicher Menhire und Grabhügel durch militärische Bauarbeiten an der Westküste der Bretagne gehäuft. Ein Menhir war schon im März gesprengt worden, weiterer Schaden konnte durch persönliches Eingreifen verhindert werden.


Auch der Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] hat durch einen Erlass in den "Allgemeinen Anordnungen" vom 9.9. an den Befehl vom März 1941 betr. Meldung vorgeschichtlicher Bodenfunde erinnert[63].


In Südfrankreich führt die Ausbreitung militärischer Einrichtungen zu einer steigenden Gefährdung der römischen Bauwerke. In zwei Fällen (Theater und Aquaedukt von Arles[64]) konnte Schaden verhindert werden.




3. Verkehrswesen


Die Schwierigkeiten in der Kraftfahrzeuggestellung für die Truppe nahmen zu, sowohl für den Gelegenheitsverkehr wie auch für die Dauermietung. Die befohlene und z.T. bereits durchgeführte Ankaufaktion der dauerermieteten Kfzdurch die Wehrmacht hat die Bereitwilligkeit der frz. Kfz.-Halter zur Anmietung sehr gemindert[65]. Weitere Erschwerungen durch den schlechten Zustand der Kfz, Reifen- und Ersatzteilmangel machen die Durchführung der erforderlichen Reparaturen häufig unmöglich.


Wenn trotzdem für bestimmte Sonderaufgaben, z.B. der Luftwaffe, in nur wenigen Stunden von den FKn über die Nbvn[66] ca 400 Kfz gestellt wurden, so ist dies dem rücksichtslosen Einsatz der Fahrbereitschaftsleiter und der Nbvn zu verdanken. Erschwerend hat sich bei der Grossaktion der Luftwaffe die Tatsache ausgewirkt, dass zwar verwaltungsseitig alles Erforderliche getan war und die Zusammenziehung der Kfz an verschiedenen Plätzen rechtzeitig vorgenommen wurde, aber von Seiten des NSKK[67] und der abnehmenden Einheit nicht die erforderlichen Vorbereitungen getroffen wurden, wie Stellung des Begleitpersonals, Unterbringung und Verpflegung der Fahrer. So wurden infolge mangelnder Beaufsichtigung an einer Anzahl Kfz die Reifen zerstört.


Die Anforderungen im Gelegenheitsverkehr haben auch weiterhin stark zugenommen. Die Gestellung der Kfz wird hier u.a. dadurch erschwert, dass der Treibstoff in solchen Fällen vielfach vom Kfz-Halter gestellt werden muss, weil die Truppe nicht genügend Treibstoff zur Verfügung hat.


Das Abrechnungswesen der deutschen und frz. Abrechnungsstellen ist entsprechend der Verordnung des Mil.Bef. vom 19.3.43[68] zwischenzeitlich neu geregelt worden. Von den bisher etwa 100 Abrechnungsstellen sind nur noch etwa 25 zugelassen. Die Provisionssätze sind entsprechend den Interessen der Kfz-Halter für jede Abrechnungsstelle gesondert festgesetzt worden. Es liegen jedoch noch Klagen darüber vor, dass die Abrechnungen insbes.[ondere] der bei der OT[69] eingesetzten Kfz-Halter zu langwierig sind.


Die Neufassung des Wehrmachttarifes, die ab 1.10.43 gilt, hat u.a. verschiedene Erhöhungen der bisher geltenden Vergütungssätze gebracht[70].


Für die Zulassung von Pkwn[71] sind den einzelnen Präfekturen bestimmte Kontingente zugewiesen worden, die äusserst beschränkt sind. Weitere Einschränkungen müssen vom wirtschaftlichen Standpunkt aus als bedenklich angesehen werden. Festgestellte Verstösse frz. Pkw-Halter wurden entsprechend geahndet. Auch die Zulassungen frz. Pkw im deutschen Interesse wurden weiter eingeschränkt.


Die Umschreibung auf ZF-Kennzeichen[72] ist im allgemeinen als abgeschlossen anzusehen. Inzwischen sind zahlreiche Wiederholungsanträge eingegangen.


Bei der Zulassungserteilung für Kfz mit reichsdeutschen Kennzeichen hat sich herausgestellt, dass die Verordnung des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] über die Weiterführung reichsdeutscher Kennzeichen und die Genehmigungspflicht zum Verkehr im bes.[etzten] frz. Gebiet nicht allgemein bekannt ist[73]. Das gilt insbes. für solche Kfz-Halter, die neuerdings mit ihren Pkwn aus dem Reich in das bes.[etzte] frz. Gebiet fahren. Für die Abstellung dieser Mängel wird Sorge getragen.


Der Umbau von Kfz auf Generatorantrieb wurde auch weiterhin mit Nachdruck betrieben. Zu diesen Massnahmen gehört u.a. die Ausnutzung freier Kapazitäten der HKP-Werkstätten[74] sowie die Betreuung bestimmter ausgewählter frz. Kfz-Werkstätten.


Der Verkehr auf den öffentlichen Pariser Verkehrsmitteln ist weiterhin angestiegen. Gegenüber dem Jahre 1938 hat sich die Zahl der Fahrgäste in der Metro um 87,8% erhöht, während die Betriebsleistung nur 1,5% höher ist und der Verbrauch an Energie sogar um 13,6% gesunken ist. Auch im Omnibusverkehr ist ein weiteres Ansteigen festzustellen. In den Wintermonaten ist mit einem weiteren Ansteigen zu rechnen, da viele Fahrradbesitzer auf die Metro abwandern werden. Die durch Bombenangriffe hervorgerufenen Schäden bei der Metro konnten jeweils in kurzer Zeit behoben werden.


In der Benutzung der Metro ist am 1.9. insofern eine Neuerung eingetreten, als Freifahrt nur noch Uniformierten und den Inhabern der Verkehrskarte gewährt wurde. Durch diese Neuregelung ist der Kreis der Freifahrtberechtigten wesentlich eingeschränkt worden.


Da die Fahrbereitschaftsleiter zum grossen Teil äusserst wichtige Aufgaben militärischer Art zu erfüllen haben, insbes.[ondere] Mob-Vorbereitungen[75] zur Gestellung von Kfz für die Truppe in Sonderfällen, können die bei ihnen tätigen Unteroffiziere und Soldaten nicht abgezogen und durch Stabshelferinnen ersetzt werden. Für die ordnungsgemässe Durchführung der militärischen Aufgaben sind die männlichen Hilfskräfte unentbehrlich.




4. Strassen- und Brückenbau


Straßenbau


Der Zustand des Dg- und des B-Strassennetzes[76] kann im allgemeinen als gut bezeichnet werden. Da die wenigen verfügbaren bituminösen Bindemittel restlos für diese militärisch wichtigen Strassenzüge bereitgestellt wurden, war es möglich, die notwendigen Unterhaltungs- und stellenweise auch Deckenneubauarbeiten durchzuführen. Anders verhält es sich bei den übrigen, militärisch weniger bedeutungsvollen Strassen. Diese meist mit schwachen Decken versehenen Strassenzüge weisen z.[ur]Z[ei]t. grössere Schäden auf, die nur auf einfachste, wassergebundene Art notdürftig behoben werden können.


Ein vom Ob West[77] für das gesamte bes. Frankreich festgelegtes Netz von Schwerstlaststrassen ist hinsichtlich der gestellten Forderungen zu 2/3 bereits planvoll erkundet. Anordnungen zur Beseitigung und Behebung von festgestellten Mängeln an diesen Strassen und zur Verstärkung von nicht ausreichend tragfähigen Übergängen sind an die Franzosen gegeben worden.




Brückenbau


Im Brückenbau sind alle kriegswichtigen genehmigten Bauvorhaben der Planung entsprechend weitergeführt und einige zum Abschluss gebracht worden. Neue Bauvorhaben, ausschliesslich Forderungen von militärischen Stellen auf Verstärkung von Brücken im Zuge der Schwerstlaststrassen, weiter Notstandsmassnahmen infolge von Luftangriffen, sind zur Genehmigung eingereicht worden.


Auf Grund einer Forderung des GBbau[78] ist ein neues Brückenbauprogramm 1943/44 für die Zeit vom 1.10.43 bis 31.3.44 aufgestellt und dem Bevollmächtigten für die Bauwirtschaft in Frankreich[79] zur Genehmigung eingereicht worden. Das Programm umfasst 46 geplante und bereits im Gang befindliche Massnahmen, darunter auch frz. Pionierarbeiten sowie Unterhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten an militärisch wichtigen Strassen und Brücken.


Zur Beschäftigung von insges.[amt] 12 frz. Pionier-Kompanien, die l[au]t. Befehl des Ob West für besonderen Einsatz mobil gehalten werden, ist von den Bef[ehls]h.[abern] Nordwest[80]- und Nordostfrankreich[81] im Einvernehmen mit dem Kommandeur der Eisenbahnpioniere[82] je ein umfangreiches Bauprogramm aufgestellt worden, das Instandsetzung, Neubau und Abbruch von Behelfsbrücken und in Zusammenarbeit mit frz. Baufirmen auch Wiederherstellung von endgültigen Brücken enthält.


Für das Gebiet Südfrankreich wurde die Lagerung und Herstellung von Reservebrücken zur Aufrechterhaltung der Verkehrswege im Falle von Brückenzerstörungen angeordnet. Die Arbeiten sind mit Hilfe der Ponts-et-Chaussées-Verwaltung eingeleitet.




Materialbeschaffung


Die Versorgung mit Baustoffen, insbes.[ondere] Eisen, Holz- und Zement, kann mit Rücksicht auf die Mangellage als befriedigend angesehen werden. Bez[ü]gl.[ich] des Strassenteers ist es gelungen, für unvorhergesehene dringende Baumassnahmen Sonderzuteilung zu erhalten. Schwierigkeiten bereitet die Beschaffung von Steinbruchmaterial, das zur Unterhaltung der nicht dem Dg-Strassennetz angehörenden wichtigen Verkehrsstrassen benötigt wird.




5. Postwesen


Postverk.[ehr] zw.[ischen] d.[em] bes.[etzten] frz. Geb.[iet] (o.[hne] Südf[ank]r.[eich]) u.[nd] d.[em] Ausland


Für die frz. Arbeiter in Deutschland sind noch folgende Zeitungen zugelassen worden: "Journal d'Amiens", "Tribune d'Oise", "France de Bordeaux", "Cherbourg Eclair", "Courrier du Pas-de-Calais", "Depêche d'Eure et Loir", "Grand Echo du Morbihan", "Nouvelliste de Bretagne", "Journal de Rouen", "L'Echo du Marin".



Postverk.[ehr] des Geb.[ietes] Südfr[an]kr.[eich]


Den neutralen und verbündeten diplomatischen Vertretungen in Vichy wurde mit Zustimmung des OKW am 17.7.43 ein unmittelbarer Postverkehr mit dem Deutschen Reich genehmigt, der dem Wirtschaftspostverkehr Deutschland/Gebiet Südfrankreich angeschlossen wurde.


Im Behörden- und Wirtschaftspostverkehr zwischen Belgien und dem Gebiet Südfrankreich hat sich Anfang September der tägli-[che] Versand in jeder Richtung von 20 auf 100 Briefsendungen erhöht.


Für die im Gebiet Südfrankreich bei der OT beschäftigten holländischen Arbeiter ist der Postverkehr zwischen dem Gebiet Südfrankreich und den Niederlanden eröffnet worden, der über die frz. Landespost, die deutsche Feldpost und die deutsche Dienstpost in den bes.[etzten] niederländischen Gebieten abgewickelt wird.




Postverk.[ehr] d.[es] bish.[er] v.[on] d.[en] Ital.[ienern] b.[esetzten] frz. Geb.[iets] o[st]w[ärts] d.[er] Rhône[83]


L[au]t. OKW vom 18.9.43 erstreckt sich der Wirtschafts- und Arbeiterpostverkehr, der zwischen dem Gebiet Südfrankreich und Deutschland besteht, auf das frz. Gebiet ostwärts der Rhône. Dieses Gebiet ist zum Postverkehr mit dem Ausland in derselben Weise zugelassen, wie es durch den Erlass des Ob West vom 21.12.42[84] für das Gebiet Südfrankreich verfügt worden ist.


Der Postverkehr Frankreichs mit Italien, Albanien, San Marino, Vatikanstadt und Korsika[85] ist auf Anordnung des OKW eingestellt worden.




6. Justizwesen


Deutsche Strafrechtspflege


Die Praxis des polizeilichen Ordnungsstrafverfahrens hat derart zugenommen, dass sie bei der augenblicklichen Besetzung der FKn und KKn nicht mehr bewältigt werden kann. Einzelne Dienststellen sind deshalb dazu übergegangen, bestimmte Delikte im Unterwerfungsverfahren vor der Feldgendarmerie zu ahnden. Zur Entlastung der Kommandanturen ist diese Vereinfachung grundsätzlich gestattetworden, ohne sie zunächst obligatorisch einzuführen. Jedoch sind feste Richtlinien ergangen, die eine einheitliche Anwendung sicherstellen und Fehlerkenntnissen vorbeugen sollen.




Frz. Strafrechtspflege


Nach Fühlungnahme mit dem Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] hat die frz. Regierung die im bes.[etzten] Gebiet untergebrachten Strafhäftlinge, soweit es sich um terroristische Elemente handelt, auf zwei Strafanstalten[86] bei verstärkter Überwachung konzentriert. - Für das Gebiet Südfrankreich soll in kürzester Zeit eine ähnliche Konzentration durchgeführt werden[87].


Die Strafpraxis der frz. Gerichte gegenüber Terroristen bedarf in zunehmendem Masse der Intervention durch die Mil.[itär]Verw.[altung]. Bei Anschlägen auf Collaborationsanhänger wird nur unzureichend Schutz gewährt. Auch in der Aburteilung sonstiger kommunistischer oder degaullistischer Umtriebe sind die frz. Behörden bis vor kurzem widerstrebend gewesen. Bisher konnte durch Übernahme der einzelnen Verfahren auf die Wehrmachtgerichte geholfen werden. Das Justizministerium zeigt nach wie vor den Willen, den deutschen Wünschen entgegenzukommen. Neuerdings ist ein schärferes Vorgehen der frz. Gerichte gegenüber den Terroristen festzustellen.


Der Strafvollzug ist aus der Verwaltung des Justizministeriums in die des Innenministeriums übergegangen. Neben persönlichen Gründen - der neue Leiter des Strafvollzuges[88] ist mit dem Generalsekretär des Innenministeriums[89] befreundet - ist die Frage der Überwachung massgebend gewesen. Die Regierung verspricht sich von dem Wechsel einen geeigneteren Einsatz der Polizeikräfte gegenüber den zunehmenden terroristischen Anschlägen.


Der Arbeitseinsatz der Strafgefangenen wird trotz ausserordentlicher organisatorischer Schwierigkeiten (Mangel an Aufsichtspersonal, Gesundheitszustand der Häftlinge) weiterhin gefördert.


Für den Fall der Übernahme der Exekutive in dem Gebiet Südfrankreich sind die nötigen gesetzgeberischen Vorbereitungen abgeschlossen worden.




II. Die französische Wirtschaft



Einleitender Überblick


Die Wirtschaft im frz. Raum leidet gegenwärtig besonders unter der starken Anspannung der Transportmittel, die auf den verschiedenen Gebieten zu grossen Schwierigkeiten führte. So hängt die Erfüllung des Liefersolls zur Sicherstellung der Herbstkalidüngung ausschliesslich von der weiteren Entwicklung der Transportverhältnisse ab. Für die Eisenerzförderung wirkte sich die ungünstige Transportlage besonders stark aus, da die Gruben nicht die gesamte Planförderung auf Halde nehmen können. In der Schrottversorgung sind die Bestellungen stark rückständig. Wegen Waggonmangel ist auch die bisher mit allen Mitteln angestrebte Produktionssteigerung bei den Giessereien nicht zu erwarten. Wenn nicht die Rohmetalltransporte von den Hütten zu den Halbzeugwerken die gleiche Dringlichkeitsstufe erhalten wie andere Rohmaterialtransporte (z.B. Kohle), besteht die Gefahr, dass die Metallhalbzeugindustrie, die als Vorlieferant für eine grosse Anzahl anderer Industriezweige anzusehen ist, mit ihren Auslieferungen so rückständig wird, dass schon das z.[ur]Z[ei]t. laufende Programm nicht durchgeführt werden kann. Für den Maschinenbau führt neben dem Arbeiterabzug die mangelnde Waggongestellung zu erheblichen Lieferverzögerungen.


Durch den Abzug von Arbeitskräften ist die Baustoffindustrie in ernste Schwierigkeiten geraten, denen schnellstens durch Arbeiterzuweisungen abgeholfen werden muss. Auch auf den besonders wichtigen Wolfram- und Bleierzgruben werden immer wieder Versuche gemacht, Arbeitskräfte für anderweitigen Einsatz abzuziehen. Zu dem Rückgang der nordfrz. Kohleförderung haben, abgesehen von politischen Einwirkungen, in besonderem Masse die feindlichen Luftangriffebeigetragen, die Betriebsanlagen zerstörten und bei den häufigen Tagesalarmen den reibungslosen Betriebsablauf empfindlich beeinträchtigten.


Der Notenumlauf der Banque de France nahm innerhalb der drei Monate vom 10.6. - dem Stichtag des letzten Lageberichts - bis 9.9.43 ausserordentlich kräftig, nämlich um 30.6 Mrd. Frs auf 457,5 Mrd. Frs zu gegen nur 22 Mrd. Frs in der entsprechenden Zeit des Vorquartals. Für die drei Wochen bis zum 30.9.43, dem Tage des letztbekannten Ausweises der Notenbank, wird eine weitere Steigerung um 10,5 Mrd. Frs ausgewiesen. Besonders auffällig ist, das die unmittelbaren Barabhebungen der Reichskreditkassen, auf die bisher der Hauptanteil der Notenanforderungen entfiel, im 3. Vierteljahr 1943 mit 18,6 Mrd. Frs um 1,9 Mrd. Frs hinter denjenigen des 2. Vierteljahres zurückgeblieben sind. Gleichwohl wird die Erhöhung des Notenumlaufes nach wie vor mit den deutschen Zahlungen, die teils in bar, teils bargeldlos beglichen werden, in Zusammenhang gebracht werden müssen.


Die Reichskreditkassen haben im 3. Vierteljahr 1943 in bar und für Kontoverstärkungen 18,6 Mrd. Frs abgehoben, und ferner im gleichen Zeitraum zu Lasten des Besatzungskostenkontos Reichskreditkassenscheine im Gegenwert von 6,8 Mrd. Frs eingelöst, insges.[amt] betragen die Barverfügungen also 25,4 Mrd. Frs. Bargeldlos wurden während der gleichen Periode durch Überweisungen und Virements rd 22,8 Mrd. Frs abdisponiert, sodass die Gesamtabhebungen r[un]d 48,2 Mrd. Frs betragen. Da die sonstigen Bilanzpositionen der Notenbank gegenüber dem Vorquartal keine wesentlichen Änderungen aufweisen, wird angenommen werden müssen, dass zumindest ein nicht unerheblicher Teil der bargeldlosen Zahlungen der Reichskreditkassen letzten Endes bei den Banken doch in bar abgehoben worden ist. Insofern kann noch immer nicht davon gesprochen werden, dass der frz. bargeldlose Zahlungsverkehr seine Aufgaben richtig erfüllt.


Durch das ständig zunehmende Einströmen von Reichskreditkassenscheinen nach Frankreich wird die ordnungsgemässe Bewirtschaftung der Besatzungskostenmittel in zunehmendem Masse gefährdet, wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Bisherkonnte jedoch eine befriedigende Lösung, die den weiteren Zustrom von Reichskreditkassenscheinen abstoppt, noch nicht gefunden werden; die Summe der eingelösten Scheine nimmt vielmehr ständig zu, sodass die Lösung der Fragen mehr als dringend geworden ist. Über die Tätigkeit der Reichskreditkassen in Frankreichunterrichtet die Anlage 3[90].


Die Ernte 1943 hat beim Weizen und Wein einen besseren Ertrag ergeben als im Vorjahr, ohne dass beim Wein die durchschnittliche Vorkriegserzeugung erreicht worden wäre. Sommergetreide, Hackfrüchte und Rauhfuttermittel brachten jedoch Mindererträgeim Vergleich zu 1942. Die Ernte des in diesem Jahr stark ausgedehnten Ölfruchtanbaues hat enttäuscht. Infolge lang anhaltender Trockenheit und starken Schädlingsbefallswaren die Hektarerträge bei den Sommerölfrüchten, die den Hauptteil der Ölfrüchte ausmachten, ungewöhnlich gering. Schliesslich hat die Trockenheit auch zu einer erheblichen Verminderung des Gemüseertrages geführt; die Kernobsternte blieb ebenso erheblich hinter der des Vorjahres zurück.


Die Versorgungslage der frz. Bevölkerung hat sich in den grossen Städten weiter erheblich verschlechtert. Ihre mangelhafte Belieferung ist z.T. die Folge von Transportschwierigkeiten und -störungen, z.T. wurde sie aber auch durch die mangelnde Abgabebereitschaft der Landbevölkerung, den wachsenden Einfluss der Feindpropagandaund das Versagen eines Teiles der frz. Dienststellen verursacht. Besonders in der Fleischversorgung sind in Paris und in Marseille[91] neuerdings empfindliche Störungen eingetreten. Die gute Weizenernte hat andererseits die befristete Aufbesserung der täglichen Brotration um 25 g und eine Herabsetzung des Ausmahlungsprozentsatzes ermöglicht. Um einen Rückgang in der Arbeitsleistung der für die deutsche Wehrwirtschaft Tätigen zu vermeiden, wurden die Werkküchen ausgebaut und für die Gemeinschaftsverpflegung zusätzliche Lebensmittelmengen bereitgestellt. Die Aufbringung der für die Wehrmacht und das Reich verlangten Lebens- und Genussmittel wurde bei wachsenden Schwierigkeiten programmgemäss durchgeführt. Im ablaufenden Wirtschaftsjahr sind erheblich grössere Mengen als im Vorjahr für Deutschland erfasst worden, obwohl die Ernte hinter der durchschnittlichen Vorkriegshöhe zurückblieb und die bisherigen Einfuhren aus Afrika fortfielen. Die Entwicklung der in Frankreich für die Wehrmacht und das Reich aufgebrachten Mengen geht aus der Anlage 4[92] hervor.


In letzter Zeit haben sich die Transportschwierigkeiten erheblich verstärkt. Auch bei der Weiterverarbeitung und Verwertung der erfassten Mengen ist durch den Mangel an Betriebsmitteln und Arbeitskräften eine Verschlechterung eingetreten. Es besteht die Gefahr, dass das Lieferungsprogramm auch nach Erfassung der Güter nicht programmässig abgewickelt wird, wenn nicht bessere Voraussetzungen für den Abtransport und die Verwertung geschaffen werden[93].




1. Verschiedene Wirtschaftsgebiete


Wi-Trp[94]Eisenbahn


Während im Anfang der Berichtszeit die Betriebs- und Wagenlage noch verhältnismässig flüssig war und die Wagengestellung als im allgemeinen ausreichend angesehen werden konnte, verschlechterte sich bereits Mitte Juli und dann - vor allem seit Anfang September - fortschreitend bis zum Ende des Berichtszeitraumes die Betriebs- und Wagenlage so erheblich, dass die heutige Lage als sehr ernstzu bezeichnen ist.


Der Rückstau an Zügen betrug im Durchschnitt im Juli 30-40, er erhöhte sich infolge schwerer Sabotagefälle in der Westregion auf 137 Züge und führte zur ersten Sperrung der Westregion, die vom 11.-26.7. anhielt. Dazu trat Anfang Augustdurch die Ereignisse in Italien ein ausserordentlich starker Wehrmachtverkehr, der unter äusserster Inanspruchnahme des Lok- und Wagenparks zu einem erneuten Rückstau führte, der seinen Höchststandin etwa 200 Zügenin der Nordwest- und Westregion sowie im Bezirk des Bahnbevollmächtigten Lyon[95] führte. Die Folge war eine erneute Sperre der betroffenen Regionen bis zum 16.8. Die Wirtschaft kam mit ihren Verladungen ganz erheblich in Rückstand. Der Wagenumlauf verschlechterte sichdurch die Zähflüssigkeit des Betriebes um fast einen Tag und stieg von 7,5 auf 8,3 Tage. Die Lok-Lagewurde immer gespannterund die Gestellung von Transportraum völlig ungenügend. Der Höchstand [sic!] der Ausfälle im September betrug 27 000 Wagen. Kohlekonnte nur zu 80 v.H., sonstigeO-Wagengüter[96] nur zu 50 v.H. gestellt werden. Die Ausfälle an Grubenholzbetrugen 700 Wagen, an Getreide 900 Wagen, an Düngemitteln fast 500 Wagen, an lebenden Tieren 400-500 Wagen, an Kartoffeln 600 Wagen, an Obst und Gemüse 200 Wagen. Die Ausfälle an Gütern für Plattformwagen waren noch erheblich höher, sie betrugen für sämtliche R-Wagen-Güter[97] bis zu 70 v.H. Alle übrigen Awi-Güter[98] ausser den eben genannten wurden noch weniger und völlig unzureichend bedient. Die Rückstände der Tonerdeabfuhr waren erheblich und machten wiederholtes Einschreiten notwendig, desgl.[eichen] kam die Langholzabfuhr völlig in Rückstand. Zu den Ursachen für diesen starken Leistungsabfall zählt einmal die starke Überforderung des Wehrmachtsektors, der teilw.[eise] ein Drittel des gesamten Wagenraums absorbierte, sodann die Auswirkung der erheblich gesteigerten Sabotagefälle, hauptsächlich in Nord-, Ost- und Südostfrankreich und im südfrz. Raum. Die unzulängliche Bewachung der Schienenwege, die fast vorwiegend durch frz. unbewaffnete Zivilisten ältester Jahrgänge durchgeführt werden muss, hat die Zunahme der Sabotageakte, die sich seit Juli versechsfacht haben, begünstigt. Ebenso erheblich waren die planmässig auf wichtige Verschiebebahnhöfe angesetzten feindlichen Luftangriffe, die zu grossen Zerstörungen von Signalanlagen, Kunstbauten und Verschiebeeinrichtungen führten und somit den an sich schon stark angeschlagenen Betrieb weiter lähmten und ihn zu weiteren Sperren zwangen. Der Rückschlag, den derartige Massnahmen auslösten, trafganz allein die Wirtschaft, da der Wehrmachtverkehr von allen Sperren ausgenommen ist und vor allen anderen Transporten voll bedient werden muss.


Eine Besserung der Transportlage kann nur von einer erheblichen Lok- und Wagenhilfe erwartet werden; sie ist vom Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] gefordert worden.




Durchführung d.[er] Wi-Programme


An Grossaktionen konnte lediglich der Traubenversand aus Südfrankreich noch reibungslos durchgeführt werden. Die gesamten anderen Programmtransporte sind mehr oder weniger schwer notleidend. Der frz. Sektor ist zwangsläufig völlig unzureichendbedient, selbst der Lebensmittelverkehr zur Versorgung der frz. Städte kam erheblich in Rückstand, so dass Viehtransporte im Einverständnis mit den örtlichen Transportkommandanturen schon z.T. als Wehrmacht-Fahrtnummertransporte durchgeführt werden mussten, um Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Auch die saisonbedingte und dringend notwendige Bevorratung der Grosstädte kann bei der augenblicklichen Verkehrslage nur sehr unzureichend durchgeführt werden.


Die Planung von herbstlichen Grossverkehren, wie Zuckerrübenverkehr, Mostäpfelversand, Weizenverladung usw. wird erschwert bzw. konnte, was den Zuckerrübenverkehr angeht, bis zur Stunde noch nicht gesichert werden. Es herrscht auf allen Gebieten des Transportwesens bereits ein derartiger Höchststand an Schwierigkeiten, dass mit grösster Sorge der Entwicklung in den Wintermonaten entgegengesehen werden muss.




Transitverkehr


Der Portugal-Deutschland-Verkehr ist verhältnismässig konstant geblieben und bewegte sich auch in der Gegenrichtung in ausgleichender Höhe. Der Spanienverkehr - und zwar in beiden Richtungen - verminderte sichdurch Clearing-Schwierigkeiten erheblich. Der Früchteverkehr war nur noch nach dritten Ländernnennenswert. Auf den Spanienverkehr muss - bei Wiederaufnahme der Apfelsinensendungen und dem Neu-Zustandekommen der Erzverträge - bei Betrachtung der gesamten Transportlage in Frankreich nachdrücklichst hingewiesen werden.




Wasserstrasse


Die Wasserstrasse konnte ihren Aufgaben nur nachkommen, weil ein erheblicher Teil des Erzverkehrs (Spanien) ausfiel. Infolge Wassermangels waren allenthalben Abladebeschränkungen notwendig. In erster Linie führten aber nachhaltige Zerstörungen durch Sabotagenauf dem Marne-, Aisne-Seiten- und dem Ardennenkanal zu schweren Beschädigungender Wasserstrasse und Kunstbauten. Die Schiffahrt aus Frankreich nach Osten ist mit Ausnahme weniger nicht leistungsfähiger Wege unterbrochen, der Kaliversand in der Gegenrichtung ist ebenfalls unmöglich. 190 Kalikähne aus dem Elsass wurden abgeschnitten und mussten durch Lastwagen usw. und im Landabsatz entladen werden. Die Kohlenabfuhr aus Monceau-les-Mines [sic!][99] ist durch die Auswirkung von Sabotageakten und durch Niedrigwasser völlig eingestellt. Niedrigwasser auf dem Rhein-Marne-Kanal, dem Canal du Centre und dem Rhein-Rhône-Kanal führte ebenfalls zu Abladebeschränkungen oder Stillegungen. Der Verkehr auf der Rhône ruht ab 1.9. wegen Kleinwasser. Schiffsraumansammlungen in Rouen[100] und Paris waren unvermeidlich, sie konnten z.T. für den Strohversand nach Deutschland herangezogen werden. Die Kohlenabfuhr aus Nord und Pas-de-Calais wurde bewältigt, da diese Wasserstrasse bis zur Stunde noch voll leistungsfähig ist. Es muss aber auch hier infolge mangelnder Bewachung mit Sabotageakten gerechnet werden; auch hier ist die Forderung auf ausreichenden bewaffneten Schutz wiederholt und dringlich erhoben worden. Fällt aber die Wasserstrasse völlig aus, so dürfte bei der absolut unzureichenden Leistung der Schiene ein Verkehrschaos unvermeidlich sein.




Wirtsch.[aftliche] Entjud[un]g.


Die Haltung der frz. Regierung gegenüber der Judenfrage hat sich infolge der Ereignisse in Italien versteift. Dagegen ist die Arbeit des Generalkommissariats für Judenfragen weitergegangen, und die Zahlen über die vorgenommenen Verkäufe und Liquidierungen ergeben bisher keinen wesentlichen Rückgang. Allerdings hatten sich bei den jetzt abgeschlossenen Verkäufen die Bewerber bereits früher um das Unternehmen bemüht. Es ist aber zu hoffen, dass auch für die Zukunft sich weiter Käufer finden werden, anderenfalls die Preise gesenkt werden müssen.




Treuhandstelle


Die Treuhandstelle hat am 31.12.42 mit einem Gewinn von r[un]d 34 000 000,- Frs abgeschlossen, der sich auf die zwei Jahre ihrer bisherigen Tätigkeit verteilt. Die Treuhandstelle ist keine reichseigeneGesellschaft, sie ist vielmehr eine von der Treuverkehr, Deutsche Treuhand-Aktiengesellschaft, Berlin, im Auftrage des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] errichtete Stelle, die nur in amtlichem Auftrage tätig werden darf; eine private Geschäftstätigkeit ist ihr untersagt. Die Treuverkehr ist aber an den Gewinnen der Treuhandstelle beteiligt. Die Einnahmen stammen aus Gebühren, die den Trägern des Feindvermögens, vor allem also den Feindfirmen, vom Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] auferlegt werden. Nach den Grundsätzen einer gewissenhaften Verwaltung muss aus den Gewinnen der Treuhandstelle ein angemessener Betrag für die später zu erwartende Abwicklung zurückgestellt werden. Die Abwicklung wird höchstwahrscheinlich aus zwingenden praktischen Gründen in Paris durchgeführt, die Kosten werden also in ffrs aufgebracht werden müssen. Das Reichsfinanzministerium und der Rechnungshof des Deutschen Reiches haben der Rückstellung mit der Begründung widersprochen, dass im Falle der Abwicklung die erforderlichen Beträge vom Reich zur Verfügung gestellt werden könnten. Dem ist entgegenzuhalten, dass nicht vorauszusehen ist, ob und in welchem Umfange später die Möglichkeit der Umwandlung von Reichsmitteln in ffrs gegeben sein wird. Die Treuhandstelle könnte u.[nter]U.[mständen] als privates Unternehmen auf unverzügliche Abwicklung in Anspruch genommen und zum Einspringen mit eigenen Mitteln wenigstens vorübergehend gezwungen werden. Es ist nicht vorauszusehen, ob der Treuverkehr in Berlin diese Mittel dann zur Verfügung stehen werden, und ob die Überweisung nach Frankreich möglich sein wird. Es ist auch zu prüfen, ob der Treuverkehr überhaupt zuzumuten ist, dass sie selbst, wenn auch nur vorübergehend, mit erheblichen Kosten für die Abwicklung in Anspruch genommen wird. Die Angelegenheit wird mit den beteiligten obersten Reichsstellen weiterverfolgt werden.




Transferierung v.[on] Feindvermögen


Der Beauftragte für den Vierjahresplan[101] hat angeregt, alle verfügbaren flüssigen Mittel aus Feindvermögen in den bes.[etzten] Gebieten nach Deutschland zu transferieren und in Reichsanleihe anzulegen und die dadurch frei werdenden Devisenbeträge in den bes.[etzten] Gebieten für kriegswichtige Zwecke einzusetzen. Hierzu ist zu bemerken, dass über das endgültige Schicksal des beschlagnahmten feindlichen Vermögens erst später entschieden werden wird. Sollte es den Eigentümern zurückgegeben werden, so wird dies in der ursprünglichen Währung geschehen müssen. Für diesen Fall entsteht sowohl ein erhebliches Kurswagnis, als auch die Frage, ob später Möglichkeiten zur Umwandlung der im Reich angelegten Mittel in Devisen bestehen werden. Die Angelegenheit soll mit den beteiligten obersten Reichsbehörden besprochen werden.




Beh[an]dl[un]g. ital.[ienischen] Vermögens


Die Vorschriften der Feindvermögensverordnung[102] sind auf das italienische Vermögen nicht ausgedehnt worden. Es besteht z.[ur]Z[ei]t. auch rechtlich keine Möglichkeit, auf Grund der Feindvermögensverordnung das Vermögen solcher Italiener sicherzustellen, die sich gegen die faschistische Regierung und das Deutsche Reich erklärt haben.




2. Die Entwicklung in den einzelnen Zweigen der gewerblichen Wirtschaft


Kohle


Die absolute Kohlenförderung - Juli 3 526 404 t, August 3 364 334 t vorläufig, September 3 475 885 t - liegt niedriger als im 2. Vierteljahr 1943. Die tägl.[iche] Durchschnittsförderung ist weiter abgesunken. Die Leistung pro Mann und pro Schicht liegt ebenfalls niedriger als im Vorquartal. Die Fehlschichten der Bergleute haben nicht abgenommen. (Unlust und zunehmende Ermüdungserscheinungen bei verhältnismässig schlechter Ernährung.) Die Regelung der Lohnfrage sowie eine grundlegende Verbesserung der Ernährungslage der Bergleute ist für die künftige Förderentwicklung von grosser Bedeutung. Die Materialversorgung der Gruben war im allgemeinen befriedigend. Die Anfuhr von Grubenholz dagegen war besonders schlecht für das nordfrz. Kohlenbecken und konnte den Verbrauch der Gruben nicht decken. Die gesamte Kohlenversorgung war in der Berichtszeit befriedigend. Die Bestände von r[un]d 21 Betriebstagen bei den frz. Staatsbahnen sind zum 20.9.43 auf 14,5 Betriebstage abgesunken. Der tägl.[iche] durchschnittliche Verbrauch liegt um 3000 t über dem Verbrauch in der gleichen Zeit des Vorjahres (grössere Beanspruchung der Bahnen durch die Wehrmacht und verstärkte Beförderung von Wirtschaftsgütern). In der Hausbrandkohlenversorgung zielen alle Massnahmen darauf ab, dass die vorgesehene Zuteilung von 350 kg im Durchschnitt pro Familie in den Wintermonaten eingehalten werden kann.




Erzbergbau


Eisenerzförderung und Versand aus Westfrankreich sowie die Förderung an phosphorarmen, manganhaltigen Eisenerzen in Mittel- und Südfrankreich zeigt Anlage 5[103]. Grössere Transportschwierigkeiten führten bei den ungenügenden Erzvorräten der Hütten im Gebiet Südfrankreich zur Stillegung eines Hochofens in Chasse[-sur-Rhône][104].


Ohne die vom Arbeitseinsatz immer wieder zugesagten, aber bisher nicht gestellten Arbeiter, ist die notwendige Fördersteigerung nicht durchzuführen.




Steine u.[nd] Erden


Bei den Metallerzgruben und den Betrieben der Steine und Erden ist ganz allgemein die Förderung infolge Abzugs der Arbeitskräfte zurückgegangen. Die Schwefelkiesförderung, im März über 21 000 t, ist im August auf 17 700 t abgesunken. Von der im Sommerhalbjahr normalerweise etwa 90 000 t betragenden Talkumförderung wird in diesem Sommer infolge Nichtgestellung von Arbeitskräften zur rechten Zeit bestenfalls 1⁄4 erzeugt sein. Durch Förderungsrückgang ist die besonders wichtige Versorgung der Spiegelglasindustrie mit Spezialton für die Glashäfen gefährdet. Die Rohphosphatförderung betrug im 1. Halbjahr 1943 in 19 Betrieben bei 411 Arbeitern: 55 356 t. Das Kontingentsjahr 1942/43 wurde am 16.5.43 mit einer Gesamtbelieferung Frankreichs mit Kali in Höhe von 291 029 t K2O abgeschlossen. Verteilung s. Anlage 5 und 6[105]. Für das neue Kontingent- und Düngejahr haben sich die Transportverhältnisse ausserordentlich ungünstig entwickelt. Das aus dem Elsass zu liefernde Kalikontingent für die Landwirtschaft konnte durch den Wegfall der Lieferungen nach den frz. Kolonien[106] auf 270 000 t K2O erhöht werden. Über das Monatsliefersoll und die tatsächlichen Lieferungen vgl. Anlage 6. Die jährliche Salzproduktion Frankreichs, augenblicklich 800- bis 850 000 t, kann den Verbrauch befriedigen. Die Entwicklung der Produktionsverhältnisse ab 1.1.43 bei den Salzsalinen ergibt sich aus Anlage 6. Für das 1. Halbjahr 1943 wurden an Speisesalz für die Bevölkerung 258 000 t, für die deutschen Dienststellen 9565 t geliefert, d.[as]i.[st] von der Gesamtmenge 96,6% für die Zivilbevölkerung, 3,4% für die deutschen Dienststellen.




Mineralöl


Die Entwicklung der Verbrauchskontingente sowie des Nachschubs zeigt Anlage 7[107]. Dem anhaltenden verstärkten Drängen der Franzosen auf erhöhten Heizölnachschub aus Rumänien wurde nicht nachgegeben[108]; vielmehr konnten die Verbrauchskontingente von 2500 t auf 1500 t vermindert werden, ohne dass wesentliche Schwierigkeiten eintraten. Im Schmierölsektor ist die Produktion weiterhin angestiegen. Die im Alkohol-Benzin-Austausch ins Reich versandten Alkoholmengen betrugen in der Berichtszeit 8 700 t.




Energie


Eine Auffüllung des Kohlenstocks in Paris, der von 216 000 t auf r[un]d 105 000 t z.[ur] Z[ei]t. heruntergegangen ist, ist nach den im Vorjahre gemachten Erfahrungen notwendig, um eine Betriebspause wie in den Vorjahren beim Jahresende zu vermeiden. Die Sabotagen an Hochvoltleitungen, Umspannstationen und Kraftwerken haben sich erhöht (102 Leitungsmasten gesprengt, 13 Transformatoren beschädigt und 14 Sabotageakte an Kraftwerken). Die Gesamtgasabgabe konnte gegenüber den Vergleichsmonaten des Vorjahres durch Einsparungen auf dem Haushaltssektor und in nicht kriegswichtigen Industriebetrieben bei voller Erfüllung der Ansprüche der Rü- und V-Betriebe[109] auf gleicher Höhe gehalten werden. Die Gasausbeute hat sich je Tonne Kohle gegenüber dem Vorjahre etwas gebessert. Die Trinkwasserprojekte in den Küstengebieten wurden mit Rücksichtnahme auf die Anforderungen der Truppe gefördert.




Eisen u.[nd] Stahl


Die Erzeugung in den Monaten Juni bis einschl.[ießlich] August zeigt die Anlage 7[110]. An eisenhaltigen Rohstoffen wurden in den Monaten Juni, Juli, August insges.[amt] aus Frankreich nach Deutschland, Holland und Belgien und Nordfrankreich geliefert:



Minette


3 175 630 t


(2 910 760)


westfrz. Erze


343 524 t


(317 928)


nordafrik. Erze


-


-


Kiesabbrände


29 435 t


(59 389)


Handelsschrott


469 t


(462)


Beuteschrott


64 538 t


(34 066)



Erzeugung und Versand der Giessereien zeigen in den letzten Monaten trotz aller gegenteiligen Anstrengungen weiterhin absinkende Tendenz (vgl. Anlage 7).




Metalle


Das frz. Bewirtschaftungssystem wird z.[ur]Z[ei]t. umgestellt, um es soweit wie möglich dem deutschen System anzugleichen. Ziel ist, mit niedrigsten Metallbeständen im Betriebsumlauf auszukommen und die frz. Metallindustrie ohne Zuführung von Metallen aus Deutschland für die verstärkte Verlagerung aufnahmefähig zu machen. Auf Grund unrichtiger Zahlenangaben der Franzosen, besonders in Bezug auf Südfrankreich, wurde eine erhebliche Nachforderung für 1943 gestellt und von der frz. Regierung angenommen. Der Metallplan für Frankreich und für das Gebiet der OFK[111] Lille erhöht sich dadurch in Kupfer um 4000 t auf 30 000 t, in Blei um 12 000 t auf 24 000 t, in Zinn um 500 t auf 1250 t. Die Abtransporte nach Deutschland im Rahmen des Metallplanes werden vor allem mit Metallen durchgeführt, die bei den Auskämmaktionen in Südfrankreich anfallen. Im einzelnen vgl. Anlage 8[112]. Die Arbeit des frz. Metallmobilisierungskommissars[113] liess weiter nach, so dass im August ein Tiefstand in der Mobilisierung erreicht wurde. Mobilisiert wurden:




Kupfer


t


Blei


t


Zinn


t


Nickel


t


Juli


455


20


45


3


August


135


11


16


-


September


425


741


12


-



Von der frz. Regierung wurden deshalb energische Massnahmen zu einer Aktivierung der Mobilisierung verlangt.




Maschinenbau


Die Betriebskonzentration bzw. die Stillegung frz. Betriebe wurde fortgesetzt. Eine verstärkte Nachfrage nach freien Kapazitäten zur Unterbringung vordringlicher Verlagerungsaufträge hat eingesetzt.


Im 3. Vierteljahr 1943 wurden insges.[amt] 39 Reichsbahnlokomotiven abgeliefert. Der Rückgang ist auf die Luftangriffe in den Werken Batignoeles [sic!][114], Nantes[115] und Cail [sic!][116] sowie Denain[117] zurückzuführen. Im gleichen Zeitraum wurden insges.[amt] 557 Güterwagen, davon 88 Kesselwagen, für das Reich gefertigt. Der S.N.C.F. wurden seit April bis Ende Sept.[ember] 1253 Güterwagen zur Verfügung gestellt. Bis Ende d[iese]s. J[ahre]s. werden noch weiterhin r[un]d 800 Waggons fertiggestellt; damit ist der Gesamtauftrag von 7600 Stück ausgeliefert. Ein neues Programm kann mangels Kontingenten nicht aufgelegt werden.




Feinmechanik u.[nd] Optik


Die weiteren durchgeführten Konzentrationen auf den Gebieten der Brillenindustrie und medizinischen Mechanik erwiesen sich als günstig. Der Ausstoss konnte erheblich gesteigert werden. Im Hinblick auf die durchzuführende Steigerung der Rüstungsgeräte wurden die Genehmigungen für Zivilfertigungen auf das äusserste beschränkt.




Chemie


Teilweise ist die Produktion, vor allem in den grundstoffschaffenden Industriezweigen rückläufig (Mangel an geeigneten Arbeitskräften, äusserste Verknappung in der Strom- und Kohlezuteilung). Produktionsplanung ist im Wege der direkten Produktionsanweisung soweit vorbereitet, dass sie im 4. Vierteljahr weitgehend durchgeführt werden kann. Produktionserweiterung ist durch Ausschöpfung vorhandener und Reparatur z.[ur]Z[ei]t. stilliegender Kapazitäten, durch Zuführung von Arbeitskräften, notwendigen Produktionsmitteln (Rohstoffe, Kohle, Strom) organisatorisch weitgehend vorbereitet. Mitarbeit des Produktionsministeriums und des Comité d'Organisation de l'Industrie Chimique ist gut.


Aus vorhandenen Beständen wurden 300 t weisser Phosphor fest übernommen und die Auslieferung weiterer 153 t bei gleichzeitiger Sperrung sämtlicher Exporte verlangt. Grundsätzliche Zustimmung des Produktionsministers[118] hierzu liegt vor. Die Abfuhr der zu Gunsten des Reiches beschlagnahmten 165 000 t Rohphosphate erfolgt laufend trotz vielfacher örtlicher Transport- und Verladeschwierigkeiten (Arbeitermangel). Bisher sind über 55 000 t abgeführt worden.


Ab 1.10. muss Frankreich 70% statt bisher 50% des Gesamtaufkommens an Jod an Deutschland abliefern.




Industr.[ielle] Fette


Der Fettplan F/43, der eine inländische Erzeugung von 7600 t technische tierische Fette vorsah, wird voraussichtlich mit einem Defizit von ca 3000 t abschliessen. Durch erfahrene Sachverständige sind deshalb die Möglichkeiten und die zu ergreifenden Massnahmen für eine Produktionssteigerung von Knochenfett, Abdeckereifett und Abwässerfett eingehend erkundet und festgestellt worden. Die Gewinnung von Traubenkernöl bewegt sich leicht aufsteigend; man rechnet in diesem Jahr erstmalig mit einer Produktion von über 2000 t. Das Produktionsprogramm der Waschmittel konnte bisher noch reibungslos durchgeführt werden. Neuerdings treten vereinzelte Fabrikationsschwierigkeiten auf, da eine ausreichende Sodaversorgung aus verkehrstechnischen Gründen nicht möglich war. - Die Lieferung von 108 000 qm Baulinoleum und 76 000 qm Handelslinoleum erfolgt nach dem Reich sukzessive bis 31.3.44. Darüber hinaus wurde der voraussichtliche Bedarf der Besatzungsarmee für die nächsten zwei Jahre sichergestellt. - Der deutscherseits verlangten Kontrakterfüllung bzgl. der innerhalb des Waffenstillstandsabkommens vorgesehenen Leinöl-Lieferungen wurde zunächst dadurch Rechnung getragen, dass zwei geschlossene Partien von 116 t Leinöl beschlagnahmt wurden, deren Verladung nach dem Reich bevorsteht.




Kautschuk


In einem Protokoll vom 20.7.43 erklärt sich Deutschland bereit, im Rahmen des Möglichen die Kautschukversorgung Frankreichs sicherzustellen[119]. Frankreich erklärt sich bereit, in dem Masse, in dem es von Deutschland in seiner Kautschukzufuhr abhängt, Deutschland aus der indochinesischen Kautschukproduktion nach Befriedigung des japanischen Bedarfs Kautschuk bis zur Grenze des Vierfachen der von Deutschland seit dem 1.3.43 an Frankreich für frz. Bedarf gelieferten Kautschukmange zur Verfügung zu stellen[120].




Bauwirtschaft


Die frz. Bauwirtschaft ist nach wie vor zum überwiegenden Teil am Atlantikwall sowie bei den Grossbauten der Kriegsmarine und der Luftwaffe eingesetzt. Die für den zivilen Sektor noch zur Verfügung stehenden Kräfte mussten infolge der Luftangriffe in zunehmendem Masse den Wiederaufbau kriegswichtiger Industriewerke und vorsorgliche Schutzmassnahmen bei Rü-, Energiebetrieben usw. übernehmen. Genehmigungen für Privatbauten wurden nicht mehr erteilt. - In der Zement- und Ziegelindustrie war die dringend erforderliche Erzeugungssteigerung wegen Mangel an Arbeitern unmöglich. Die bei der Erzeugung von Sand, Kies, Splitt und Werksteinen eingeleiteten Konzentrationsmassnahmen haben die ausreichende Belieferung der operativen Wehrmachtbauten ermöglicht. - Die Dachpappe-Erzeugung reicht nicht mehr aus, die erhöhten Anforderungen zu decken. Der dringend erforderlichen Erzeugungssteigerung steht insbes. der Mangel an Lumpen, Altpapier und Teerprodukten entgegen.




Textilien


Die Bekämpfung des Schwarzmarktes hat in den Monaten Juli bis Sept.[ember] zur Beschlagnahme von ca 200 t Spinnstoffwaren geführt. Ende Juli wurde das vierte deutsch-frz. Spinnstoffabkommen[121] abgeschlossen, das im grossen und ganzen die gleichen Mengen vorsieht wie das Abkommen 1943, trotz der inzwischen fortgeschrittenen erheblichen Verknappung an Spinnstoffen. Im Gegensatz zu den übrigen Wirtschaftszweigen wird auf dem Textilgebiet überwiegend Wehrmachtsfertigung verlagert, nur zum geringen Teil Zivilfertigung. Die Übernahme von Verlagerungsaufträgen in der von Berlin gewünschten Höhe (1/3 der deutschen Textilfertigung) ist angesichts der hiesigen Transport- und Kohlenlage jedenfalls z.[ur]Z[ei]t. nicht möglich.




Leder- u.[nd] Rauchwaren


Der Anfall an rohen Fellen und Häuten steigt saisonbedingt an. Gegenüber den im 5. Lederabkommen[122] vorgesehenen Planmengen sind die Zuteilungen an die Gerbereien stark im Rückstand geblieben. Die Gerbstofflage ist auf längere Sicht alarmierend gefährdet, da die Gerbstoffabriken, selbst unter Inanspruchnahme ihrer letzten Holzreserven, nur 70% ihres Soll-Programms erfüllen. Der Nachschub an Holz ist unzureichend. Über Zuteilung von Bezugscheinen zum Ankauf von Neuschuhwerk vgl. die Anlage 8[123]. An Pelzkonfektion wurde bisher für insges.[amt] 14,7 Mill. RM gekauft. Die Bekleidungsstücke, als Wintermäntel verwendet, stellen eine Entlastung für die deutsche Textilwirtschaft dar. Das seit dem 1.2.43 in Kraft befindliche 3. dtsch.-frz. Kaninlieferungsabkommen kann ordnungsgemäss abgewickelt werden. Der Anfall an Kaninfellen hat sich auf Grund der Bewirtschaftungsmassnahmen und der steten Bekämpfung des Schwarzen Marktes weiterhin erhöht. Auf Grund des diesj.[ährigen] Abkommens wurde in den ersten 8 Monaten eingekauft: 12 481 000 Stück Kürschnerkaninfelle für 8,8 Mill. RM und 21 500 000 Stück = 2719 t Schneidekaninfelle für 6,2 Mill. RM. Hierdurch erhöhen sich die bisherigen Gesamteinkäufe im Rahmen des deutsch-frz. Kaninlieferungsabkommens auf 104 Mill. Stück roher Kaninfelle für 36 Mill. RM. Nach wie vor werden sowohl die Kürschner- als auch die Schneidekaninfelle ausschl. zur Durchführung von Pelzbekleidungsaufträgen der Wehrmacht, die die Dringlichkeitsstufe "SS Winter" tragen, verwendet.




Papier


Die Erzeugung von Papier und Pappe ist gegenüber April/Juni von 93 300 auf 79 400 t für Juli bis Sept.[ember], also um 13 900 t, abgesunken (Arbeitsausfall im August, Transportschwierigkeiten im Sept.[ember]) Die Sulfitzellstofflage ist befriedigend, umsomehr als Ende Sept.[ember] ein Werk mit 1000 t Monatskapazität anläuft. Dagegen reicht der Natronzellstoff noch nicht aus, um den dringendsten Bedarf zu decken. Steigerung wird versucht. Bei grösster Sparsamkeit, dauernder Verbrauchskontrolle, reichen Schreib-, Druck-, Pack- und techn.[ische] Papiere aus. Zeitungsdruckpapier ist dagegen im Verhältnis noch reichlich. Wehrmachtbedarf ist sichergestellt und wird durch beschlagnahmte Schwarzmarktware gering bevorratet. Natronsackpapier liegt noch erheblich unter Bedarf.




Glas und Keramik


Die Glasindustrie verfügt nicht mehr über Kohlevorräte. Die durch Luftangriffe verursachten Schäden habe die Lage auf dem Flachglasgebiet noch angespannter werden lassen. Die vorgesehenen Lieferungen nach Deutschland wurden trotzdem planmässig fortgeführt. - Erst für November wird eine Erhöhung der keramischen Produktion möglich sein, da im Nov.[ember] nach dem Kohlenplan 1500 t zusätzlichfür die Herstellung von Steingut für Bombengeschädigte vorgesehen sind.




Waren versch.[iedener] Art


Über den Service des Constructions Provisoires[124] wurden für deutsche Bedarfsträger r[un]d 2285 Baracken beschafft. - Die Möbelabzüge im 3. Vierteljahr 1943 hielten sich im bisherigen Rahmen. Für zusätzliche Lieferungen in den kommenden Monaten wurden seitens der frz. Regierung 30 000 cbm Holz und entsprechende Eisenmengen für die zusätzliche Anfertigung einfacher Möbel für Bombengeschädigte in Deutschland zur Verfügung gestellt.


Nach dem Wegfall Nordafrikas und Korsikas stehen nur knapp 10% des im Vorjahr vorhanden gewesenen Kork-Rohmaterials zur Verfügung. Es ist damit zu rechnen, dass sich in allernächster Zeit ausserordentliche Versorgungsschwierigkeiten ergeben werden, die höchstens teilweise durch angebahnte Kompensationsgeschäfte mit Spanien behoben werden dürften.


Etwa 20% der für die Bombengeschädigten in Deutschland eingesetzten Besen und Bürsten stammen z.[ur]Z[ei]t. aus der Auftragsverlagerung Frankreich. Besonders glatt verlief der Abzug von Zahnbürsten (ca 500 000 Stück im Monat - 1⁄4 der derzeitigen deutschen Produktion).


Für die Geschosskorbfertigung in Deutschland wurden von Herbst 1942 bis Herbst 1943 insges.[amt] ca. 1500 t trockener Weiden nach Deutschland geliefert. Ausserdem wurden die entsprechenden Mengen Korbweiden für Wehrmachtbedarf in Frankreich (Ballonflaschenumhüllungen usw.) zur Verfügung gestellt.




Altmaterial


Zur Steigerung des Aufkommens an Schweineborsten und -haaren wurde mit der Section de Récupération[125] eine neue Regelung der Erfassung vereinbart. Ferner wurde eine Regelung zum Rücklauf der leeren Konservenmilchdosen getroffen (Bezug neuer Milch nur gegen Rückgabe leerer Dosen). Mit der OT wurde der Rücklauf der leeren Zementsäcke geregelt und den Baustellen eine 80%ige Rückgabe zur Pflicht gemacht. Die Preise für Altmaterial liegen infolge des starken Einflusses der altstoffverarbeitenden Industrie, die jedes Kalkulationsrisiko auf die Niedrighaltung der Altstoffpreise abzuwälzen versteht, in einigen Sparten des Altstoffes besonders im Argen, was sich ungünstig auf die Sammelergebnisse auswirken muss. So werden z.B. im Durchschnitt kaum 10% des theoretisch möglichen Knochenaufkommens erfasst. Um diesem Übelstand abzuhelfen, soll neben dem Anreiz für die Bevölkerung und Küchenbetriebe in Form einer Seifenprämie, vor allem der Knochenhandel durch eine Neugestaltung der Preise eine gesunde Handelsbasis erhalten.




Tabak


Der Abtransport der für Deutschland bestimmten Rohtabake war bisher normal. Das Septemberkontingent in Höhe von 500 000 kg kam restlos zur Auslieferung. Die Höhe der Tabakernte 1943 steht noch nicht fest. Nach Schätzung der Regie dürfte sie die Ernte 1942 nicht übersteigen. Trotz Erweiterung der Tabakanbauflächen ist der Tabak infolge grosser Trockenheit und mangelhafter Zuteilung von Stickstoffdüngemitteln sehr schlecht geraten.




3. Ernährung und Landwirtschaft


Erzeugung


Die Ernte war Anfang Oktober bis auf die Rüben und einige weniger wichtige Erzeugnisse beendet. Bei dem Mangel an Betriebsmitteln, Arbeitskräften und den erheblichen Dürreschäden in der Südhälfte Frankreichs ist das Ergebnis der Weizenernte als ausserordentlich zufriedenstellend zu bezeichnen. Der milde Herbst 1942 hatte es gestattet, die Saatkampagne lange auszudehnen und verhältnismässig grosse Flächen mit Weizen zu bestellen. Der Winterhafer hat ebenfalls in seinen beschränkten Anbaugebieten gute Erträge ergeben. Beim Sommergetreide - insbesondere beim Hafer - hat jedoch die Trockenheit Schäden hervorgerufen. Die Haferernte liegt erheblich unter der des Vorjahres, während bei der Gerste nur ein kleiner Rückgang festzustellen ist. Beim Winterraps waren in den alten Anbaugebieten die Erträge zwar zufriedenstellend, jedoch sind in den neuen Anbaugebieten infolge von Bestellungs- und Erntefehlern, im Süden auch infolge der Trockenheit, erhebliche Ausfälle eingetreten. Die Ausdehnung der Ölfruchtfläche, wegen des Verlustes von Nordafrika noch weiter forciert, ist 1942/43 bis an die Grenze des technisch Möglichen vorgetrieben worden. Es mussten bei der mangelnden Erfahrung manche Fehler in Kauf genommen werden, an deren Beseitigung mit Hilfe der Landwirtschaftsführer gearbeitet wird.


Die Hackfrüchte haben unter der Trockenheit des Sommers gelitten. Die Kartoffelernte wird um etwa 30% geringer geschätzt als 1942. Bei den Zuckerrüben fällt eine gegenüber 1942 leicht verminderte Anbaufläche mit etwas geringeren Hektarerträgen zusammen. Der Zuckergehalt der Rüben ist dagegen etwas höher als 1942.


Die Wiesen und Weiden haben in den Sommermonaten in den meisten Teilen des Landes unter der Trockenheit stark gelitten. Der zweite Schnitt hat nur sehr geringe Erträge ergeben, so dass bei relativ grossen Lieferungen an die Wehrmacht die Winterfütterung des frz. Viehbestandes mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein wird. Für die nächsten Monate wird eine intensive Fütterungsberatungmit Hilfe der La-Führer[126] vorbereitet. Von Januar bis Ende Juni 1943 sind trotz der Materialknappheit mehr Futtersilos als im ganzen Jahr 1942 fertiggestellt worden. Durch ein kürzlich erlassenes Körgesetz wurde der Rahmen für eine systematische Arbeit auf dem Gebiet der Tierzucht geschaffen[127]. Da die notwendigen Vatertiere nicht überall sichergestellt sind, läuft die Durchführung des Gesetzes nur schrittweise an.


Das seit 3 Jahren propagierte Schälen der Stoppelfelder hat weitere Fortschritte gemacht. An Winterölfrüchten wurden unter allgemein günstigen Bedingungen erheblich grössere Flächen als im Vorjahr angebaut: nach dem Bestellungsplan sind r[un]d 200 000 ha vorgesehen. Die Aussaat des Wintergetreides ist bei günstiger Witterung im Gang.


Die Zahl der La-Führer hat sich von 180 (Anfang Juli) auf 480 Anfang Oktober erhöht. Davon sind etwa 125 beim Bef[ehlsh.[aber] Nordwest, 130 beim Bef[ehlsh.[aber] Südwest[128] und 85 beim Bef[ehlsh.[aber] Nordost eingesetzt. Weitere 140 La-Führer wurden der Reichsland G.m.b.H.[129] als Ersatz für eingezogene Betriebsleiter zur Verfügung gestellt. Neuerdings wurde ein Teil der La-Führer für die Buttererfassung, Molkereikontrolle, Druschüberwachung und ähnliche Aufgaben eingesetzt.


Durch die neuerliche Verschärfung der Transportlage ist die Belieferung mit Düngemitteln ausserordentlich erschwert worden. Von den vorgesehenen Kalitransporten konnte in den letzten Monaten nur ein kleiner Teil durchgeführt werden. Die Versorgung der Zuckerfabriken und Destillerien mit Kohle ist noch nicht sichergestellt. Die Sabotageakte an Getreidemieten, Dreschmaschinen usw. haben sich stark vermehrt. Von der frz. Regierung wurde die Todesstrafe für derartige Vergehen neu eingeführt[130].




Versorgung[131]


Es ist unter grössten Schwierigkeiten gelungen, zumindest in den Verbrauchszentren den Anschluss an die neue Ernte zu erreichen, wobei oft in grösserem Umfange Lkw-Kolonnen eingesetzt werden mussten, um den Bedarf für die nächsten 24 Stunden zu decken. Selbst diese Anstrengungen wären ohne Erfolg gewesen, wenn nicht eine ausserordentlich frühe Ernte und intensivste Massnahmen zu deren Mobilisierung zu Hilfe gekommen wären. Der Bestand aus alter Ernte am 1.8.43 an Brotgetreide und Mehl bei Bäckereien, Mühlen und Händlern zusammen reichte nicht aus, um auch nur einen normalen 10tägigen Bedarf zu decken, während allein bei Bäckereien normalerweise ein Bestand von 8-10 Tagen vorrätig sein muss. Die Belieferung der großen Bevölkerungszentren mit Fleisch, Kartoffeln, Gemüse usw. war unbefriedigend. Das bessere Ergebnis der Weizenernte gestattete es jedoch, die tägliche Brotration ab Anfang Oktober bis auf weiteres um 25 g heraufzusetzen[132] und ausserdem den Ausmahlungsprozentsatz des Brotgetreides von 98% auf 90% zu senken[133]. Da in Frankreich Langarbeiterzulagen nicht bestehen[134], wurden den Werkküchen mit Wirkung vom 15.8.43 160 g Fleisch pro Woche und Arbeiter zusätzlich zur Verfügung gestellt. Neuerdings werden auch wieder neue Werkküchen vom Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] zugelassen. Die Verpflegung der Untertagearbeiter im Kohlen- und Erzbergbau wurde durch Zuweisung besonderer Verpflegungsmittel an die Werkküchen verbessert, so dass die im Vergleich zu Deutschland bisher bestehende tägliche Differenz von etwa 800 Kalorien in der Bergarbeiterverpflegung weitgehend ausgeglichenist. Auch für Südfrankreich hat der Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] für die im deutschen Interesse tätigen Arbeiter Fürsorgemassnahmen eingeleitet[135].


Die Brotgetreideablieferung ist besonders in Westfrankreich relativ gut, während die Futtergetreideablieferung auf grösste Schwierigkeiten stösst. Schon jetzt muss für bestimmte Lieferungsgebiete die Frage des Einsatzes von Truppen zur Durchführung der verlangten Auflage geprüft werden. Die Zustimmung zu der Aufbesserung der Brotration und der Senkung des Ausmahlungsprozentsatzes erfolgte unter der Voraussetzung, dass dadurch unter keinen Umständen im neuen Wirtschaftsjahr die Aufbringung der deutschen Lieferungskontingente beeinträchtigt werden darf. Die Haferforderung von 600 000 t wurde von den Franzosen erst angenommen, nachdem auf Grund der vorher ausgesprochenen Weigerung die FKn bereits die zur Erfüllung notwendigen Umlagen gemacht hatten. Auch die Annahme der Heuforderung ist nur mit grossem Vorbehalt erfolgt. Ihre Durchführung wird mit allen Mitteln, schon jetzt unter Einsatz der Feldgendarmerie, betrieben, so dass trotz der ungünstigen Futterversorgung mit ihrer Verwirklichung gerechnet werden kann, wenn nicht ausserordentliche Transportschwierigkeiten sie unmöglich machen.


Die Kartoffelaufbringung ist angelaufen. Bei der geringen Ernte werden nach Abzug der in diesem Jahr heraufgesetzten Kartoffelablieferung für die Truppe nur noch relativ geringe Mengen zur zivilen Versorgung zur Verfügung stehen.


In Paris ist vorübergehend überhaupt kein Fleisch zugeteilt worden, nachdem die wöchentlichen Zuteilungen zuvor schon auf 90 g herabgesetzt waren[136]. Die Truppenversorgung war im altbes.[etzten] Gebiet trotz sehr grosser Transportschwierigkeiten einigermassen befriedigend. Die Rinderqualität hat sich seit Anfang August wieder etwas verbessert. In Südfrankreich war die Truppenversorgung mit grössten Schwierigkeiten verbunden; man musste dort auf Gefrierfleischbestände zurückgreifen. Die Versorgung mit Schlachtschweinen war nach wie vor schlecht. Der Abtransport nach Deutschlandkonnte trotz der durch Waggonmangel verursachten Verzögerungen abgewickelt werden. Mit Wirkung vom 7.8. wurden die Preise für Schlachtvieh mit Ausnahme der Schlachtschweine im Durchschnitt um etwa 15% erhöht[137].


Die Fettrationssätze von 10 g pro Tag sind unter Schwierigkeiten bisher erfüllt worden. Milcherzeugung und Buttererfassung wurden durch die Trockenheit ungünstig beeinflusst. Infolge der seit Mai erhöhten Butterlieferungen an die Wehrmacht konnten im Verlaufe des Sommers für die Zivilbevölkerung nur geringe Vorräte gebildet werden, die schon im November aufgebraucht sein werden. Die Erfassung der Ölfrüchte ist trotz grösster Anstrengung nur sehr zögernd angelaufen, so dass auch von dieser Seite her eine wesentliche Entlastung nicht erwartet werden kann.


Die Erzeugung von Fischkonserven für die Wehrmacht ist auf ein Bruchteil der im Vorjahr gehaltenen Höhe zurückgegangen, da die Ausnützung der besten Fischgründe infolge von Feindeinwirkung nicht mehr möglich ist[138].


Die Gemüseversorgung der Truppe war infolge der Dürreschäden mit grössten Schwierigkeiten verbunden. Da wichtige Erzeugergebiete zu Zuschussregionen wurden, mussten gegenüber Normaljahren erhebliche Umdispositionen vorgenommen werden. Der von der Reichsland G.m.b.H. durchgeführte Feldgemüseanbau hat sehr dazu beigetragen, die Schwierigkeiten in der Truppenversorgung zu überwinden. Ende September wurde von der Reichsland in Sedan[139] eine Sauerkrautfabrik zur Deckung des Truppenbedarfs in Gang gebracht. Die Apfelernte ist bedeutend schlechter ausgefallen als im Vorjahr, so dass die Erfassung der für die Marmeladeherstellung notwendigen Mengen schwierig ist. Es wurden dagegen 14 750 t Weintrauben guter Qualität gegenüber 12 500 t im Vorjahr nach dem Reich verladen.


Nach der neuesten Schätzung beläuft sich die diesjährige Weinernte auf etwa 41 Mill. hl im Vergleich zu den vor einiger Zeit geschätzten 45-50 Mill. hl. Die Qualität der diesjährigen Weinernte ist gut und besser als im Vorjahr. Trotz geringerer Ernte als im Vorkriegsdurchschnitt hat sich die Aufbringung für die Wehrmacht und das Reich ständig erhöht.




4. Forst- und Holzwirtschaft


Organis.[ation] der frz. Forstverwaltung


Für die Departements Nièvre und Aube wurden je eine selbständige Conservation neu eingerichtet. Die Unterstellung von im bes.[etzten] Gebiet liegenden Teilen der durch die Dema-Linie[140] durchschnittenen Departements unter Conservationen im Gebiet Südfrankreich wurde auf deutschen Druck rückgängig gemacht; sie werden wieder durch die angrenzenden Conservationen des bes.[etzten] Gebietes mitverwaltet.


Die neu geschaffene Einrichtung der Regional-Conservationen bedeutet in der Zusammenarbeit zwischen den deutschen und frz. Forstdienststellen für die Instanz der Befehlshaber eine erfreuliche Vereinfachung. Inwieweit das auch für die FKn der Fall ist, kann wegen noch bestehender Unklarheiten über die Zuständigkeiten auf frz. Seite vorerst nicht genau übersehen werden.




D[eu]tsch.[e] forstl.[liche] Organis.[ation]


Die Departements Charente und Charente-Maritime, bisher von Bordeaux aus mitverwaltet, wurden ab 1.8.43 zum Dienstbereich der Forstsachbearbeiter bei den FKn Poitiers[141] und Niort[142] in Anpassung an die frz. Verwaltungsorganisation gelegt.


Durch die Bestellung sämtlicher Forstsachbearbeiter der FKn als "Deutsche Beauftragte" in der Stufe der departementalen frz. Forst- und Holzwirtschaftsorganisation, den "Comptoirs departementaux des Groupements Interprofessionnels Forestiers" [sic!], und dementsprechend eines Sachbearbeiters der Forstabteilung des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] in der Stufe der Pariser Zentrale für alle Nahverkehrs- und Transportfragen der Forst- und Holzwirtschaft wurde der deutsche Einfluss wirksam verstärkt. Es ist beabsichtigt, den deutschen Forstbeamten entsprechende organisatorische Stellung und Befugnisse auch für alle Fragen der Holzaufbringung zu verschaffen. Beobachtungen über Zurückhaltung oder auch wohl Gegenwirkung frz. Stellen deutschen forst- und holzwirtschaftlichen Forderungen gegenüber lassen entsprechende Massnahmen geboten erscheinen.


Beim Kommandanten des Heeresgebietes Südfrankreich in Lyon hat ein forstlicher Sachbearbeiter am 10.9.43 seine Arbeit zwecks einheitlicher Ausrichtung der Forst- und Holzwirtschaft für ganz Frankreich aufgenommen.




Arbeitseinsatzlage


Die Versuche zu einer Verbesserung sind auch in der Berichtszeit erfolglos geblieben. Das einzige Ergebnis ist die Beurlaubung von 455 kgf.[143] Harzarbeitern für den Raum Bordeaux[144], entnommen aus einer 1451 Mann namentlich enthaltenden Antragsliste. Ferner steht der Einsatz von 9000 Angehörigen der chantiers de la jeunesse zum Holzeinschlag in den Landes bevor. Störend und eindeutig produktionslähmend sind die immer wieder erfolgenden Abzüge von Arbeitskräften zugunsten des Bedarfs von Wehrmachtsdienststellen und OT. Von einer irgendwie merkbaren Zuteilung geeigneter Ersatz- oder gar Zusatzkräfte im innerfrz. Ausgleich ist trotz aller frz. Regierungsanordnungen und deutscher Weisungen nicht die Rede gewesen.


Die Zahl der in der Forst- und Holzwirtschaft tätigen Berufsarbeiter, Erwerbslosen, Zivilgefangenen, Juden, Jugendlichen und Kriegsgefangenen ist im ganzen eher geringer geworden statt wenigstens gleich zu bleiben. Vermehrte Heranziehung von Waldarbeitern zu Erntearbeiten hat überdies die auf die Waldarbeiten entfallenden Arbeitstage verringert. Ausfall der Arbeitsleistung der jetzt noch im Bordeaux eingesetzten 6000 farbigen K[riegs]g[e]f.[angenen] wegen anderweitiger Verwendung der Bewachungsmannschaften steht bevor, nachdem bereits ein vielversprechender Einsatz in den Ardennen nach nur vierwöchentlicher Tätigkeit wegen Abzugs der K[riegs]g[e]f.[angenen] zum Erliegen kam.


Dass bei diesem Stand der Arbeitseinsatzlage die mit Recht an die frz. Forst- und Holzwirtschaft zu stellenden Anforderungen nicht in ausreichendem Masse erfüllt werden können, ist leider unvermeidbar.


Die bekannten Mangelerscheinungen und Schwierigkeiten im Holztransportwesen verschärfen sich immer mehr. Die schwierige Eisenbahnlage bringt es mit sich, dass sich vielerorts an den Verladerampen grosse Holzmengen stauen, auf deren Einsatz oft dringlichst gewartet wird (Grubenholz, Eisenbahnschwellen). Es gab Fälle, wo zur Ausfuhr nach Deutschland verladebereit am Bahnhof gelagerte Hölzer dort wieder fortgeschafft werden mußten.




Holzeinschlag


Der Holzeinschlag ist unter Einspannung aller dazu verfügbaren Arbeitskräfte so gut weitergegangen, dass trotz aller Schwierigkeiten die Ergebnisse besser sind als im Vorjahre. Dabei ist bemerkenswert der Mehranfall an Nadelstammholz, wozu allerdings die Bereitstellung ausserplanmässiger Schläge ("Coupes supplémentaires") von der frz. Forstverwaltung gefordert werden musste, und die Abnahme der Brennholzerzeugung, die auf die gewaltig gesteigerte Generatorholzerzeugung übergegangen ist.


Die Verkäufe stehenden Holzes zum Einschlag für das mit dem 1.10.43 begonnene neue Forstwirtschaftsjahr verzögerten sich durch das begreifliche Bestreben des Waldbesitzes, die Entscheidung über die allgemein erwartete neue Holzpreisregelungabzuwarten. Diese umfassende Neuregelung kann wegen der notwendigen Vorarbeiten (Betriebsprüfungen) voraussichtlich erst im November verordnet werden. Deshalb wurde die frz. Regierung zur Herausgabe verschiedener Anordnungen veranlasst, die als Zwischenlösung Verkäufe stehenden Holzes mit Preisvorbehalten ermöglichen. Diese Anordnungen wurden später auch auf den Verkauf eingeschlagenen Holzes besonders wichtiger Sorten (Grubenholz, Papierholz, Generatorholz, Brennholz usw.) ausgedehnt, um spekulativen Lieferungsverzögerungen entgegenzuwirken.


Es war und bleibt weiterhin eine vordringliche Aufgabe der deutschen Forstdienststellen, die laufende Versorgung der im deutschen Interesse tätigen holzbearbeitenden Betriebe mit geeigneten Holzschlägen sicherzustellen.


Aus militärischen Gründen vorgenommene Sperrungen gut bewirtschafteter Forsten haben besonders im Befehlsbereich Südwestfrankreich die Produktionsbasis weiter empfindlich eingeengt.


Die Grubenholzanlieferungen bei den Kohlenzechen Frankreichs, besonders für Nord und Pas-de-Calais, haben das gesteckte Ziel der Vorratsbildung von 400 000 fm[145] bis 1.11.43 auf Zechenhof nicht erreicht. Mit Hilfe der OT wird nunmehr versucht, noch vor Beginn der schlechten Jahreszeit von den im Walde aufgearbeitet liegenden grossen Grubenholzmengen möglichst viel in Bewegung zu bringen.


Daneben laufen die Bemühungen, aus dem Waldbrandgebiet im Raum Bordeaux zunächst bis zu 300 000 fm Grubenholz unter zusätzlichem Einsatz belgischer Arbeitskräfte und Produktions- und Transportmittel für die aus der eigenen Forstwirtschaft nicht mehr zu befriedigenden belgischen Kohlenzechen zu beschaffen.


Die Lage der holzbearbeitenden Betriebe ist schlecht, soweit sie nicht mit der ganzen Erzeugung zugunsten deutscher Wehrmachtdienststellen oder der OT blockiert und alsdann aus Mitteln dieser deutschen Beschaffungsstellen versorgt sind. Es fehlt an den wichtigsten Produktionsmitteln, wie Zylinderöl, Treibstoffen, Treibriemen, Sägeblättern, Ersatzteilen für maschinelle Anlagen usw. und oft auch am Ersatz für abgezogene Facharbeiter. Die Leistungen der auf Wasserkraft angewiesenen Sägewerke gingen infolge der anhaltenden Trockenheit stark zurück. Beschädigungen von Sägewerksmaschinen durch Sabotage werden aus den FKn Dijon[146] und Vesoul[147] gemeldet.


Die Sperrholzwerke haben mit drückendem Mangel an Kauritleim (50% Rückgang) zu kämpfen. Das für deutsche Zwecke nötige Sperrholz kann zwar gegenwärtig durch Inanspruchnahme von Vorräten noch aufgebracht werden, ihre baldige Erschöpfung macht aber eine Lösung der Kauritleimfrage vordringlich.


Zur Sicherung der Papierholzversorgung für die Papierfabriken, deren Produktion von Zementsäcken u.a. kriegswichtig ist, wurde auf dem frz. Dienstwege den Exploitanten eine Aufbringungsumlage gegeben. Trotzdem blieb infolge von Transportschwierigkeiten die Anlieferung so unzureichend, dass es für die Papierfabrik Mimizan[148] sogar zu Betriebsstillegungen kam. In dem hauptbeteiligten Raum Bordeaux ist nunmehr die OT in den Antransport der Hölzer eingeschaltet.


Die Selbsteinschläge durch Wehrmacht und OT, wegen oft sehr unsachgemässer Holzausnutzung und forstwirtschaftlich unnötig fehlerhafter Behandlung grundsätzlich unerwünscht, wurden durch Mitwirkung der deutschen und frz. Forstdienststellen und durch Einbau in das ordentliche Holzbewirtschaftungsverfahren auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Der Kauf grosser Holzmengen auf dem Stamm, bisher über 400 000 fm, durch Wehrmachtbeschaffungsstellen im Waldbrandgebiet von Bordeaux wurde gefördert.


Der unmittelbare und mittelbare deutsche Holzbedarf (Wehrmacht, OT, Auftragsverlagerung, Gebrauchsmöbel für Bombengeschädigte usw.) steigt weiter. Besonders für den Ausbau von Feldstellungen und Stützpunkten werden nicht nur Hindernispfähle, sondern auch Rund- und Schnittholz in zunehmender Menge gefordert. Um ein Vielfaches hat sich der Bedarf an Leitungsmasten und Stangen gesteigert (Funkmessprogramm[149]).


Die rechtzeitig organisierte Brennholzversorgung der deutschen Bedarfsträger verläuft für das Heer im allgemeinen befriedigend, macht aber Sorge für Luftwaffe und Marine, die im Gegensatz zum Heer den forstseitig mit aller Sorgfalt getroffenen Massnahmen zu folgen wenig geneigt sind.


Die Anforderungen für Verlagerungsaufträge steigen derart, dass trotz stärkster hiesiger Unterstützung die Grenze des Möglichen bald erreicht sein wird.


Die "Verordnung zur Regelung der Beschaffung von Unterkunftsgeräten für deutsche Bedarfsträger" vom 27.7.43[150] hat den "Service des Constructions Provisoires" als alleinige Beschaffungsstelle bestimmt, dem der auftraggebende Bedarfsträger die nötigen Rohstoffscheine zur Verfügung stellen muss. Da früher die Auftraggeber um die Bereitstellung von Holz oder von Bezugscheinen sich nicht zu kümmern brauchten, wuchsen infolge dieser Verordnung die Holzanforderungen durch die Bedarfsträger bei der hiesigen Forstabteilung stark an. Gut ist dabei die weitere Zunahme der Klarheit in der Holzbewirtschaftung durch Ausschalten des Schwarzhandels.


Die Eindeckung der r[un]d 160 000 fm Rundholz und 33 000 cbm Schnittholz umfassenden Ausfuhrkontingente des Forstwirtschaftsjahres 1943 wurde mit dem 30.9.43 abgeschlossen. Reich, Holland, Elsass und Lothringen haben ihre Kontingente voll, Belgien etwa nur zu 60% ausgenutzt. Unter Vorgriff auf das Exportkontingent 1944 liess die Reichsstelle Forst und Holz bereits weitere 10 000 fm Rundholz aufkaufen. Wesentliche Ausfuhrrückstände aus den Jahren 1941 und 1942 sind nicht mehr vorhanden.


Die Produktion der Exportschwellen ist im Forstwirtschaftsjahre 1943 nicht wesentlich gestiegen. Im Rückstand ist die Ablieferung der Eichenschwellen, während die Erzeugung der Kiefernschwellen im ganzen befriedigt. Die Gesamtaufbringung des Forstwirtschaftsjahres 1943 (1.10.42 bis 30.9.43) beträgt 1 101 183 Stück Exportschwellen, und zwar 582 789 in Eiche und 518 394 in Kiefer.


Die Ausfuhr von 2 500 000 qm Furnieren aller Art war reibungslos am 30.9.43 beendet. Eine zusätzliche Ausfuhr von 1 000 000 qm Buchenfurnieren wird in nächster Zeit abgeschlossen sein. Für die Ausfuhr 1944 sind r[un]d. 220 000 fm Rundholz, 25 000 cbm Schnittholz, 600 000 Stück Eisenbahnschwellen und wie im Vorjahre r[un]d 3 500 000 qm Furniere vorgesehen. Dabei spielt ein Posten von 20 000 fm Buchen-Schälholz eine hervorragende Rolle, dessen Aufbringung durch besondere Zwangsumlage gesichert wird.




Harzproduktion


Die Harzbetriebe im Befehlsbereich Südwestfrankreich arbeiten im allgemeinen reibungslos. Die früher aufgetretenen Schwierigkeiten in der Beschaffung von Brennmaterial wurden beseitigt. Auch die Rohharzernte verlief ohne Schwierigkeiten, konnte aber besonders wegen des Fehlens von Fahrrädern und von Fahrrad- und Kraftfahrzeugbereifung, wegen des erst im September erfolgenden Eintreffens der aus Kriegsgefangenschaft beurlaubten 455 Harzarbeiter und wegen starker Ausfälle durch immer neue Waldbrände die geplante Produktionssteigerung nicht erreichen.


Die Lieferungen in das Reich aus der Ernte 1943 auf Grund des am 8.4.43 abgeschlossenen Kaufvertrages haben in der Berichtszeit begonnen und geben nach dem Stand vom 31.8.43 das aus Anlage 4[151] ersichtliche Bild.




5. Auswärtiger Waren- und Zahlungsverkehr


Warenverk.[ehr] m.[it] d.[em] D[eu]tsch.[en] Reich


Der weiter gestiegene Zahlungsverkehr über das deutsch-frz. Verrechnungsabkommen bringt die anhaltende Vertiefung der deutsch-frz. Wirtschaftsbeziehungen auch für den Berichtszeitraum deutlich zum Ausdruck. Die Beschleunigung des Anwachsens des deutschen Debetsaldos ist etwa die gleiche geblieben wie in den Vormonaten (250 Mill. RM mtl.[152]) Einem frz. Guthaben von 6,15 Mrd. RM stand am 18.9.43 ein deutsches Guthaben von 1,2 Mrd. RM gegenüber (somit ein Debetsaldo von 4,95 Mrd. RM).


Die wachsende Warenknappheit in Frankreich bedingt naturgemäß eine steigende Tendenz der frz. Ausfuhrpreise. Bei den zu treffenden Gegenmassnahmen muss Wert darauf gelegt werden, dass die Lieferungsfreudigkeit und der Leistungswille der frz. Ausführer nicht zum Nachteil des Ausfuhrvolumens beeinträchtigt werden. In vielen Fällen gab das Steigen der frz. Preise eine Handhabe, die Ausgleichsabgabe (retenue de péréquation) herabzusetzen und dadurch den Ausfuhrpreis zu verbilligen. So wurde z.B. für die Ausfuhr von Wein und Cognac der Pauschalsatz der Ausgleichsabgabe von 10 auf 5% herabgesetzt, wodurch die eingetretene Erhöhung der frz. Inlandspreise ausgeglichen wurde[153].


Der Abschluss weiterer Lieferungsverträge mit der frz. Regierung für Wein, Cognac, Fruchtessenzen, Bettfedern, Spinnstoffe, Glas und Porzellan verschafft wesentliche Erleichterungen für die Ausfuhr dieser Waren nach Deutschland. Frz. Einsprüche gegen einzelne Ausfuhren nach dem Reich erfolgten nur auf den Gebieten, auf denen Lieferungsvereinbarungen nicht bestanden. Wo eine Einigung mit den frz. Ausfuhrbehörden nicht hergestellt werden konnte, hat der Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] die Erteilung der Ausfuhrgenehmigung im Rahmen der hierüber mit der frz. Regierung getroffenen Vereinbarung durchgesetzt.




m.[it] Elsaß u.[nd] Lothr.[ingen]


Elsässische und lothringische Einkäufer üben ihre Einkaufstätigkeit in Frankreich im wesentlichen noch unter den gleichen Bedingungen aus wie in den vergangenen Monaten. Das Ausfuhrvolumen ist das gleiche geblieben.




m.[it] d.[en] übrigen Ländern


Die Kontrolle über den Aussenhandel Frankreichs ist - wie bereits im vorigen Bericht erwähnt[154] - seit dem 15.6.43 praktisch erheblich erweitert worden. Während bisher der Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] nur die Ausfuhren aus dem ihm unterstellten Gebiet überprüfte, sind nunmehr auch die Ausfuhren aus dem Gebiet Südfrankreich in das Kontrollsystem einbezogen worden, so dass nach dem Ausscheiden der Italiener die Ausfuhr aller ausfuhrverbotenen, also wichtigen Waren des gesamten frz. Festlandes durch den Deutschen Kommissar für den Aussenhandel in Frankreich[155] im engen Einvernehmen mit den Abteilungen Wirtschaft des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] lückenlos überwacht wird.


Die deutschen Kontrollmassnahmen erstrecken sich somit auf alle Waren, die nach dem frz. Gesetz vom 30.6.42 (JO Nr. 193 v. 13.8.42)[156] ausfuhrverboten sind, und zwar ohne Rücksicht auf den Herkunftsort, darüber hinaus auch auf nichtausfuhrverbotene Waren, soweit sie aus dem bes. frz. Gebiet stammen.


Die Bekämpfung des illegalen Aussenhandels, insbes.[ondere] an der spanischen Grenze, hat grosse Fortschritte gemacht. Es kann damit gerechnet werden, dass - von einzelnen Schmuggelfällen abgesehen - der illegale Aussenhandel im Laufe der nächsten Monate vollständig zum Erliegen kommt.


Aus den im Berichtszeitraum vorgetragenen frz. Wünschen ist ersichtlich, dass die Ausfuhr Frankreichs nach neutralen Ländern eine zunehmende Bedeutung haben wird, weil Frankreich auf die Einfuhr einiger lebenswichtiger Waren wegen der Verringerung der inländischen Bestände verstärkt angewiesen ist. Als Beispiel für die frühere Einfuhrabhängigkeit Frankreichs siehe die Zahlen in Anlage 5[157].


Abgesehen von schwer überbrückbaren Preisverschiedenheiten sind mit den neutralen Ländern Schwierigkeiten entstanden. So haben z.B. die Schweiz, Schweden und Spanien, die mit frz. Luxuswaren (Parfümerien, Wein und Spirituosen) hinreichend versorgt sind, darauf hingewiesen, dass sie ihre Gegenlieferungen von der Einfuhr volkswirtschaftlich wichtigerer frz. Erzeugnisse abhängig machen werden.


Das Rahmenabkommen mit Schweden[158] ist bisher nicht erneuert worden. Es ist zu hoffen, dass trotzdem die Einfuhr von Papiermasse, Zellulose, Spezialstahl und Kugellagern aufrechterhalten werden kann.


Der Clearingstand mit der Schweiz[159] hat sich leider nicht verbessert (Überhang zu Gunsten der Schweiz: r[un]d 425 000 000,- ffrs. = Stand am 20.9.43).


Der Warenverkehr mit Italien ist seit dem 10.9.43 unterbrochen.


Mit Spanien sollen im Oktober Verhandlungen beginnen, um trotz bestehender Zahlungsschwierigkeiten innerhalb des Clearings den Warenverkehr zu beleben (Stand vom 20.9.43: 150 000 000 ffrs zu Gunsten Spaniens).


Die Durchführung von Kompensationsgeschäften mit Ungarn[160] und Rumänien[161] gestaltete sich schwierig wegen der z.T. gleich laufenden Reichsinteressen.


Die Deblockierung frz. Guthaben in der Türkei hat keine nennenswerten Erfolge gehabt.


Der Warenverkehr mit Dänemark, Bulgarien und Portugal ist gering geblieben.


Zu dem Verkehr mit den bes.[etzte] Gebieten ist zu bemerken: die Clearingverschuldung gegenüber Belgien ist von 263 000 000,- RM am 20.6.43 auf r[un]d 305 000 000,- RM am 20.9.43 angewachsen. Diese Verschuldung erklärt sich aus der Einbeziehung der Überweisungen im Wege des Giroverkehrs der Reichskreditkassen, die vorwiegend Wehrmachtslieferungen zum Gegenstande haben, in das frz.-belgische Clearing.


Frankreichs Verschuldung gegenüber Holland beträgt z.[ur]Z[ei]t. r[un]d 25 000 000,- RM (Stand vom 20.9.43).


In Norwegen unterhält Frankreich z.[ur]Z[ei]t. ein Guthaben von r[un]d 5 000 000,- RM.




Kapitalverkehr


Frz.-ungarische Verh[an]dl[un]g.[en]


Im Anschluss an die frz.-ungarischen Vereinbarungen vom 21.4.43, nach welchen bei der Verrechnung der beiderseitigen Warenforderungen 20% des Erlöses der ungarischen Warenausfuhr nach Frankreich für den Zins- und Amortisationsdienst ungarischer Kapitalverpflichtungen abgezweigt werden sollen, hat die ungarische Regierung neuerdings den Wunsch geäussert, ungarische Anleihen, die in frz. Besitz sind, zurückzukaufen und in Höhe des Kaufpreises Frankreich interessierende ungarische Waren dafür zu liefern. Der in Aussicht genommene Rückkauf soll sich zunächst auf Stücke im Werte von r[un]d 150 000 000,- ffrs erstrecken. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen.




Unterbrechung d.[es] Zahl[un]gsverk.[ehrs] m.[it] Italien


Im Anschluss an die September-Ereignisse in Italien ist auf Anregung des deutschen Devisen- und Aussenhandelskommissars[162] sowie des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] der Waren-, Zahlungs- und Wertpapierverkehr mit Italien unterbrochen worden. Über die Wiederaufnahme sind z.[ur]Z[ei]t. noch keine Weisungen seitens der Reichsressorts eingegangen. Die im Einvernehmen mit der frz. Regierung verhängte Sperre bezieht sich auf den gesamten Kapitalverkehr. Die frz. Regierung hat überdies die italienischen Konten in Frankreich gesperrt.


Durch eine besondere Regelung, die das Office des Changes den Devisenbanken bekanntgegeben hat, soll verhindert werden, dass verbotene Zahlungen nach Italien auf dem Umwege über die Vatikanstadt laufen.




6. Bank-, Börsen- und Versicherungswesen


Währungs- u.[nd] Kreditwesen


Die direkte und indirekte Verschuldung des Staates bei der Notenbankhat sich per 9.9.43 infolge der am 10.7.43 vorgenommenen Erhöhung des Besatzungskostensonderkredits[163] um 30 Mrd. Frs weiter auf 393,4 Mrd. Frs erhöht, wobei darauf hinzuweisen ist, dass dieser Vorschuss der Notenbank am 30.9. wiederum um weitere 30 Mrd. Frs erhöht worden ist. Über den Stand der kurz- und langfristigen Staatsverschuldung im einzelnen unterrichtet Anlage 3[164]. Die langfristige Schuld hat sich zwar durch eine im Juli begebene 31⁄2%ige Anleihe des Tresors um r[un]d 10 Mrd. Frs erhöht, auffällig, wenn nicht sogar bedenklich ist aber die relativ geringfügige Steigerung der kurzfristigen Verschuldung im August (bisher liegen nur statistische Ziffern vor). Im Gegensatz zu der erheblichen Ausweitung des Notenumlaufs nahmen die kurzfristigen Bons im August nur um 6 Mrd. Frs zu. Es muss dahingestellt bleiben, ob die frz. Wirtschaftskreise und das breite Publikum mit Rücksicht auf die gegenwärtige politische und militärische Lage an Stelle der Schatzscheinzeichnung lieber Noten horten, um auf alle Fälle bei den erwarteten bzw. erhofften besonderen Ereignissen über ausreichende Barmittel verfügen zu können, oder ob das frz. Finanzministerium bewusst die Zügel schleifen lassen will, weil es einen verstärkten Rückgriff auf den Notenbankkredit gegenwärtig für vorteilhafter ansieht. Bei dieser Situation am Geld- und Kapitalmarkt wird auf alle Fälle gegenwärtig mit der Unterbringung weiterer Anleihen nicht gerechnet werden können, obwohl von den Fachkreisen schon ziemlich sicher eine weitere Staatsanleihe für Oktober erwartet worden war.


Gegenüber der Société Générale häufen sich in letzter Zeit Vorwürfe, sie zeige sich im deutsch-frz. Geschäft als besonders zurückhaltend. Die Sparkassenberichterstattung geht erst bis Ende Juli d.[ieses]J.[ahres]. Soweit Einzelergebnisse ein Urteil zulassen, sind die Einlagen weiter gestiegen.


Der Generalrat der Banque de France hat in einer am Sitze der Bank, in Chamalières[165], abgehaltenen Sitzung[166] beschlossen, die Abschlagdividende für das 1. Halbjahr 1943 unverändert auf 160 Frs pro Aktie festzusetzen. Man wird prüfen müssen, ob nicht der Bank bzw. dem Finanzministerium nahegelegt werden sollte, den Sitz der Banque de France wieder nach Paris zurückzuverlegen.


Zur Förderung des frz. Aussenhandels wurde durch ein im August veröffentlichtes Dekret[167]die Banque Nationale française du Commerce extérieurstärker als bisher in das Verfahren bei der Bewilligung staatlicher Aussenhandelsgarantien eingeschaltet.




Börsenwesen


Nachdem die Pariser Börsenkurse gegen Ende des vergangenen Jahres ihren bisherigen Höchststand erreicht hatten, um dann im 1. Vierteljahr 1943 sehr erheblich nachzugeben, wurde die ziemlich uneinheitliche Tendenz des 2. Vierteljahres im jetzt abgelaufenen 3. Vierteljahr durch eine leichtere Haussebewegungabgelöst, wobei freilich die Aufwärtsbewegungen immer wieder von Börsentagen mit rückläufiger Tendenz unterbrochen wurden. Bei dieser wechselnden Marktlage war es möglich, an den meisten Börsentagen alle Kauf- und Verkaufsaufträge glatt zu erledigen; Repartierungen sowohl der Nachfrage wie auch des Angebotes blieben relativ selten. Im allgemeinen war es möglich, pro Tag durchschnittlich 60 bis 65% aller zugelassenen Aktien zu notieren. Dass der Markt auch weiterhin funktionsfähig erhalten werden konnte, ist nicht zuletzt der Mitarbeit des Pariser Börsenvorstandes zu verdanken, der im allgemeinen recht geschickt operiert hat. Von einer Abgabeneigung zwecks Gewinnmitnahme aus den in den Vorberichten erwähnten politischen Gründen war erstaunlicherweise im Berichtsabschnitt weniger zu spüren, auf alle Fälle fanden sich immer wieder Käuferkreise, die aus gewissen Sachwerterwägungen angebotene Wertpapiere glatt aufnahmen. Bezeichnend ist, dass zahlreiche Orders immer wieder über kleine und kleinste Beträge lauten. Die Streuung des frz. Aktienbesitzes hält also an. Der Rentenmarkt wurde von den öffentlichen Stellen nach wie vor sehr gepflegt, er blieb durchweg behauptet.


Über die Entwicklung der Börsenindexziffern gibt Anlage 3[168] näheren Aufschluss. Ein Vergleich zeigt, dass die Aktienkurse seit dem 1.7.43 zwar gestiegen sind (Ausnahme nur für die Metallindustrie vielleicht wegen des besonderen Kriegsrisikos), dass aber die Höchstkurse von 1942 bei weitem noch nicht erreichtwurden. Die Abwicklung der noch schwebenden Termingeschäfte soll nunmehr weiter betrieben werden. Ein Gesetz vom 20.7.43 gibt dem Finanzminister[169] hierfür gewisse Vollmachten[170].




Versicherungswesen


Die deutschen Sachversicherungsgesellschaften sind nach sorgfältiger Prüfung der Anregung der frz. Versicherungsaufsichtsbehörde, die englischen und amerikanischen Versicherungsbestände deutschen Gesellschaften zur treuhänderischen Verwaltungim eigenen Namen zu übertragen, zu dem Ergebnis gelangt, dass dieser Vorschlag wenigstens gegenwärtig nicht weiter verfolgtwerden sollte. Infolgedessen verbleibt es zunächst bei der bisherigen Methode der Rückversicherung der englischen und amerikanischen Bestände durch deutsche Gesellschaften, sofern diese an solchen Garantieverträgen Interesse haben.




7. Preisregelung



Auf Antrag der frz. Regierung sind im August die Schlachtviehpreise um 10 bis 20% erhöht worden[171]. Da die Gross- und Kleinhandelsspanne herabgesetzt und auf 25% beschränkt wurde, wirkte sich diese Preiserhöhung für die Verbraucher nur in Höhe von 6-13% aus. Die frz. Regierung beantragte ferner eine Erhöhung des Preises für gewöhnliche Konsumweine[172] von 40 auf 50 Frs. Da diese hier gerechtfertigt erschien und die frz. Regierung zugesichert hatte, dass Preiserhöhungsanträge bei den anderen Weinen nicht gestellt werden, wurde dem Antrag stattgegeben. Mit dieser Bewilligung wurde gleichzeitig eine Erhöhung der Weinlieferungen nach Deutschland erreicht.


Die beantragte Erhöhung des Wintermilchpreises von 2,75 auf 3 Frs wurde abgelehnt.


Weitgehende Preiserhöhungen sind von der frz. Regierung für Rohholz (35-66%) und Schnittholz (20-35%) in Aussicht genommen. Da die deutsche Wehrmacht etwa 60-80% des in Frankreich eingeschlagenen Holzes verbraucht, ist zunächst eine Prüfung durch deutsche Prüfer eingeleitet worden. Um die Holzverkäufe nicht ins Stocken kommen zu lassen, darf für alle Rohholzverkäufe nachträglich der neue Preis berechnet werden.


Auf dem Gebiet der gewerblichen Wirtschaft sind Preiserhöhungen grundsätzlich nur zugelassen worden, wenn die ungünstige Ertragslage des Unternehmens oder des Wirtschaftszweiges die Erhöhung zwingend rechtfertigte.


Trotz dieses strengen Masstabes mussten eine Reihe von Preiserhöhungen genehmigt werden. Kostensteigernd und damit preiserhöhend wirkte sich in zahlreichen Betrieben die schlechte Beschäftigungslage der Betriebe aus. Alle Versuche, die Preisgestaltung auf einer grösseren Beschäftigungslage als auf der tatsächlichen auszurichten, müssen solange ergebnislos bleiben, als auf die Dauer gesehen eine Besserung des Beschäftigungsgrades oder eine nachhaltige Konzentration nicht durchgeführt werden können.


In der metallverarbeitenden Industrie haben die im Sommer durchgeführten Lohnerhöhungen, besonders bei Stundenlohnarbeiten und Selbstkostenverträgen, auch zu Preiserhöhungen geführt[173]. Auf dem Gebiet der Auftragsverlagerung haben sich im Metallsektor in letzter Zeit erhebliche Preisschwierigkeiten bemerkbar gemacht. Die frz. Betriebe versuchen teilweise unter Ausnutzung der Dringlichkeit der Lieferungen Preiserhöhungen durchzusetzen und gehen in letzter Zeit dazu über, Produktionsaufträge abzulehnen, wenn ihren Preiswünschen nicht genügend Rechnung getragen wird. Durch verstärkten Prüfereinsatz ist es gelungen, die sich hier zeigenden Schwierigkeiten zu überwinden.


Die im Februar d.[ieses]J.[ahres] vorgenommene Kohlenpreiserhöhung[174] hat eine allgemeine Erhöhung der Stadtgaspreise notwendig gemacht.


Nach der Erhöhung der Zellstoffpreise mussten auch die Papierpreise um 12% erhöht werden. Auf diesem Gebiet ist der deutsche Preisstand auch bereits überschritten worden. In der Textilwirtschaft sind die Rohstoffpreise unverändert geblieben. Im Berichtszeitraum wurden vor allem die Preise im Bekleidungssektor auf eine neue Grundlage gestellt und versucht, durch möglichst einfache Vorschriften die Preisüberwachung einfacher und wirksamer zu gestalten. Eine sehr erhebliche Preiserhöhung musste für Bauxit um 90 Frs/t gegenüber dem Stand vom 1.9.39 zugelassen werden, da die bisherigen Preise mit geringen Ausnahmen auf dem Vorkriegsstand festgehalten worden waren und zu erheblichen Verlusten der Gruben geführt hatten, so dass eine Einschränkung der Produktion drohte.


Zum Ausgleich eines Fehlbetrages von r[un]d 4 Mrd. hat die frz. Eisenbahnverwaltung eine Erhöhung der Personen- und Frachttarife von 25% beantragt. Die Erhöhung der Frachttarife wurde wegen ihrer unmittelbaren Auswirkung auf die Preise abgelehnt, die Erhöhung der Personentarife von 25% zum Ausgleich des Fehlbetrags genehmigt. Für den Berufsverkehr wurde eine Sonderregelung getroffen, die den sozialen Interessen Rechnung trägt.




Preisüberwachung


Die Zahl der an die Gerichte abgegebenen Preisstrafsachen ist nach wie vor hoch. Die Gerichtsstrafen sind im allgemeinen strenger geworden. Über die Langsamkeit des Gerichtsverfahrens bestehen die alten Klagen weiter.


Die Erlasse über das Verbot der Betätigung deutscher Dienststellen auf dem Schwarzmarkt sind erfolgreich gewesen, die Klagen haben nachgelassen[175].


Die Lebenshaltungskosten sind von Januar bis einschl.[ießlich] Juli von 109 auf 123,4 Frs gestiegen; sie hatten bereits im Mai den Stand von 135,3 erreicht, sind dann aber infolge des saisonmässigen Sinkens der Preise für Kartoffeln, Gemüse und Obst stark zurückgegangen.




8. Arbeitseinsatz und Sozialwesen



Allgemeines


Zu Beginn des Berichtsvierteljahres wurde vom Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz, Gauleiter Sauckel, die Umsetzung weiterer 500 000 frz. Arbeitskräfte in das Reich verlangt und ausserdem die Verstärkung der in deutschem Interesse arbeitenden frz. Kriegswirtschaft durch Umsetzung einer Million Arbeitskräfte innerhalb Frankreichs gefordert. Die frz. Regierung hat die letztere Forderung im Rahmen eigener Vorschläge über die Ausweitung der frz. Wirtschaftskapazität zu Gunsten deutscher Aufträge angenommen. Sie vermochte jedoch neue Verpflichtungen der Umsetzung von Kräften nach Deutschland nicht zu übernehmen[176]. Um dennoch durch Verstärkung der Werbungen wie auch durch Auskämmungen der Betriebe zu den geplanten Umsetzungen zu gelangen, hat der GBA die Dienststelle seines Beauftragten in Frankreich[177] durch Schaffung von 40 Arbeitseinsatzstäbenausgebaut. Diesen Dienststellen obliegt nunmehr die Durchführung der vom GBA für notwendig erachteten Arbeitseinsatzmassnahmen. Ihnen wurde hierfür infolge Vereinbarungen mit dem Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] das bislang zu ihm gehörende Personal der deutschen Werbestellen bis 31.12.43 zur Verfügung gestellt.


Im Rahmen dieser neuen Arbeitseinsatzmassnahmen sind in der Zeit vom 1.7. bis 30.9.43 insges.[amt] 44 600 frz. Arbeitskräfte neu in das Reich abgefahren. Andererseits wurden im gleichen Zeitraum ca 32 000 Vertragsbrüche gemeldet. Der innerfrz. Bedarf ist seit Ende Juni von 113 000 offenen Stellen auf 186 000 Ende September gestiegen. Zuweisungen für den innerfrz. Bedarf erfolgten in der Berichtszeit r[un]d 110 000.


Französischerseits wurde die Arbeitseinsatzgesetzgebung weiter ausgebaut. Mit Gesetz vom 28.8.43 [sic!][178] ist anstelle des Commissariat au Service du travail obligatoire (CSTO) das Commissariat interministeriel à la main-d'oeuvre (CIMO) getreten[179]. Seine Aufgabe ist es, für die Dauer des Krieges die Planung und Lenkung des gesamten frz. Arbeitseinsatzes durchzuführen[180]. Neu gebildete regionale Arbeitseinsatzlenkungskommissionen wurden mit Verordnung vom 18.8.43 als Mittelinstanz des Commissariat interministeriel à la main-d'oeuvre zur praktischen Durchführung der Einsatzaufgaben eingerichtet[181].




Arbeitseinsatzlage in einzeln.[en] Wi-Zweigen


Land- u.[nd] Forstwirtsch.[aft]


Trotz Abgabe der Angehörigen des Jg. 22[182] aus der Landwirtschaft nach dem Reich wurde deren Saisonbedarf für die Ernte ohne besondere Schwierigkeiten gedeckt. Für die Zuckerrübenernte stehen 6000 belgische Saisonarbeiter zur Verfügung, deren Einsatz begonnen hat. Dagegen sind anstelle der beantragten 5000 Saisonarbeiter für die Zuckerindustrie vom Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] für Belgien und Nordfrankreich nur 2000 Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt worden. Das Fehlen der übrigen eingearbeiteten und üblicherweise alljährlich zur Verfügung stehenden Kräfte wird Schwierigkeiten in der Bedarfsdeckung für die Zuckerindustrie mit sich bringen.


In der Forstwirtschaft konnte nur eine geringe Zahl der an sich für die verstärkte Tankholzgewinnung benötigten Arbeitskräfte zugewiesen werden.




Bauwirtschaft


Die Abgabe von Arbeitskräften nach dem Ruhrgebiet ist abgeschlossen[183]. Sie erfolgte im wesentlichen durch Umsetzung von Arbeitskräften der OT-Einsatzgruppe West, deren Bedarf im Rahmen der Gesamtplanung und unter Einbeziehung dieses Schwundes nunmehr auf r[un]d 70 000 Kräfte beziffert wird. Die Stellung von Kräften für die OT, namentlich für Baustellen der Küstenbefestigungen, führte vielfach zu Schwierigkeiten, die auch durch die französischerseits angeordnete Erfassung und den Einsatz der in Frankreich lebenden Juden[184] kaum gemildert wurden.




Gewerbl.[iche] Wirtsch[a]ft.


Bei der immer stärker werdenden Inanspruchnahme der frz. Wirtschaft für deutsche Interessen steigt der Bestand an ungedeckten offenen Stellen laufend (am Ende der Berichtszeit r[un]d 92 000). Daher gewinnt die Frage weiterer wirtschaftlicher Konzentrationen und damit verbundener Umsetzung von Arbeitskräften ebenso wie die Frage einer planmässigen Verstärkung des Fraueneinsatzes in Frankreich an Bedeutung[185].




Lohnpolitische u.[nd] Sozialmaßnahmen


Die im Vorbericht erwähnte Neuregelung der Löhne im Eisen-, Metall- und Elektrogewerbe[186] hat den Lohndruck nunmehr auch in anderen Gewerbezweigen ausgelöst. In einigen Teilen Südfrankreichs kam es zu inzwischen beigelegten Streiks. Mit weiterem Ansteigen des Lohndrucks ist zu rechnen.


Der Beitragssatz für die Aufbringung der Unterstützungen für Angehörige der in Deutschland Arbeitenden ist zu Lasten der Unternehmer mit Gesetz vom 4.6.43 von 2 auf 6% erhöht worden[187]. Der Ausbau der Arbeitsschutzbestimmungen, namentlich für weibliche Arbeitskräfte, wurde vorangetrieben.




Sozialversicherung


Die im Vorbericht erwähnten Caisses Départementales haben ihre Aufgabe aufgenommen[188]. Die Neuregelung ist im wesentlichen eingespielt, jedoch sind Einzelheiten über die Bewährung des neuen Verfahrens z.[ur]Z[ei]t. noch nicht verfügbar. Immerhin lässt sich schon jetzt erkennen, dass sowohl der Vomhundertsatz der arbeitsunfähig Erkrankten wie auch der Durchschnitt der Krankheitsdauer über dem Reichsdurchschnitt liegen wird.


Am 15.9. ist die Vereinbarung über die Gewährung von Sozialversicherungsleistungen an die Familien der in Frankreich arbeitenden Arbeitskräfte aus Belgien in Kraft getreten. Die Leistungen werden durch Vermittlung der Deutschen Zentralkrankenkasse für Belgien gewährt. Sie haben den gleichen Umfang wie die den frz. Arbeitern zustehenden.




Betreuung d.[er] frz. Arbeitskräfte i.[m] Reich


Der Ausbau des Commissariat Général à la main-d-oeuvre français-allemand [sic!][189] wurde gefördert. Ihm wurde vor allem selbständig die Regelung der Fragen überlassen, die sich aus dem Ableben von im Reich beschäftigten frz. Arbeitern ergeben. Diese Fälle haben sich besonders durch Feindeinwirkungen (Bombardierungen) vermehrt. Die Rentenfragen der Hinterbliebenen werden zentral vom Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] erledigt[190]. Bis zur Zahlung der Rente wird von diesem ein Vorschuss von mtl. 1000 Frs für die Ehefrau und je 500 Frs für die Kinder gewährt.


Für die aus Südfrankreich stammenden, im Reich beschäftigten frz. Arbeiter wurde die einmalige Zusendung eines Paketes ermöglicht. Damit soll besonders ihre Versorgung mit Winterkleidung sichergestellt werden, zumal die Verhandlungen über Gewährung von Anzügen und Schuhwerk zur Ergänzung der Arbeitsausrüstung angesichts der allgemeinen Versorgungslage auf besondere Schwierigkeiten stossen[191].




9. Finanzwesen



Staatshaushalt 1944


Die Vorarbeiten für den Haushaltsplan 1944 sind im Gange. Soweit es sich bis heute übersehen lässt, werden die Ausgaben und die Einnahmen ungefähr im gleichen Verhältnis steigen. Das Deckungsverhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen wird sich gegenüber 1943 nicht wesentlich verschieben.


Wegen der Erhöhung der Einnahmen verhandeln z.[ur]Z[ei]t. mit dem frz. Finanzministerium sowohl der Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] als auch der Delegierte der Reichsregierung, Gesandter Hemmen.


Unter den Ausgabeposten, die Beachtung und Überwachung verdienen, stehen mit an erster Stelle die staatlichen Subventionen. Sofern es sich auch in Zukunft nicht vermeiden lassen sollte, Lohn- und Preiserhöhungen durch staatliche Subventionen abzufangen, wird sich dies notgedrungen auf den Haushalt ungünstig auswirken. Augenblicklich sind Erwägungen und Verhandlungen im Gange wegen der Brotpreissubvention (6-7 Mrd. Frs), wegen der Subvention zur Erhöhung der Bergarbeiterlöhne (bisher für Kohle r[un]d 2 Mrd. Frs; die Auswirkungen der neuen Massnahmen sind noch nicht zu übersehen) und wegen der Subvention für Eisenpreise (r[un]d 1 Mrd. Frs).




Tschech.[isches] u.[nd] poln.[isches] Judenvermögen


Auf Grund der Verordnungen des Mil.[itär]Bef.[efehlshabers] vom 15.9.43 ist das tschechische und polnische Judenvermögen dem Deutschen Reich verfallen.


Die Verordnung des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] über das Vermögen ehemals tschechischer Juden(VOBIF S. 554)[192] knüpft an eine deutsche Verordnung vom 2.11.42[193] an. Danach verliert ein protektoratsangehöriger Jude die Protektoratsangehörigkeit mit der Aufgabe seines gewöhnlichen Aufenthaltes im Protektorat. An den Verlust der Staatsangehörigkeit ist der Verfall des Vermögens geknüpft. Das Vermögen von staatenlosen, ehemals protektoratsangehörigen oder tschechoslowakischen Juden ist dem Reich mit der Verlegung des gewöhnlichen Aufenthaltes dieser Juden in das Ausland verfallen.


Die Verordnung über den Verfall des Vermögens ehemals polnischer Juden(VoblF S. 553[194]) knüpft an eine deutsche Verordnung vom 27.12.42[195] an, gemäss welcher das gesamte polnische Vermögen im Deutschen Reich beschlagnahmt ist. Demgemäss wird jetzt das Vermögen aller Juden, die am 1.9.39 Angehörige des ehemaligen polnischen Staates waren, zu Gunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Weitere Voraussetzungen, wie Verlust der Staatsangehörigkeit usw., sind nicht verlangt. Die gleiche Regelung gilt für staatenlose Juden, die zuletzt Angehörige des ehemals polnischen Staates waren.


Wegen der Haftung der Schulden, der Anmeldepflicht von Forderungen, der Feststellung der Voraussetzungen unter Mitwirkung des Höheren SS- und Polizeiführers und wegen der Verwaltung und Verwertung des früheren Judenvermögens durch den Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] gelten die gleichen Bestimmungen, wie sie in der Verordnung vom 2.12.42 für das verfallene, ehemals deutsche Judenvermögen getroffen worden sind[196], nunmehr auch für das ehemals tschechische und ehemals polnische Judenvermögen.




Steuerl.[iche] Überwachung d.[er] d[eu]tsch.[en] Untern.[ehmen] in Fr[an]kr.[eich]


Auf Grund der Verordnung des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] vom 2.12.42 über die Besteuerung deutscher Unternehmen[197] sind über 1000 Anmeldungen eingegangen, karteimässig erfasst und für steuerliche Zwecke ausgewertet. Viele Dienststellen haben umfangreiches Anschriftenmaterial zur Verfügung gestellt, an Hand dessen die Steuerkartei vervollständigt wird. Betriebsprüfungen bei deutschen Unternehmern in Frankreich haben mehrere Millionen RM an Mehrsteuern erbracht. Auch die ordnungsmässige Einbehaltung der Lohnsteuer wurde bei zahlreichen Dienststellen und Betrieben überwacht. Die Prüfungen haben gezeigt, dass auch von deutschen Dienststellen Preise gezahlt und Verdienste zugelassen werden, die weit übersetzt sind. Dadurch fliessen den Unternehmern auf Kosten des Reiches unverhältnismässig hohe Gewinne zu, die bei der angespannten Lage des Besatzungskostenkontos nicht tragbar sind.




Unterstützung d.[er] d.[urch] Bombenangr.[iffe] betroffenen frz. Ziv.[il]Bevölkerung


Durch die Zunahme der anglo-amerikanischen Bombenangriffe auf frz. Gebiet sind die vom Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] zur Linderung der ersten Not der betroffenen frz. Zivilbevölkerung bereitgestellten 200 Mill. Frs restlos verbraucht. Der Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] hat deshalb dem Comité Ouvrier du Secours Immédiat (COSI)[198] im September 1943 aus Mitteln der Judenbusse[199] erneut 100 Mill. Frs zur Verfügung gestellt.




Frz. Metallgeld


Durch ein Gesetz vom 15.9.43 ist die deutscherseits seit langem geforderte Ausserkraftsetzung der frz. Scheidemünzen aus Aluminiumbronze (Stück zu 2 Frs, 1 Frs und 50 Cts) durchgeführt worden[200], so dass nun die in diesen Münzen enthalten gewesenen Buntmetallmengen an die Rü-Industrie abgeführt werden können.




Zollkordon


Seit einiger Zeit macht sich in zunehmendem Masse das Bestreben der frz. Zollverwaltung bemerkbar, den Zollkordon, vor allem an der Schweizer Grenze, aber auch in einzelnen Fällen im Küstengebiet, wiederherzustellen bzw. zu verstärken. Alle von frz. Seite gestellten Anträge, besonders wegen Verstärkung des frz. Zollpersonals im Gebiet des sog.[enannten] Gexer Zipfels[201], wurden im Einvernehmen mit den zuständigen Abwehrstellen abgelehnt.


Zollabfertigungsschwierigkeiten, die sich nach der Besetzung des Gebietes Südfrankreich, vor allem an der frz. Südgrenze, ergeben hatten, konnten im Benehmen mit der frz. Generalzolldirektion beseitigt werden.




III. Wehr- und Rüstungswirtschaft


Wehrwi-Dienststellen[202]


Mit dem Abfall Italiens haben sich die Aufgaben des Wwi-Stabes West[203], des Wwi-O Südfrankreich[204], der Rüstungskontrollkommission und des Wehrmachtserfassungskommandos 9 auf das bisher von den Italienern bes.[etzten] südfrz. Gebiet ostwärts der Rhône ausgedehnt. Im Zuge der Trennung der Wwi- und Rü-Aufgaben wurde die Rü-Kontrollinspektion mit dem 1.9.43 in die Rüstungskontrollkommission umgebildet. Unter Umwandlung der früher bei den italienischen Dienststellen in Grenoble[205] und Avignon[206] eingesetzten Verbindungsoffiziere sind nun Rüstungskontrolloffiziere in Lyon[207], Toulouse[208], Clermont-Ferrand[209], Avignon und Grenoble eingesetzt. Ferner gingen verschiedene Aufgabengebiete, die bisher von den Wwi-Dienststellen im Bereich des Wwi-Stabes zu bearbeiten waren, auf die Rüstungsdienststellen über.


Die Unterstützung der Arbeiten des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] - Ia/Mil.[itär]Geo[graphie] - durch Wwi-Stab West wurde in verstärktem Umfange durchgeführt. Hierbei werden in Verbindung mit der Mil.[itär]Verw.[altung] gleichzeitig die in den erkundeten Wwi Objekten vorhandenen Bestände an Mangelgütern aller Art überschläglich ermittelt.


Die Wwi-O wurden in die Kontrolltätigkeit des Sonderbeauftragten der Wehrmacht für das Pulver- und Sprengstoffwesen in Frankreich (Wwi-Stab West) eingeschaltet.


Das in Südfrankreich eingesetzte Wehrmachtserfassungskommando 9 hat bis Ende September 1943 insges.[amt] 6715 Waggons mit 85 813 t Beute- und Wwi-Güter, davon 39 075 t NE-Metalle[210], zum überwiegenden Teil aus Staatsbetrieben, abtransportiert. Von insges.[amt] erfassten 31 350 Werkzeugmaschinen wurden bis Ende Aug.[ust] 899 Stück verladen (davon 827 ins Reich für Simonisaktion[211] und Panzerprogramm[212]). 330 Waggons mit 4660 t Industriehallen und Holzbaracken gingen teils ins Reich, teils an die Luftwaffenbauleitung in Südfrankreich. Die Erkundung von Privatfirmen, Eisenbahnlagern, Luftwaffenbetrieben und die Nacherkundungen von Staatsbetrieben gehen planmässig weiter. Aus dem ehemaligen italienischen Kontrollgebiet ist mit einem erheblichen Anfall von Mangelgütern zu rechnen.


Das im Küstengebiet des Mil.[itär]Bef.[ehlshabers] eingesetzte Wehrmachtserfassungskommando 3 hat 154 879 t Walzwerkserzeugnisse, 6460 t NE-Metalle und 3650 Maschinen und Motore erkundet. Mit dem Abtransport von NE-Metallen ist begonnen. Im Rahmen der Simonisaktion wurden 410 Werkzeugmaschinen abgesandt. Mit dem Abbau der für den Einsatz im Reich bestimmten Ölmühle Lessieur in Kerk bei Dünkirchen[213] wurde begonnen.


Im Benehmen mit dem Heereswaffenamt Paris und dem Oberfeldzeugstab West wurde die Verwendung der im ehemaligen italienischen Kontrollbereich vorgefundenen Beutepulver und -sprengstoffe für die deutsche Rüstungsfertigung in Frankreich geregelt. Die chemischen Vorprodukte aus der Beute übernimmt, soweit sie nicht vom Heereswaffenamt beansprucht werden und der frz. laufenden Fertigung dienen, der Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] Der grösste Teil der in Pont-de-Claix[214] erbeuteten Kampfstoffmunition wird verschrottet (voraussichtlicher Anfall von etwa 10 000 t Eisenschrott). Die Rüstungskontrolltätigkeit (DWStK[215]-Aufgaben) wurde im alten deutschen Kontrollbereich (Südfrankreich westlich der Rhône) fortgesetzt. Die Auflösung der Stockierungs- und Blockierungs-Lager wurde weitergeführt. Es wurden wie bisher Betriebe auf verbotene Fertigung überprüft und die noch vorhandenen Lager und plombierten Betriebsmittel überwacht.


Im bisher italienischen Kontrollbereich (Südfrankreich östlich der Rhône) wurde das Aktenmaterial der Italiener zum grössten Teil sichergestellt. Mit der Erkundung der bisher italienischen Stockierungslager und der Firmen (r[un]d 800) im Gebiet östlich der Rhône ist begonnen worden. Die Weiterfertigung der von Italien in das ehemalige italienische Kontrollgebiet verlagerten Wehrmachtaufträge wurde angehalten, die daraus anfallenden Fertig- und Teilfabrikate werden stockiert.


An in Frankreich ungesetzlich gehorteten Treibstoffbeständen wurden in Verbindung mit der Mil.[itär]Verw.[altung] und dem SD[216] 21 108 cbm Vergaserkraftstoff und 7 215,8 t Schmieröl erfasst und, soweit Beute, den Besatzungstruppen zugeleitet, die übrigen Mengen durch Mil.[itär]Bef.[ehlshaber] für die frz. Wirtschaft verwandt.


Im Benehmen mit dem Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion wurde die Entscheidung des OKW herbeigeführt, dass bei der Ausnutzung der Wehrwirtschaft der besetzten Gebiete der Sofortbedarf der kämpfenden Truppeden Vorrang hat. Erhebliche Mengen Halb- und Fertigfabrikate und eine grössere Anzahl Werkzeugmaschinen aus Beutebeständen südfrz. Staatsbetriebe wurden den Westarmeen zugeteilt.




Der Militärbefehlshaber


in Frankreich


Abt. MVZ



[Stempel: Geheim!]



Anlagen


zum


Lagebericht über Verwaltung und Wirtschaft


Juli/September 1943




Anlagen-Verzeichnis



1.


Arbeitsbericht des Deutschen Roten Kreuzes Juli/September 1943


2.


Verzeichnis der wichtigsten im "Journal Officiel" veröffentlichten franz. Gesetze


3.


Französische Staatsverschuldung



Verfügungen über das Besatzungskostenkonto



Börsenindexziffern der Pariser Börse


4.


Aufbringung von Lebens- und Genussmitteln für die Wehrmacht und das Reich



Stand der Kolophonium- und Terpentinöllieferungen


5.


Überblick über die frühere Einfuhrabhängigkeit Frankreichs



Eisenerzförderung und Versand aus West-, Mittel- und Südfrankreich



Verteilung der Gesamtbelieferung Frankreichs mit Kali


6.


Verteilung der Gesamtbelieferung Frankreichs mit Kali (Fortsetzung)



Monatsliefersoll und tatsächliche Lieferungen an K20



Die Entwicklung der Produktionsverhältnisse bei den Salzsalinen ab 1.1.43


7.


Die Entwicklung der Verbrauchskontingente sowie des Nachschubs an Mineralöl



Die Erzeugung von Eisen und Stahl in den Monaten Juni bis einschl. August 1943



Erzeugung und Versand der Giessereien


8.


Abtransporte nach Deutschland im Rahmen des Metallplans



Zuteilung von Bezugscheinen zum Ankauf von Neuschuhwerk.





Anlage 4



Aufbringung von Lebens- und Genussmitteln für die Wehrmacht und das Reich



Warenart



1940/41


t


1941/42


t


1942/43


t


Brotgetreide


550 000+


485 000


714 454


Futtergetreide


603 000+


458 000


685 775


Heu


445 000+


326 000


391 482


Stroh


716 000


243 000


379 007


Kartoffeln


-


-


296 395


Fleisch


165 996


140 004


227 266


Fett


10 000


2 000


27 3251)


Käse


5 000


7 700


12 327


Gemüse


101 260


98 065


106 648


Obst


221 575


59 415


270 5382)


Samen und Saaten


3 436


5 918


14 971


Wein


2 013 341 hl


2 797 324 hl


4 944 537 hl


+ Zahlen z.T. geschätzt.


1) einschl.[ießlich] Kolonialöle


2) einschl.[ießlich] 153 000 t Äpfel für Alkoholgewinnung.




Stand der Kolophonium- u.[nd] Terpentinöl-Lieferungen





t


Kolophinium:


Abschlussmenge


33 000



Lieferungen im Berichtszeitraum


4 400



sodass noch zu liefern sind


28 600





Terpentinöl:


Abschlussmenge


9 000



Lieferungen im Berichtszeitraum


2 900



sodass noch zu liefern sind


6 100



Lagerungsschwierigkeiten im Reich liessen eine an sich möglich gewesene höhere Lieferung leider nicht zu.




[1] Carl Heinrich von Stülpnagel.


[2] Militärverwaltung, Zentralabteilung Gruppe Z 3, Presse und Propaganda.


[3] Eingangsstempel: V.O. d. Mil.Bef. Belgien u. Nordfr. B. Mil.Bef. Frankreich, 30. Nov. 1942 [sic! Richtig: 1943] Br.B.Nr. 3446/43 geh.; Stempelaufdruck: Geheim!


[4] Unterschrift: von Stülpnagel.


[5] Vgl. hierzu die Verteiler zum Lagebericht November 1940 bzw. Januar/März 1943.


[6] Oberkommando des Heeres.


[7] Generalquartiermeister Eduard Wagner.


[8] Oberkommando der Wehrmacht.


[9]Wehrmacht-Führungsstab/Quartiermeister.


[10] Wehrwirtschaftsamt im Oberkommando der Wehrmacht.


[11] Adjudantur Chef des Generalstabs des Heeres.


[12] Zentralabteilung im Generalstab des Heeres.


[13] Operationsabteilung.


[14] Organisationsabteilung.


[15] Oberkommando des Heeres, Verwaltungsamt.


[16] Chef des Heeres-Nachrichtenwesens.


[17] Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres Friedrich Fromm.


[18] Walter Scherff.


[19] Amt Ausland-Abwehr.


[20] Abteilung Kriegsgefangene.


[21] Generalstab [vormals Kommandostab] einschließlich Propaganda-Abteilung Frankreich.


[22] Militärverwaltung.


[23] General Erwin Vierow, Befehlshaber im Bezirk Nordwestfrankreich, vormals Militärverwaltungsbezirk A. Er hatte Generalleutnant von der Lippe am 1.7.1943 abgelöst.


Erwin Vierow (1890-?). General der Infanterie. 1910 Leutnant. 1914/18 Kriegsteilnahme. Reichswehr. 1939 Chef des Generalstabs des XI. Armeekorps im Polenfeldzug, anschließend Kommandeur der 96. Infanteriedivision am Westwall. 1940 Kommandeur der 9. Infanteriedivision im Frankreichfeldzug. 1941 Kommandierender General des LV. Armeekorps an der Ostfront. 1943 mit der Führung des XX. Armeekorps an der Ostfront beauftragt. 1.7.1943 Befehlshaber im Bezirk Nordwestfrankreich. Sommer 1944 Kommandierender General des Generalkommandos Somme, September 1944 in westalliierte Kriegsgefangenschaft


[24] Generalleutnant Kurt Feldt, Befehlshaber im Bezirk Südwestfrankreich, vormals Militärverwaltungsbezirk B.


[25] Generalmajor Wilhelm Hederich, Befehlshaber im Bezirk Nordostfrankreich, vormals Militärverwaltungsbezirk C.


[26] Kommandant von Gross-Paris Hans Freiherr von Boineburg-Lengsfeld.


[27] Feldkommandanturen.


[28] Höherer SS- und Polizeiführer im Bereich des Militärbefehlshabers Frankreich Carl-Albrecht Oberg.


[29] Wehrwirtschaftsstab West.


[30] Rüstungs- und Beschaffungsstab Frankreich.


[31] Höherer Nachrichtenführer Frankreich Friedrich Kersten.


[32] Oberquartiermeister West Josef Windisch.


[33] Hauptverkehrsdirektion Paris.


[34] Oberbefehlshaber West Gerd von Rundstedt.


[35] Waffenstillstandskommission.


[36] Kommandierender Admiral Frankreich, vgl. hierzu den Hinweis zum Verteiler des Lageberichts Oktober/Dezember 1942.


[37] Luftgaukommando Westfrankreich.


[38] Militärbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich Alexander von Falkenhausen.


[39] Handschriftliche Einfügung.


[40] Friedrich-Carl Hanesse.


[41] Richtig: Stuckart.


[42] Martin Bormann (1900-1945). Reichsleiter. 1924 wegen Beteiligung an einem Fememord zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 1925 Mitglied der NSDAP. 1927 Gaupropagandaleiter in Thüringen. 1933 Stabsleiter des Stellvertreters des Führers, Rudolf Hess. Oktober 1933 Reichsleiter. 1938 Mitglied von Hitlers Persönlichem Stab. 1941 Reichsminister und Leiter der Parteikanzlei. 1943 Ernennung zum "Sekretär des Führers". 1945 von Hitler testamentarisch zum Parteiminister in der Regierung Dönitz bestimmt, begeht Bormann am 2. Mai 1945 auf der Flucht aus der Reichskanzlei in Berlin Selbstmord.


[43] Dr. Gerhard Klopfer (1905-1987). Jurist und Beamter. 1933 Eintritt in die NSDAP, 1935 in die SS. 1939 Ministerialdirigent, 1941 Ministerialdirektor, 1942 Staatssekretär in der Parteikanzlei. Nach dem Krieg Tätigkeit als Bergmann und Schreiner, dann erneute Zulassung als Anwalt.


[44] Eingangsstempel: V.O. d. Mil.Bef. Belgien u. Nordfr. B. Mil.Bef. Frankreich, 30. Nov. 1942 [sic! Richtig: 1943] Br.B.Nr. 3446/43 geh.; Stempelaufdruck: Geheim!


[45] Vgl. hierzu den Lagebericht April/Juni 1943, I.


[46] Zur Verpflichtung der Studenten zum Arbeitseinsatz in Deutschland vgl. den Lagebericht April/Juni 1943, I 2.


[47] Vgl. dazu auch den Lagebericht Oktober/Dezember 1943, I 2.


[48] Vgl. Journal Officiel vom 15. April 1943, S. 1033f.: Décret n° 921 du 12 avril 1943 relatif à l'interdiction de certains livres scolaires. Mit der Überwachung des Gesetzes wurden beauftragt: M. Cholley (Literaturprofessor in Paris), M. Charmet (Lehrer am Lycée Henri IV), M. Echochard (Lehrer am Lycée Pasteur in Neuilly-sur-Seine). Zur Kontrolle der Lehrmittel für die Elementarstufe wurden eingesetzt: Mme Étienne (Lehrerin am Lycée Fénelon) sowie M. Charmet, vgl. Journal Officiel vom 14. August 1943, S. 2137: Commission chargée d'interdire certains livres scolaires. Als Grundlage des Verbots diente das Dekret vom August 1940, vgl. Journal Officiel vom 23. August 1940, S. 4761: Décret relatif à l'établissement des livres autorisés dans les écoles primaires.


[49] Nach ihrer Stationierung in Großbritannien im Sommer 1942 hatte die 8. amerikanische Luftflotte zunächst nur vereinzelt Angriffe gegen Ziele in Frankreich geflogen. Das Ende der Kämpfe in Nordafrika eröffnete die Möglichkeit, auch die dortigen Flughäfen zu nutzen. Amerikanische und zum Teil auch britische Bomberverbände waren nun nicht mehr gezwungen, nach einem Einsatz nach Großbritannien zurückzukehren. Statt die im Westen des Reiches konzentrierte Luftverteidigung erneut überwinden zu müssen, flogen sie nach Nordafrika weiter, von wo sie nach Landung und Versorgung auf dem Rückflug zu einem weiteren Angriff auf Ziele im Reich, Italien, dem Balkan und in Frankreich starteten. Zu den Auswirkungen auf die Bevölkerung s. Dominique Veillon, Vivre et survivre en France 1939-1947, Paris 1995, S. 265-272.


[50] Departement Loire-Inférieure.


[51] Departement Ille-et-Vilaine.


[52] Departement Calvados.


[53] Departement Indre-et-Loire.


[54] Departement Haute-Garonne.


[55] Nantes wurde am 16. und 23. September 1943 von amerikanischen Bomberverbänden angegriffen. Zum Ausmaß der Zerstörungen s. die Abbildungen in: Frank Chantepie, Nantes et la Loire-Inférieure dans la guerre 1940-1944. La vie quotidienne sous l'occupation, Le Coteau 1987, S. 41-59.


[56] Am 3. September 1943 hatte die italienische Regierung unter General Badoglio in Cassibile auf Sizilien mit den Alliierten ein geheimes Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Nach der Bekanntgabe des Abkommens durch den Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, General Dwight D. Eisenhower (1890-1969) am Nachmittag des 8. September 1943, liefen im Gegenzug die deutschen Maßnahmen zur Besetzung des Landes ("Fall Achse") an.


Pietro Badoglio (1871-1956). Italienischer Marschall und Politiker. 1896 Kampfeinsatz in Afrika, 1911/12 in Libyen, 1916 General, 1919-1921 Generalstabschef, 1924 Einsatz in Brasilien, 1928-1933 Gouverneur von Libyen, 1935 Oberbefehlshaber in Abessinien, 1936/37 Vizekönig, Vizegouverneur von Italienisch-Ostafrika, Marchese von Sabotino und Herzog von Addis Abeba, im Zweiten Weltkrieg Generalstabschef, November 1940 Rücktritt, Auftrag zur Regierungsbildung nach Sturz Mussolinis, 13. Oktober 1943 Kriegserklärung an Deutschland, Juni 1944 Rücktritt, 1947 Ausschluß aus dem Senat wegen Teilnahme am Faschismus, 1948 rehabilitiert.


[57] Generalleutnant Heinrich Niehoff.


[58] Departement Rhône.


[59] Zu dieser Ausstellung, die im August 1943 in den Archives nationales durchgeführt wurde, vgl. unter anderem die Erinnerungen des damaligen Chefs der deutschen Archivschutzkommission in: Inventar von Quellen zur deutschen Geschichte in Pariser Archiven und Bibliotheken, bearbeitet von einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Georg Schnath, hg. von Wolfgang Hans Stein, Koblenz 1986, S. XXI.


[60] Departement Calvados.


[61] Departement Bouches-du-Rhône.


[62] Vgl. den Lagebericht April/Juni 1943, I 2.


[63] Vgl. Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 25 vom 27. März 1941, S. 199-200: Zweite Verordnung über die Erhaltung von Kunstschätzen im besetzten Gebiete Frankreichs. Vom 3. März 1941.


[64] Departement Bouches-du-Rhône.


[65] Zum Kauf der Fahrzeuge vgl. den Lagebericht April/Juni 1943, I 3.


[66] Nahverkehrsbevollmächtigte.


[67] Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps.


[68] Vgl. Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 85 vom 29. März 1943, S. 478-479: Verordnung über Kraftfahrzeug-Abrechnung und -Betreuung. Vom 19. März 1943.


[69] Organisation Todt.


[70] Im Reichsgesetzblatt findet sich kein Hinweis auf eine Neufassung des Wehrmachttarifes ab dem 1.10.1943; am 30. März 1943 wurde jedoch ein Gesetz zur Ergänzung des Reichsbesoldungsrechts und des Reisekostenrechts veröffentlicht, vgl. Reichsgesetzblatt, Teil I, Nr. 38 vom 12. April 1943, S. 189ff.: Reichsbesoldungsverordnung C (Soldaten der Wehrmacht), Anlage 3, Änderung 30.3.1943: Art. I §1 Nr. VI.


[71] Personenkraftwagen.


[72] Polizeiliches Kfz-Kennzeichen im Bereich des Militärbefehlshabers Frankreich für nicht wehrmachteigene Fahrzeuge bei deutschen Behörden.


[73] Vgl. Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 88 vom 20. April 1943, S. 516: Zweite Verordnung über die Benutzung von Kraftfahrzeugen mit reichsdeutschen amtlichen Kennzeichen. Vom 13. Januar 1943.


[74]Heeres-Kraftfahrpark-Werkstätten.


[75] Mobilmachungs-Vorbereitungen.


[76] Durchgangsstraßennetz (auch A-Straßennetz genannt). Das B-Straßennetz bezeichnete die wichtigsten Querverbindungsstraßen der militärisch bedeutsamen Durchgangsstraßen.


[77] Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt.


[78] Generalbevollmächtigter für die Regelung der Bauwirtschaft, Albert Speer.


[79] Eventuell Erich Stud (1888-?). Generalleutnant. 1908 Leutnant. 1914/18 Kriegsteilnahme. Reichswehr. 1939 Chef Amtsgruppe Industrielle Rüstung im OKH. 1942 Inspekteur einer Rüstungskontrollinspektion. Februar 1943 Kommandierung zum Reichsministerium für Bewaffnung und Munition. Mai 1943 bis Oktober 1944 Chef des Rüstungs- und Beschaffungsstabes Frankreich.


[80] Erwin Vierow.


[81] Wilhelm Hederich.


[82] Name nicht ermittelt.


[83] Nachdem General Eisenhower am Nachmittag des 8. September 1943 den Abschluß eines Waffenstillstandes der Alliierten mit Italien verkündet hatte, liefen die seit Wochen vorbereiteten deutschen Gegenmaßnahmen ("Fall Achse") an. Die italienische Armee wurde überall entwaffnet und gefangengenommen, z.T. auch entlassen. Rom wurde von deutschen Truppen besetzt. In Südfrankreich rückte die 19. Armee in die seit dem November 1942 bis zur Rhône erweiterte italienisch besetzte Zone ein.


[84] Nähere Einzelheiten nicht ermittelt.


[85] In der Nacht vom 13. zum 14. September 1943 waren Frei-Französische Truppen auf der Insel gelandet. Am 5. Oktober räumten die letzten deutschen Truppen die Insel, am 8. Oktober 1943 traf General de Gaulle in Ajaccio ein.


[86] Nach der Flucht des Generals Lattre de Tassigny aus dem Gefängnis in Riom (Departement Puy-de-Dôme) am 3. September 1943 wurden alle in der ehemaligen besetzten Zone wegen kommunistischer, terroristischer, anarchistischer oder subversiver Delikte verurteilten Gefangenen in den Haftanstalten La Petite Roquette (Paris) und Rennes (Ille-et-Vilaine) - wo vor allem die Frauen inhaftiert waren - zusammengefasst.


[87] Am 26. Oktober 1943 ordnete René Bousquet an, alle wegen politischer Vergehen verurteilten Häftlinge in der Südzone - analog zu den Maßnahmen in der ehemals besetzten Zone im Norden - in der Haftanstalt von Eysses bei Villeneuve-sur-Lot (Departement Lot-et-Garonne) und alle Angeklagten in den Gefängnissen von Châlons-sur-Marne (Marne), Blois (Loire-et-Cher) bzw. La Santé in Paris zusammenzulegen.


[88] Name nicht ermittelt.


[89] Georges Casimir Hilaire (1900-1976). Freund und politischer Mitstreiter Lavals. 1942 secrétaire général à l'Administration au ministère de l'Intérieur. Seit Mai 1942 von Reinhard Heydrich beauftragt, die Einführung des RSHA im besetzten Gebiet zu erleichtern. 1944 Secrétaire générale aux Beaux-Arts. 1947 von der Haute Cour zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt.


[90] Anlage nicht aufgenommen. Die Verfügungen über das Besatzungskostenkonto betrugen in RM:


Bar RKK Paris


6 107 058 000,--


Bar RKK übriges Frankreich


5 969 502 000,--


Überweisungen der Wehrmacht


3 768 561 013,95


Von Bank v.[on] Frankreich eingel.[öste] Scheine u.[nd] Münzen


2 024 167 799,80


Von Bank v.[on] Frankreich eingel.[öste] Reichsmünzen


5 443 475,44


Eingel.[öste] Empfangsbescheinigungen


69 606 546,48


Von Bank v.[on] Frankreich den evak.[uierten]


Els.[ässern] und Lothr.[ingern] umgetauschte RM



901 846,--


Sonstige Virements für auf RKK gezogene Schecks


4 076 106 487,64



22 021 347 169,31



[91] Departement Bouches-du-Rhône.


[92] Vgl. dazu unten Anlage 4.


[93] Vgl. Journal Officiel vom 13. August 1943, S. 2123-2124: Arrêté du 3 août 1943 relatif à l'accélération de la manutention des wagons complets.


[94] Wirtschafts-Transporte.


[95] Name nicht ermittelt.


[96] Güter, die für den Transport mit Offenen Güterwagen geeignet sind.


[97] Güter, die für den Transport mit Rungen-Wagen geeignet sind.


[98] Allgemeine Wirtschaftstransportgüter.


[99] Richtig: Montceau-les-Mines, Departement Saône-et-Loire.


[100] Departement Seine-Inférieure.


[101] Hermann Göring.


[102] Vgl. Verordnungsblatt für die besetzten französischen Gebiete Nr. 1 vom 4. Juli 1940, S. 33-35: Verordnung betreffend das feindliche Vermögen in den besetzten Gebieten der Niederlande, Belgiens, Luxemburgs und Frankreichs (Feindvermögens-Verordnung), 23. Mai 1940.


[103] Anlage nicht aufgenommen. Demnach belief sich die Förderung bei Eisenerz in t



Westfrankreich


Förderung


Versand


Juli


118 764 t


120 746


August


107 470


99 803


September


94 728


105 530





Mittel- und Südfrankreich


phosphorarme, manganhaltige Eisenerze




Juli


12 627



August


13 000



September


12 700




[104] Departement Isère.


[105] Anlagen nicht aufgenommen


[106] Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika am 7. November und der Unterzeichnung des Abkommens in Algier zwischen dem amerikanischen General Clark und Admiral Darlan vom 22. November 1942 hatten sich als letzte der großen französischen überseeischen Besitzungen Französisch Westafrika (23.11.1942) und die Insel La Réunion (30.11.1942) von der Regierung in Vichy losgesagt.


[107] Anlage nicht aufgenommen. Die Verbrauchskontingente und der Nachschub an Mineralöl entwickelten sich wie folgt:




3. Qu.41


3. Qu. 42


3 Qu. 43


Rückgang


Vergaserkraftstoff


Verbrauchskontingente


83 110


45 100


27 250


40%


Benzin, Benzol, Alkohol


Einfuhr


31 600


15 000


7 500


50%








Dieselkraftstoff


Verbrauchskontingente


83 230


20 275


17 360


15%



Einfuhr


33 550


14 000


12 000


14%








Heizöl


Verbrauchskontingente


40 960


11 000


4 345


60%



Einfuhr


24 700


7 500


-









Schmieröl


Verbrauchskontingente


26 200


20 200


24 000




die Kontingente sind gedeckt durch







Nachschub


-


10 000


13 000




Bestand


23 900


7 400


5 800




Produktion


2 300


2 800


5 200




[108] Am 1. August 1943 griffen amerikanische Bomber der 9. USAAF das rumänische Erdölgebiet von Ploesti an. Aufgrund der geringen Wirkung und der hohen eigenen Verluste erfolgte der nächste Angriff erst am 5.4.1944.


[109] Rüstungs- und Vorzugsbetriebe.


[110] Anlage nicht aufgenommen. Demnach wurden von Juni bis August 1943 insgesamt in Frankreich produziert (in Klammern die Vergleichszahlen für März bis April 1943): Giesserei- Roheisen 71 006 t (83 549 t); Rohstahl 418 237 t (416 920 t), Walzwerkserzeugnisse 311 649 t (325 589 t).


[111] Oberfeldkommandantur 670 (Lille).


[112] Anlage nicht aufgenommen.


[113] Name nicht ermittelt.


[114] Richtig: Batignolles. Gemeint ist hier offenkundig der Güterbahnhof im Norden von Paris.


[115] Departement Loire-Inférieure.


[116] Richtig: Caille, Departement Alpes-Maritimes.


[117] Departement Nord.


[118] Jean Bichelonne.


[119] Durch den Verlust Nordafrikas standen Frankreich nur noch die Naturkautschuk-Produktion in Indochina zur Verfügung.


[120] Der Transport von Japan nach Frankreich, der bislang von deutschen Frachtschiffen als Blockadebrecher sichergestellt worden war, sollte nach deren weitgehender Vernichtung im Jahre 1942 künftig durch U-Boote sichergestellt werden. Neben dem Bau größerer, eigens für diesen Zweck ausgelegter Boote, sollten hierbei zunächst die in den französischen Häfen nach der Kapitulation beschlagnahmten italienischen U-Boote als UIT-Boote (Untersee-Italien-Transport) verwendet werden.


[121] Nähere Einzelheiten nicht ermittelt.


[122] Vgl. hierzu den Tätigkeitsbericht der Abt. Gewerbliche Wirtschaft (Wi II K 1) Lederwirtschaft, BA-MA (Freiburg) RW 35/261.


[123] Anlage nicht aufgenommen.


[124] Zu den Augaben des Service des Constructions Provisoires, den die Vichy-Regierung per Gesetz vom 12.7.1941 eingerichtet hatte, gehörte: "La fabrication, la mise en place et l'entretien des bâtiments provisoires destinés soit à l'habitation, soit au commerce, soit à la petite industrie ou à l'agriculture, soit à l'installation temporaire des services publics, ainsi que les travaux de visibilité indispensables." Vgl. Journal Officiel vom 16. August 1941, S, 343f.: N° 3089 - Loi du 12 juillet 1941 relative à la construction, à l'implantation et à l'aménagement d'abris provisoires.


[125] Vgl. hierzu Journal Officiel vom 25. Juni 1943, S. 1738-1740: Décret n° 1618 du 21 juin 1943 portant création d'un comité général d'organisation industries et commerces de la récupération des déchets et vieilles matières. Die Sammlung von Tierabfällen fiel in die Zuständigkeit des Comité "matières diverses".


[126] Landwirtschaftsführer.


[127] Vgl. hierzu auch Journal Officiel vom 15. September 1943, S. 2439f.: Décret n° 2513 du 13 septembre 1943 portant création d'un comité consultatif de l'élevage.


[128] Kurt Feldt.


[129] Die deutsche Militärverwaltung hatte die "Reichsland-GmbH", die aus der "Ostdeutsche Landbewirtschaftungs-GmbH" (Ostland) hervorgegangen war, mit dem Ziel eingerichtet, die französischen Güter und Landwirtschaftsbetriebe besser zu bewirtschaften und zu verwalten, wobei sie z.T. Saatgut, Maschinen und Pferde stellte. Die Reichsland GmbH unterstand der Aufsicht der Abteilung Ernährung und Landwirtschaft des Militärbefehlshabers und war in Wirtschaftsoberleitungen aufgeteilt. Zu ihrer Aufgabe gehörte die Unterstützung der deutschen Landwirtschaft durch Sonderlieferungen oder durch die Verlegung von Viehherden in das Nordostgebiet. Ferner wies sie die französischen Bauern zu rationelleren Anbaumethoden an und schuf daher Beispielbetriebe unter französischer Leitung.


[130] Vgl. Journal Officiel vom 5. September 1943, S. 2341: Loi n° 479 du 20 août 1943 réprimant la destruction des récoltes ou du matériel de battage.


[131] Zur Entwicklung der Lebensmittelrationen im August, September und Oktober vgl. Journal Officiel vom 25. Juli 1943, S. 1970-1972: Arrêté du 12 juillet 1943 relatif au taux des rations pour le mois d'août 1943 sowie vom 27. August 1943, S. 2258-2259: Arrêté du 23 août relatif au taux des rations pour le mois de septembre 1943 und vom 26. September 1943, S. 2535-2537: Arrêté du 24 septembre 1943 relatif au taux des rations pour le mois d'octobre 1943.


[132] Vgl. hierzu auch den Lagebericht Oktober/Dezember 1943, II 3, Versorgung.


[133] Vgl. Journal Officiel vom 29. Oktober 1943, S. 2797: Arrêté du 10 octobre 1943 relatif à la fixation du taux d'extraction des farines de blé et de seigle.


[134] Es handelte sich um spezielle Zulagen für Arbeiter mit einer Schichtdauer von 10 und mehr Stunden pro Tag.


[135] Vgl. Betr.: Verpflegung der im deutschen Interesse tätigen französischen Arbeiter in Frankreich, Schreiben Wi III/2 Az.342/0 des MBF vom 2.10.1943, BA-MA (Freiburg). RW 35/755.


[136] Im Juli 1943 wurden die Fleischrationen von 120g auf 90g pro Woche gesenkt. Vgl. Journal Officiel vom 23. Juni 1943, S. 1711: Arrêté du 18 juin 1943 relatif aux taux des rations pour le mois de juillet 1943.


[137] Nähere Einzelheiten nicht ermittelt.


[138] Durch die zunehmende Luftüberwachung in der Biscaya wurde das ungehinderte Auslaufen von Hochseefischkuttern zunehmend erschwert, im Küstenbereich wiederum brachte das Ausbringen von immer neuen Minenfeldern im Zuge der Vorbereitungen zur Abwehr einer alliierten Landung die Fischerei langsam zum Erliegen.


[139] Departement Ardennes.


[140] Demarkationslinie.


[141] Departement Vienne.


[142] Departement Deux-Sèvres.


[143] Kriegsgefangene.


[144] Departement Gironde.


[145] Festmeter.


[146] FK 669 (Dijon), Departement Côte-d'Or.


[147] FK 661 (Vesoul), Departement Haute-Saône.


[148] Departement Landes.


[149] Funkmesssysteme war die deutsche Bezeichnung für Radargeräte.


[150] Vgl. Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 95 vom 5. August 1943, S. 546-548: Erste Verordnung zur Regelung der Beschaffung von Unterkunftsgeräten für deutsche Bedarfsträger. Vom 27. Juli 1943.


[151] Vgl. unten Anlage 4.


[152] Monatlich.


[153] Vgl. Journal Officiel vom 8. August 1943, S. 2080f.: Loi n° 401 du 3 août 1943 relative à la vente et à la circulation des eaux-de-vie de Cognac et d'Armagnac sowie Journal Officiel vom 22. August 1943, S. 2216: Arrêté du 29 juillet 1943 réglementant la vente des produits de pépicières, de vignes, d'arbres et arbustes. Vgl. auch Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 30 vom 20. April 1941, S. 245: Verordnung über den Verkehr mit bezugsbeschränkten Lebens-, Genuß- und Futtermitteln. Vom 9. April 1941.


[154] Vgl. den Lagebericht April/Juni 1943, II 5.


[155] Elmar Michel.


[156] Vgl. Journal Officiel Nr. 193 vom 13. August 1942, S. 2782: Arrêté du 30 juin 1942 relatif aux prohibitions de sortie et aux engagements de non-réexportation et tableaux annexés.


[157] Anlage nicht aufgenommen. Während Frankreich 1938 Waren im Gegenwert von 45 981 163 000,- Frs. einführt und für 30 585 730 000,- Frs. ausführte, betrugen die Vergleichszahlen 1943 bei den Einfuhren: 9 663 382 000,- Frs. und bei den Ausfuhren 22 833 861 000,- Frs.


[158] Vgl. hierzu sowie im folgenden auch die Lageberichte Januar/März 1943, II 5 bzw. April/Juni 1943, II 5. Der Vertrag mit Schweden wurde schließlich am 26.11.1943 verlängert. Mit der Schweiz wurde am 1.7.1943 ein Vertrag geschlossen.


[159] Frankreich hatte am 1. Juli 1943 mit der Schweiz einen neuen Vertrag über den Auswärtigen Warenverkehr geschlossen.


[160] Mit Ungarn schloß Frankreich am 31.10.1943 einen neuen Vertrag über den Auswärtigen Warenverkehr.


[161] Mit Rumänien hatte Frankreich bereits am 4.3.1943 einen neuen Vertrag über den auswärtigen Warenverkehr geschlossen.


[162] Name nicht ermittelt.


[163] Unter Hinweis auf die Entwertung des Franc und die damit einher gehenden Preissteigerungen hatte der Leiter der Handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes unmittelbar nach der Besetzung Südfrankreichs eine Erhöhung der Besatzungskosten gefordert, vgl. die Aufzeichnung Wiehl vom 24.11.1942, abgedruckt in Ludwig Nestler (Hg.), Die faschistische Okkupationspolitik in Frankreich, Berlin 1990, Dok. 145, S. 239. Mit Wirkung vom 1.1.1943 wurde Frankreich daraufhin zu täglichen Zahlungen in Höhe von 25 statt wie bisher 15 Mill. RM verpflichtet. Zu den finanziellen Auswirkungen auf den französischen Staatshaushalt vgl. die warnende Stellungnahme der Deutschen Bank vom 13.9.1943, ebenda, Dok. 189, S. 280.


Emil Wiehl (1886-1960). Diplomat. 1919 Staatsanwalt in Konstanz. 1920 Übernahme in den Auswärtigen Dienst. 1921 Legationssekretär in London, 1925 in Washington. 1927 Generalkonsul in San Francisco. 1929 Vortragender Legationsrat im Auswärtigen Amt. 1937-1944 Ministerialdirektor und Leiter der Handelspolitischen Abteilung.


[164] Anlage 3 nicht aufgenommen. Die Verschuldung entwickelte sich wie folgt:


Art der Schulden:


31.12.42


31.3.43


30.6.43


31.7.43


31.8.43



Dette Perpetuelle


44 302


44 301


44 301


44 301


44 301


Dette à long terme


amortisable


243 097


259 330


268 674


268 505


278 300


Dette remboursable


par annuités


62 784


62 371


66 237


66 202


66 173


Dette à moyen et


à court terme


421 065


437 192


463 093


472 889


478 750


Dette envers les


banques d'Émission


293 431


318 129


346 548


354 104


363 581



1 066 679


1 121 323


1 188 853


1 206 001


1 231 105



[165] Departement Puy-de-Dôme. 1940 hatte die Banque de France nach der Besetzung von Paris ihren Sitz in die Nähe der Regierung in Vichy verlegt.


[166] Zu den Sitzungen vgl. die Serie der Procès-verbaux des séances du conseil général (PVCG) in den Archives de la Banque de France (ABDF).


[167] Vgl. Journal Officiel vom 21. August 1943, S. 2206: Loi n° 463 du 14 août 1943 relative au rôle de la Banque nationale française du commerce extérieur en matière d'assurance-crédit.


[168] Anlage nicht aufgenommen.


[169] Pierre Cathala.


[170] Vgl. Journal Officiel vom 17. September 1943, S. 2453: Loi n° 446 du 20 juillet 1943 relative à la liquidation des opérations au comptant demeurées en suspens dans les bourses de valeurs à parquet.


[171] Nähere Einzelheiten nicht ermittelt.


[172] Nähere Einzelheiten nicht ermittelt.


[173] Vgl. den Lagebericht April/Juni 1943, II 7.


[174] Zur Kohlepreiserhöhung vom 16.2.1943 vgl. den Lagebericht Januar/März 1943, II 7.


[175] Die deutschen Dienststellen hatten von Beginn der Besatzung an versucht, auch über den Schwarzmarkt Mangelgüter aus Frankreich zu beziehen, wobei sie sich der von Frankreich im Rahmen der Besatzungskosten zur Verfügung gestellten Geldmittel bedienten. Mit Erlaß vom 13. Juni 1942 hatte Göring seinen Vertrauten, Oberst a.D. Veltjens damit beauftragt, mit der Einrichtung einer eigenen Überwachungsstelle (ÜWA) die deutschen Schwarzmarktgeschäfte in Frankreich zu koordinieren, um gegenseitige Preissteigerungen zu vermeiden. Seit dem 1. März 1943 waren deutschen Staatsangehörigen Schwarzmarktgeschäfte außerhalb dieses Rahmens streng verboten (vgl. Hans Umbreit, Der Militärbefehlshaber in Frankreich, Boppard 1968, S. 292-294). Als die Vichy-Regierung die ständigen deutschen Forderungen nach Erhöhung der Lieferkontingente zum Anlaß nahm, auf einen völligen Verzicht zu drängen, stimmte die Vierjahresplanbehörde schließlich per Erlaß vom 17.3.1943 (betr. Lebensmittelmarkt) bzw. 2.4.1943 (betr. bewirtschaftete Rohstoffe und Fertigwaren) der schrittweisen Einstellung der Schwarzmarktgeschäfte zu, vgl. hierzu die entsprechende Anweisung des Militärbefehlshabers in Belgien und Nordfrankreich MVCh-Wi Abt./Leit.Int. vom 19.6.1943, BA-MA (Freiburg) 826.


[176] Am 6. August 1943 forderte Sauckel im Rahmen einer Besprechung in Paris von Laval weitere 500 000 französische Arbeitskräfte für den "Reichseinsatz" (Dritte Sauckelaktion). Darüber hinaus sollten in Frankreich eine Million Arbeitskräfte vom zivilen in den Rüstungssektor umgesetzt werden. Neben einer Ausweitung der Arbeitsdienstpflicht auf ältere und jüngere Jahrgänge sollten nun vor allem auch Frauen (450 000) in die Maßnahmen einbezogen werden. In über sechsstündigen Verhandlungen weigerte sich Laval jedoch, als Regierungschef deren Bereitstellung bis zum Jahresende zuzusagen, vgl. dazu den Vermerk von Sonderführer Eisler über eine Besprechung in den Räumen der Deutschen Botschaft am 6.8.1943, AN AJ 40/846 sowie das Schreiben Sauckels an Hitler vom 13.8.1943, IMT, Bd. XXVI, Dok. PS-556, S. 158.


[177] Julius Ritter, Beauftragter des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz in Frankreich.


[178] Richtig: 18.8.1943.


[179] Vgl. Journal Officiel vom 20. August 1943, S. 2197f.: Loi n° 476 du 18 août 1943 créant un commissaire général interministériel chargé temporairement de la répartition et de l'affectation de la main-d'oeuvre.


[180] Das CIMO, an dessen Spitze weiterhin Robert Weinmann stand, arbeitete nach Weisungen eines gleichzeitig eingesetzten interministeriellen Komitees für den Einsatz von Arbeitskräften, dem die Minister für Wirtschaft und Finanzen, Erziehung, Arbeit, Industrieproduktion und Landwirtschaft angehörten. Seine Aufgabe bestand vor allem in der Beilegung der zwischen den Dienststellen des Arbeits- und Produktionsministeriums entstandenen Kompetenzkonflikte.


[181] Vgl. Journal Officiel vom 21. August 1943, S. 2206: Décret n° 2389 du 18 août 1943 portant institution d'une commission régional interministerielle de la main-d'oeuvre.


[182] Geburtsjahrgang 1922.


[183] Vgl. dazu den Lagebericht April/Juni 1943, II 8.


[184] Der Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz beim MBF hatte am 1. Juni 1943 vorgeschlagen, "den ansteigenden Kräftebedarf der OT durch den geschlossenen Einsatz von Juden, Schwarzhändlern und Indochinesen zu gewährleisten." In Verhandlungen mit dem MBF erklärte sich die französische Regierung in Vichy daraufhin bereit, "allen Juden in Frankreich, die 1927 und später eingebürgert worden waren, die französische Staatsangehörigkeit abzuerkennen und die Übernahme dieser staatenlos gewordenen Juden durch die OT in die Wege zu leiten. Auf diese Weise kamen rund 10 000 französische Juden als Zwangsarbeiter in die bewachten Lager der OT." Vgl. dazu Schreiben des GBA an den MBF vom 1.6.1943, BA R 50 I/308 Bl. 105 sowie Besprechungsnotiz vom 27.6.1943, Institut für Zeitgeschichte NG 5172. Zitate hier nach Franz W. Seidler, die Organisation Todt. Bauen für Staat und Wehrmacht 1938_1945, Koblenz 1987, S. 142


[185] Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Fritz Sauckel, hatte in einem Gespräch mit Laval am 6. August 1943 den verstärkten Arbeitseinsatz von Frauen - der Beauftragte des GBA in Frankreich, Ritter, nannte eine Zahl von 450 000 - mit den Worten gefordert: "Die französischen Frauen müssen mehr als bisher zur Arbeit herangezogen werden, nachdem im Reich seit Januar 1943 auch Mütter von 2 Kindern in Rü-Betrieben arbeiten." Vgl. AN, AJ 40/846: Vermerk von Sonderführer Eisler über eine Besprechung in den Räumen der Deutschen Botschaft Paris am 6. August 1943.


[186] Vgl. den Lagebericht April/Juni 1943, II 7, Preisregelung.


[187] Vgl. den Artikel "Les assurances protègent les ouvriers et leurs familles", in der Pariser Zeitung vom 27. Juli 1943, S. 5.


[188] Vgl. den Lagebericht April/Juni 1943, II 8, Sozialversicherung.


[189] Richtig: Commissariat Général à la Main d'Œuvre Française en Allemagne. Zur Einrichtung vgl. den Lagebericht April/Juni 1943, II 8, Betreuung der französischen Arbeiter im Reich.


[190] Unterlagen hierzu s. BA-MA (Freiburg) RW 35/1407 und RW 35/1408 sowie RW 35/1411.


[191] Da das Gebiet südlich der ehemaligen Demarkationslinie formal nicht zum besetzten Teil des Landes zählte und daher auch nicht dem Militärbefehlshaber in Paris, sondern dem Kommandanten des Heeresgebietes in Südfrankreich unterstand, galten dort für Brief- und Paketsendungen gesonderte Bestimmungen.


[192] Vgl. Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 97 vom 27. September 1943, S. 554-555: Verordnung über den Verfall des Vermögens von Juden, die Angehörige des Protektorats Böhmen und Mähren waren, zugunsten des Grossdeutschen Reichs. Vom 15. September 1943.


[193] Vgl. Reichsgesetzblatt vom 11. November 1942, Nr. 114, Teil 1, S. 637-638: Verordnung über den Verlust der Protektoratsangehörigkeit. Vom 2. November 1942.


[194] Vgl. Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 97 vom 27. September 1943, S. 553-554: Verordnung über den Verfall des Vermögens von Juden, die Angehörige des ehemaligen Polnischen Staates waren, zugunsten des Grossdeutschen Reichs. Vom 15. September 1943.


[195] Text im Reichsgesetzblatt nicht ermittelt. Grundlage war vermutlich die im Reichsgesetzblatt Nr. 170 vom 28. September 1940, Teil 1, S. 1270-1273 genannte Verordnung über die Behandlung von Vermögen der Angehörigen des ehemaligen polnischen Staates. Vom 17.9.1940 sowie die in Nr. 54 vom 20. Mai 1942, Teil 1, S. 331-333 abgedruckte Erste Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Behandlung von Vermögen der Angehörigen des ehemaligen polnischen Staates.


[196] Vgl. Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 79 vom 9. Dezember 1942, S. 451-452: Verordnung über den Verfall des Vermögens von Juden deutscher oder ehemals deutscher Staatsangehörigkeit zu Gunsten des Deutschen Reiches. Vom 2. Dezember 1942.


[197] Vgl. Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich Nr. 80 vom 14. Dezember 1942, S. 451-453: Verordnung über die Besteuerung deutscher Unternehmer, die überwiegend für Besatzungszwecke tätig sind. Vom 2. Dezember 1942.


[198] Vgl. dazu auch den Lagebericht Januar/März 1943, II 9.


[199] Nach wiederholten Attentaten auf deutsche Wehrmachtangehörige hatte der Militärbefehlshaber durch öffentliche Bekanntmachung am 14. Dezember 1941 den Juden im besetzten Gebiet die Zahlung einer Geldbusse von 1 Mrd. frs. auferlegt, vgl. den Lagebericht Dezember 1941/Januar 1942, II 7.


[200] Vgl. Journal Officiel vom 22. September 1943, S. 2491: Loi n° 510 du 15 septembre 1943 relative au retrait de monnaie divisionnaire.


[201] Es handelt sich um das Gebiet westlich von Genf, im Departement Ain.


[202] Wehrwirtschafts-Dienststellen.


[203] Wehrwirtschafts-Stab West.


[204] Wehrwirtschaftsoffizier Südfrankreich.


[205] Departement Isère.


[206] Departement Vaucluse.


[207] Departement Rhône.


[208] Departement Haute-Garonne.


[209] Departement Puy-de-Dôme.


[210] Nicht-Eisen-Metalle


[211] Nähere Einzelheiten nicht ermittelt.


[212] Gemeint ist hier das sogenannte "Adolf-Hitler-Panzerprogramm". Hitler hatte bereits im September 1942 bis zum Frühjahr 1944 eine Steigerung der monatlichen Fertigungskapazität auf 800 Kampfpanzer, 300 Sturmgeschütze und 300 Selbstfahrlafetten gefordert. Das von Speer geleitete Programm erreichte infolge Rohstoffmangels nur im Sommer 1944 annähernd diese Zahlen. Vorrangig sollten der Bau des Panzertyps V ("Panther") und in weit geringerem Maße des Panzers VI ("Tiger") gefördert werden. Dieses Ziel wurde nicht erreicht, denn bis Kriegsende blieb der Anteil an der Gesamtproduktion des teilweise veralteten Panzers IV unverändert hoch.


[213] Departement Nord.


[214] Departement Isère.


[215] Deutsche Waffenstillstandskommission.


[216] Sicherheitsdienst.